{"id":166867,"date":"2019-03-05T11:41:20","date_gmt":"2019-03-05T10:41:20","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=166867"},"modified":"2019-03-05T11:41:20","modified_gmt":"2019-03-05T10:41:20","slug":"kunststofftechniker-kooperieren-mit-sozial-orientiertem-recycling-startup-in-kenia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/kunststofftechniker-kooperieren-mit-sozial-orientiertem-recycling-startup-in-kenia\/","title":{"rendered":"Kunststofftechniker kooperieren mit sozial orientiertem Recycling Startup in Kenia"},"content":{"rendered":"<p>Forscher der <em>Johannes Kepler Universit\u00e4t Linz<\/em> bringen ihre Expertise im Bereich Kunststofftechnik in einem Recycling-Startup in Kenia ein. Gemeinsam wurde ein wirtschaftlich tragbares Modell entwickelt, das auch technologischen Fortschritt brachte.<\/p>\n<p>Die bestehende Abfallwirtschaft in Kenia ist rudiment\u00e4r und l\u00e4uft vorwiegend informell. Die Bewohner deponieren ihren Haushaltsabfall auf der Stra\u00dfe. Dort wird dieser in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden von privaten M\u00fcllsammlern eingesammelt, die Wiederverwertbares und Recycelbares heraussuchen. Das System ist undurchsichtig und ausbeuterisch: Die Abnehmer sind Mittelsm\u00e4nner &#8211; und der Erl\u00f6s ungewiss. Dadurch haben die M\u00fcllsammler kein fixes Einkommen. Wer von der undurchsichtigen Wertsch\u00f6pfungskette profitiert, das sind die Mittelsm\u00e4nner.<\/p>\n<h3>Ineffiziente Abfallwirtschaft<\/h3>\n<p>Problematisch sind nicht nur die sozial ausbeuterischen Verh\u00e4ltnisse in der informell organisierten Abfallwirtschaft, sondern auch deren Ineffizienz. Letztere ist auf fehlende rechtliche Rahmenbedingungen, unzureichende Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse und unzug\u00e4ngliche Daten zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><em>Karim Debabe<\/em> und <em>Keiran Smith<\/em> waren noch Studenten, als sie 2010 <a href=\"https:\/\/www.mrgreenafrica.com\/\"><em>Mister Green Africa<\/em><\/a> (MGA) gr\u00fcndeten. Gemeinsam wollten die Wirtschaftsstudenten den bislang ungeregelten Recyclingsektors in eine Plastik-Kreislaufwirtschaft integrieren. Gleichzeitig wollten sie eine Verbesserung der sozio-\u00f6konomischen Bedingungen herbeif\u00fchren. Durch die Errichtung von Umschlagpl\u00e4tzen in ganz Nairobi, gelang es ihnen die Mittelsm\u00e4nner auszuschalten und den M\u00fcllsammlern zwei Verbesserungen zu bieten:<\/p>\n<ul>\n<li>die M\u00f6glichkeit des Direktverkaufs;<\/li>\n<li>h\u00f6here und stabile Preise;<\/li>\n<\/ul>\n<h3><\/h3>\n<h3>Transparenz schaffen<\/h3>\n<p>Die M\u00fcllsammlung organisierten sie via mobiler App. Jeder M\u00fcllsammler erh\u00e4lt ein Profil, das die Dokumentation und Analyse seiner Produktivit\u00e4t und Verl\u00e4sslichkeit erm\u00f6glicht. Die Entlohnung ist erfolgsorientiert: M\u00fcllsammler, die regelm\u00e4\u00dfig an MGA liefern, haben Anspruch auf h\u00f6here Preise. Bei Erreichen des Monatsziels werden zus\u00e4tzlich Sozialleistungen gew\u00e4hrt. Der Zustrom war gro\u00df: Bereits 2000 M\u00fcllsammler haben langfristige Vertr\u00e4ge.<\/p>\n<p>2017 wandte sich das Startup an das<a href=\"https:\/\/www.jku.at\/institute-of-polymeric-materials-and-testing\/\"> <em>Institut f\u00fcr Polymer-Werkstoffe und Pr\u00fcfung<\/em><\/a> (IPMT) und das <a href=\"https:\/\/www.jku.at\/institut-fuer-integrierte-qualitaetsgestaltung\/\"><em>Institut f\u00fcr Integrierte Qualit\u00e4tsgestaltung<\/em><\/a> (IQD) an der <a href=\"https:\/\/www.jku.at\/\"><em>Johannes Kepler Universit\u00e4<\/em>t<\/a> in Linz. Das System krankte an mangelnder Materialqualit\u00e4t und Absatzf\u00e4higkeit der Recyclingprodukte. Hergestellt wurden vorwiegend Verpackungsprodukte. Das <em>IPMT<\/em> f\u00fchrte Materialtests durch und stellte mehrere M\u00e4ngel fest:<\/p>\n<ul>\n<li>Kontamination;<\/li>\n<li>nicht kommerzialisierbare Farben;<\/li>\n<li>unzureichende Verarbeitung;<\/li>\n<li>geringe Belastbarkeit in mechanischen Tests;<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine erste Ma\u00dfnahme wurde mit der Errichtung eines Hei\u00dfwasch- und Sortierungsflie\u00dfbands am Firmensitz in Nairobi gesetzt.<\/p>\n<h3>Verunreinigter und durchmischter M\u00fcll<\/h3>\n<p>In Zusammenarbeit mit dem <em>Institut f\u00fcr<\/em> <em>Integrierte Qualit\u00e4tsgestaltung<\/em> wurde das Gesch\u00e4ftsmodell der <em>MGA<\/em> analysiert. Gemeinsam wollte man ein Konzept f\u00fcr die Integration des informellen Recyclingsektors in eine sozial vertr\u00e4gliche Kreislaufwirtschaft entwickeln. Problematisch ist die starke Durchmischung und Verunreinigung der gesammelten Kunststoffe. Die Aufbereitung erfordert Handarbeit und industrielle Wasch- und Sortierprozesse, um hochwertiges wiederverwertbares Material zu erhalten, erkl\u00e4rt <a href=\"ttps:\/\/www.jku.at\/en\/institute-for-integrated-quality-design\/about-the-iqd\/team\/profile-wiener\/\"><em>Melanie Wiener<\/em><\/a> vom <em>I<a href=\"https:\/\/www.jku.at\/institut-fuer-integrierte-qualitaetsgestaltung\/\">nstitut f\u00fcr Integrierte Qualit\u00e4tsgestaltung<\/a><\/em> in einem Bericht der <em>Kepler Tribune<\/em> (01\/2019).<\/p>\n<p>Eine Probleml\u00f6sung fand man in der Kategorisierung des zu sammelnden Materials, das zu einer Harmonisierung der Arbeitschritte f\u00fchrte. Die gezielte M\u00fcllsammlung gew\u00e4hrleistet einen relativ konstanten Nachschub an bereits vorselektiertem recyclingf\u00e4higem Plastikm\u00fcll. Das ist die Grundvoraussetzung f\u00fcr das Sortieren, Waschen und Schreddern im industriellen Ma\u00dfstab.<\/p>\n<h3>Industrielles Niveau<\/h3>\n<p>In den Recyclingprozess gehen Flaschen, Eimer, Beh\u00e4lter, etc. ein. Diese werden sortiert, von festen Fremdstoffen befreit, zerkleinert, gewaschen und getrocknet. Bis jetzt endet der Prozessablauf noch beim sortierten und hei\u00dfgewaschenen Mahlgut, den sogenannten <em>Flakes<\/em>, die von <em>MGA<\/em> so vertrieben werden.<\/p>\n<p>In naher Zukunft m\u00f6chte <em>MGA<\/em> mit der Granulierung (Pelletizing) einen weiteren Wertsch\u00f6pfungsschritt integrieren, erkl\u00e4rt der Forscher<a href=\"https:\/\/www.jku.at\/en\/institute-of-polymeric-materials-and-testing\/team\/di-markus-gall-bsc\/\"> <em>Markus Gall<\/em><\/a>. Im Labor der <em>JKU<\/em> wurde dieser Schritt schon vollzogen. Dabei werden die hei\u00dfgewaschenen Flakes mit Hilfe einer Extrusionsanlage zu Granulat (Pellets).<\/p>\n<p>Im Verfahren werden die Flakes geschmolzen, gemischt, homogenisiert und entgast. Anschlie\u00dfend wird die Schmelze zu einem d\u00fcnnen Strang geformt, der sofort granuliert wird.<\/p>\n<p>Durch diese Aufbereitung nimmt das Material eine homogenere und besser definierte Form von Kunststoff an, als dies bei Mahlgut der Fall ist. Granulat ist besser zur Aufbewahrung, zum Transport und vor allem zur Weiterverarbeitung und Produktherstellung geeignet als Mahlgut.<\/p>\n<h3>Zukunftsziele<\/h3>\n<p>Mittlerweile sind die Recyclingprodukte marktf\u00e4hig und k\u00f6nnen sich in Zusammensetzung und Eignung zur Weiterbearbeitung mit jenen im europ\u00e4ischen Recyclingmarkt messen.<\/p>\n<p>Dieser Erfolg lie\u00df die Projektpartner drei Zukunftsziele formulieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Am Firmensitz in Nairobi soll ein Plastikverarbeitungs- und Testlabor installiert werden, um Material- und Qualit\u00e4tstests im Haus zu erm\u00f6glichen. Das Labor soll auch f\u00fcr Schulungszwecke genutzt werden. Adressat ist die interessierte \u00d6ffentlichkeit \u2013 und vor allem die Jugend. Die n\u00e4chste Generation soll mit Wissen und Kreativit\u00e4t von der Fremdhilfe zur Selbsthilfe \u00fcbergehen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Die M\u00fcllsammler sollen von der Stra\u00dfe weggeholt werden. Durch eine Umschulung sollen M\u00fcllsammler zu Abholagenten werden, die den M\u00fcll direkt von den privaten Haushalten abholen.<\/li>\n<li>Das Projekt soll im <em>IQD<\/em> dokumentiert werden, um das Wissen in weiterer Folge \u00e4hnlichen Organisationen in anderen Entwicklungsl\u00e4ndern zur Verf\u00fcgung stellen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gleichzeitig will <em>Keiran Smith<\/em> das Projekt ausweiten. \u201cIn den n\u00e4chsten Jahren m\u00f6chten wir uns noch auf die ostafrikanische Region konzentrieren, schlie\u00dfen aber eine Expansion in andere afrikanische L\u00e4nder nicht aus\u201c, sagt er in der <em>Kepler Tribune<\/em>. Dar\u00fcberhinaus sieht er viel Potenzial f\u00fcr L\u00e4nder, die ein M\u00fcllproblem und informelle M\u00fcllsammler haben &#8211; wie etwa Indien, die lateinamerikanischen Staaten oder aufstrebende Wirtschaften in S\u00fcdostasien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_166868\" aria-describedby=\"caption-attachment-166868\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-166868 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Co-Gru\u0308nder-Keiran-Smith-mit-seinen-Mitarbeitern-c-Mister-Green-Africa-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-166868\" class=\"wp-caption-text\">Mister Green Africa wurde 2010 von zwei Wirtschaftsstudenten in der Schweiz gegr\u00fcndet. Im Bild: Co-Gr\u00fcnder Keiran Smith mit seinen Mitarbeitern. (c) Mister Green Africa<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/kreislaufwirtschaft-fordert-langlebige-und-recyclingfaehige-produkte\/\">Kreislaufwirtschaft fordert langlebige und recyclingf\u00e4hige Produkte <\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/kreislaufwirtschaft-fuer-textilien-aus-fasermischungen\/\">Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Textilien aus Fasermischungen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forscher der Johannes Kepler Universit\u00e4t Linz bringen ihre Expertise im Bereich Kunststofftechnik in einem Recycling-Startup in Kenia ein. Gemeinsam wurde ein wirtschaftlich tragbares Modell entwickelt, das auch technologischen Fortschritt brachte. Die bestehende Abfallwirtschaft in Kenia ist rudiment\u00e4r und l\u00e4uft vorwiegend informell. Die Bewohner deponieren ihren Haushaltsabfall auf der Stra\u00dfe. 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