{"id":166568,"date":"2019-03-01T11:39:44","date_gmt":"2019-03-01T10:39:44","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=166568"},"modified":"2019-03-01T11:39:44","modified_gmt":"2019-03-01T10:39:44","slug":"mikroplastik-in-suessgewaessern-und-alpinen-fluessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/mikroplastik-in-suessgewaessern-und-alpinen-fluessen\/","title":{"rendered":"Mikroplastik in S\u00fc\u00dfgew\u00e4ssern und alpinen Fl\u00fcssen"},"content":{"rendered":"<p>Das Thema Mikroplastik ist eng mit der Verschmutzung der Ozeane verbunden. Dabei ger\u00e4t leicht in Vergessenheit, dass das Dilemma auch S\u00fc\u00dfgew\u00e4sser betrifft. \u00d6kologen an der <em>Universit\u00e4t Innsbruck<\/em> haben nun untersucht, inwieweit auch alpine Fl\u00fcsse davon betroffen sind.<\/p>\n<p>Der durchschnittliche Plastikverbrauch liegt bei vierundachtzig Kilogramm pro Person und Jahr. Plastik verrottet nicht und Abf\u00e4lle belastet die Umwelt \u00fcber Jahrtausende. Aufgrund der extrem langen Verweildauer reichert sich Mikroplastik bis in die entlegensten Winkel der Welt ab. Es wurde bereits in Tiefsee-Sedimenten, im Eis, Schnee und in Wasserproben aus der Antarktis sowie in weit abgelegenen Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern in der Mongolei oder auf unbewohnten Inseln im Pazifik gefunden. Zahlreiche negative Auswirkungen auf das \u00d6kosystem sind die Folge.<\/p>\n<h3>Mikroplastik verrottet nicht<\/h3>\n<p>Durch den mechanischen Abrieb von Wind und Wellen, die Sonneneinstrahlung und durch die Ansiedelung von Mikroorganismen auf der Oberfl\u00e4che verwittern die Plastikpartikel zunehmend und werden zu immer kleineren Fragmenten. Ab einem Durchmesser von weniger als f\u00fcnf Millimetern werden diese als Mikroplastik bezeichnet, wei\u00df die Studentin <em>Myriam Zocchi<\/em>. Sie widmete dem Thema ihre Masterarbeit am<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/ecology\/index.html.de\"> <em>Institut f\u00fcr \u00d6kologie<\/em><\/a> an der <em>Universit\u00e4t Innsbruck<\/em>.<\/p>\n<p><em>Zocchi<\/em> wollte allgemeine Erkenntnisse zu Mikropartikeln in S\u00fc\u00dfgew\u00e4ssern gewinnen. Studien dazu sind noch rar. Dar\u00fcberhinaus wollte sie herauszufinden, inwieweit auch alpine Fl\u00fcsse von der Mikroplastik-Verschmutzung betroffen sind. Ihr Forschungsfeld fand sie vor der Haust\u00fcr. Sie untersuchte die Mikroplastik-Vorkommen am Ufer des <em>Inn<\/em>. Der Forschungsfokus lag auf:<\/p>\n<ul>\n<li>der Identifikation der h\u00e4ufigsten Plastiktypen und \u2013formen;<\/li>\n<li>dem Zusammenhang des Plastik-Partikel-Aufkommens mit anthropogenen Einfl\u00fcssen wie etwa Kl\u00e4ranlagen, M\u00fclldeponien, dicht besiedelten Standorten, entlegeneren Standorten, Naherholungsgebieten;<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_166572\" aria-describedby=\"caption-attachment-166572\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-166572 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Innufer-Innsbruck-Ost-c-Myriam-Zocchi-600x450.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-166572\" class=\"wp-caption-text\">Die Sedimentproben wurden am Ufer des Inn zur Zeit der Schneeschmelze entnommen. (c) Myriam Zocchi<\/figcaption><\/figure>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3>Entnahme der Sediment-Proben<\/h3>\n<p>Die Sediment-Proben wurde im Fr\u00fchjahr entnommen \u2013 noch vor dem Einsetzen der Schneeschmelze und dem damit einhergehenden Steigen des Wasserpegels. An drei Standorten im Gro\u00dfraum <em>Innsbruck<\/em> wurden sechs Fl\u00e4chen von jeweils f\u00fcnfzig mal f\u00fcnfzig Zentimetern untersucht. Ins Forschungsmaterial ging die f\u00fcnf Zentimeter unter der Oberfl\u00e4che liegende Sedimentschicht ein.<\/p>\n<p>Die Sedimentproben wurden auf die Korngr\u00f6\u00dfe von f\u00fcnf Millimetern gesiebt \u2013 der definierten Gr\u00f6\u00dfe von Mikroplastik.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend wurden mittels Salzl\u00f6sung schwere Sandk\u00f6rner von leichteren Materialien wie Plastik separiert.<\/p>\n<h3>Identifikation der Plastik-Partikel<\/h3>\n<p>In Zusammenarbeit mit Forschern vom <em>Institut f\u00fcr Mineralogie und Petrografie<\/em> f\u00fchrte <em>Zocchi <\/em>eine <em>Raman-Spektroskopie<\/em> zur Identifikation der Mikroplastik-Partikel durch. Wenn Plastik nicht zu intensiv gef\u00e4rbt ist, kann es in diesem Verfahren identifiziert werden.<\/p>\n<p>Bei der <em>Raman-Spektroskopie<\/em> wird Licht einer bestimmten Wellenl\u00e4nge auf die zu identifizierenden Partikel geleitet. Unter dem einfallenden Licht ver\u00e4ndert sich die Schwingung der Molek\u00fcle und die Frequenz von r\u00fcckgestrahltem zu einfallendem Licht liefert materialtypische Spektren. Diese Spektren k\u00f6nnen mit jenen in einer Datenbank verglichen werden, erkl\u00e4rt Zocchi. Die Analyse ist unter dem Begriff\u00a0 <em>Raman-Shift<\/em> bekannt.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAuffallend war die gro\u00dfe Zahl an bunten Plastikf\u00e4den, den sogenannten Filamenten. Auch wenn die Identifikation dieser teilweise winzigen F\u00e4den sehr schwierig war, gehen wir davon aus, dass es sich um Polyester-Fasern aus Kleidung handelt.\u201c <em>Myriam<\/em> <em>Zocchi<\/em><\/p><\/blockquote>\n<h3>Polyesterf\u00e4den aus Bekleidung<\/h3>\n<p>Hervorzuheben ist auch die Menge von Mikroplastik, die im Sediment des Flussufers zu finden war. Bei einer vorangegangenen Studie am Gardasee fanden Forschende der <em>Universit\u00e4t Bayreuth<\/em> 2013 nur ein Viertel der Menge.<\/p>\n<p>Wie die Forscher einwerfen, war auch die Wahl der Standorte entscheidend f\u00fcr den hohen Anteil an Mikroplastik im Inn. Zwei der Standorte befunden sich unterhalb von Kl\u00e4ranlagen \u2013 und in Kl\u00e4ranlagen ist die Filterung von Mikropartikeln aus dem Abwasser noch nicht m\u00f6glich, erkl\u00e4rt der betreuende\u00a0 Professor <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/ecology\/staff\/persons\/sommaruga.html.en\"><em>Ruben Sommaruga<\/em><\/a>.<\/p>\n<h3>Bedenkliche Wegwerfkultur<\/h3>\n<blockquote><p>\u201ePlastik an sich ist nicht schlecht. Nur die Wegwerfkultur, die sich hier etabliert hat, ist bedenklich und muss ver\u00e4ndert werden.\u201c <em>Ruben Sommaruga<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der sorglose Umgang mit Plastik zeigt sich auch an den Ufern des Inn, wo die Forscher viele gr\u00f6\u00dfere Plastikteile fanden. Dazu <em>Zocchi<\/em>: \u201e Nat\u00fcrlich ist es uns auch wichtig, ein Problembewusstsein in der Bev\u00f6lkerung zu schaffen und zu sagen, dass sich Mikroplastik auch in unserer unmittelbaren Umgebung findet.\u201c<\/p>\n<p>Die Forscher betonen, dass die Wissenschaft noch ganz am Anfang steht, wenn es um die Frage nach den Auswirkungen der Mikroplastik-Verschmutzung geht. In einer weiteren Studie soll nun untersucht werden, inwieweit Mikroplastik auch als Tr\u00e4ger von Umweltschadstoffen fungiert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_166575\" aria-describedby=\"caption-attachment-166575\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-166575\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/c-Myriam-Zocchi-600x450.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-166575\" class=\"wp-caption-text\">Die Sedimentproben wurde auf Fl\u00e4chen von f\u00fcnfzig mal f\u00fcnzig Zentimetern entnommen. (c) Myriam Zocchi<\/figcaption><\/figure>\n<h3><\/h3>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/verunreinigung-der-ozeane-die-welt-wacht-auf-hoffentlich\/\">Verunreinigung der Ozeane: die\u00a0 Welt wacht auf &#8211; hoffentlich<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema Mikroplastik ist eng mit der Verschmutzung der Ozeane verbunden. Dabei ger\u00e4t leicht in Vergessenheit, dass das Dilemma auch S\u00fc\u00dfgew\u00e4sser betrifft. \u00d6kologen an der Universit\u00e4t Innsbruck haben nun untersucht, inwieweit auch alpine Fl\u00fcsse davon betroffen sind. Der durchschnittliche Plastikverbrauch liegt bei vierundachtzig Kilogramm pro Person und Jahr. Plastik verrottet nicht und Abf\u00e4lle belastet die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1688,"featured_media":507189,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":"","footnotes":""},"categories":[23253],"tags":[94534,32543,38746,94537,29805],"location":[24328,28185],"article_type":[],"serie":[],"archives":[],"internal_archives":[],"reboot-archive":[],"class_list":["post-166568","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachhaltigkeit","tag-alpine-fluesse-de","tag-innsbruck-de-de","tag-mikroplastik-de","tag-suessgewaesser-de","tag-universitat-innsbruck-de","location-deutschland","location-oesterreich"],"blocksy_meta":[],"acf":{"subtitle":"","text_display_homepage":false},"author_meta":{"display_name":"Hildegard Suntinger","author_link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/author\/hildegard-suntinger\/"},"featured_img":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Innufer-Innsbruck-Ost-c-Myriam-Zocchi.jpg","coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/en\/category\/nachhaltigkeit\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Nachhaltigkeit<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Nachhaltigkeit<\/span>"]},"tags":{"linked":["<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/en\/category\/nachhaltigkeit\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">alpine Fl\u00fcsse<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/en\/category\/nachhaltigkeit\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Innsbruck<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/en\/category\/nachhaltigkeit\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Mikroplastik<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/en\/category\/nachhaltigkeit\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">S\u00fc\u00dfgew\u00e4sser<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/en\/category\/nachhaltigkeit\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Universit\u00e4t Innsbruck<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">alpine Fl\u00fcsse<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">Innsbruck<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">Mikroplastik<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">S\u00fc\u00dfgew\u00e4sser<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">Universit\u00e4t Innsbruck<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Posted 7 years ago","modified":"Updated 7 years ago"},"absolute_dates":{"created":"Posted on March 1, 2019","modified":"Updated on March 1, 2019"},"absolute_dates_time":{"created":"Posted on March 1, 2019 11:39 am","modified":"Updated on March 1, 2019 11:39 am"},"featured_img_caption":"","series_order":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/166568","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1688"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=166568"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/166568\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/media\/507189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=166568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=166568"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=166568"},{"taxonomy":"location","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/location?post=166568"},{"taxonomy":"article_type","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/article_type?post=166568"},{"taxonomy":"serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/serie?post=166568"},{"taxonomy":"archives","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/archives?post=166568"},{"taxonomy":"internal_archives","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/internal_archives?post=166568"},{"taxonomy":"reboot-archive","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/reboot-archive?post=166568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}