{"id":166089,"date":"2019-02-21T18:45:47","date_gmt":"2019-02-21T17:45:47","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=166089"},"modified":"2019-02-21T18:45:47","modified_gmt":"2019-02-21T17:45:47","slug":"bluttest-zur-diagnose-von-brustkrebs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/bluttest-zur-diagnose-von-brustkrebs\/","title":{"rendered":"Bluttest zur Diagnose von Brustkrebs"},"content":{"rendered":"<p>Brustkrebs geh\u00f6rt in Deutschland zu den h\u00e4ufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Ungef\u00e4hr 70.000 sind im Jahr 2018 neu erkrankt. Das sind etwa 30 Prozent der Krebsneuerkrankungen insgesamt. Doch bei einer fr\u00fchzeitigen Erkennung besteht mit 95 Prozent eine sehr hohe Heilungschance. Zur Fr\u00fcherkennung wurden bis jetzt das Mammographie-Screening, MRT, die Tast- und Selbstuntersuchung der Brust sowie Ultraschall eingesetzt. Forscher des <a href=\"https:\/\/www.klinikum.uni-heidelberg.de\/Startseite.2.0.html?&amp;no_cache=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Universit\u00e4ts-Frauenklinikums Heidelberg<\/a>\u00a0stellten heute ein neues Verfahren in der Brustkrebsdiagnostik vor: Mit Hilfe eines Bluttests soll diese deutlich verbessert werden.<\/p>\n<p>\u201eDer von unserem Forscherteam entwickelte Bluttest ist eine neue, revolution\u00e4re M\u00f6glichkeit, eine Krebserkrankung in der Brust nicht-invasiv und schnell anhand von Biomarkern im Blut zu erkennen&#8221;, so Prof. Dr. Christof Sohn, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender \u00c4rztlicher Direktor der Heidelberger Uni-Klinik.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Sarah Schott, Sektionsleiterin Translationale Frauenheilkunde und Leiterin f\u00fcr Famili\u00e4re Krebserkrankungen der Klinik, verantwortete das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Sohn. Sie erg\u00e4nzt: \u201eDas neue blutbasierte Verfahren ist deutlich weniger belastend f\u00fcr Frauen, weil es weder schmerzhaft ist noch mit einer Strahlenbelastung einhergeht.&#8221;<\/p>\n<h3>Liquid Biopsy<\/h3>\n<p>Denn auf Basis der sogenannten \u201eLiquid Biopsy\u201c ist es nun m\u00f6glich, die Erkrankung anhand von Biomarkern zu diagnostizieren. So k\u00f6nnen Informationen \u00fcber eine Erkrankung aus K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten wie beispielsweise Blut, Urin oder Speichel gewonnen werden. Hierf\u00fcr werden Botenstoffe von Tumorzellen in der Fl\u00fcssigkeitsprobe untersucht. F\u00fcr den aktuellen Test sind nur wenige Milliliter Blut notwendig. In diesem k\u00f6nnen von an Brustkrebs erkrankten Frauen 15 verschiedene Biomarker (miRNA und Methylierungsmarker) identifiziert werden. Mit deren Hilfe sind wiederum auch kleine Tumore nachweisbar. Die Durchf\u00fchrung des Tests ist in jedem Labor m\u00f6glich. Er erweitert das Diagnosespektrum der bislang durchgef\u00fchrten, optischen Verfahren.<\/p>\n<p>Durchf\u00fchrbar ist der Test bei Frauen aller Altersgruppen. Doch besonders profitieren j\u00fcngere Frauen unter 50 Jahren davon. Aber auch f\u00fcr Frauen mit famili\u00e4rer Hochrisikosituation f\u00fcr eine Brustkrebserkrankung, bei denen eine Mammografie beispielsweise aufgrund des dichten Brustdr\u00fcsengewebes wenig Aussage liefert oder aufgrund anderer Risikofaktoren herk\u00f6mmliche bildgebende Verfahren kontraindiziert sind, ist er eine gute Alternative. Hier konnte eine Sensitivit\u00e4t von 80 bis 90 Prozent erreicht werden. Die Sensitivit\u00e4t gibt an, zu welchem Prozentsatz erkrankte Patientinnen durch den Test tats\u00e4chlich erkannt werden.<\/p>\n<h3>Diagnose von weiteren Krebsarten wird erforscht<\/h3>\n<p>Das Universit\u00e4tsklinikum Heidelberg gilt als eines der bedeutendsten\u00a0medizinischen Zentren in Deutschland. Insbesondere ist es auch f\u00fcr seine\u00a0Krebsforschung und -therapie bekannt. Schon seit Jahren wird am Klinikum im Bereich Liquid Biopsy geforscht. Im Jahr 2016 meldeten die Wissenschaftler das dem Test zugrunde liegende Verfahren als Patent an. So wurden erste F\u00f6rdermittel gewonnen. Seitdem arbeiteten die Forscher daran das Verfahren zu verfestigen und weiterzuentwickeln sowie die Genauigkeit in diversen Untersuchungen zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Untersucht wurde in den letzten 12 Monaten eine Kohorte von \u00fcber 900 Frauen mit \u00fcber 500 Brustkrebspatientinnen und 400 gesunden Frauen. Die Studie ist auf eine Teilnehmerzahl von 2.000 ausgelegt und wird als Multizenterstudie fortgef\u00fchrt. Aktuelle Ergebnisse zeigen bei den 500 Brustkrebspatientinnen insgesamt eine Sensitivit\u00e4t von 75 Prozent. Wobei hier altersabh\u00e4ngige Unterschiede festgestellt wurden: bei den unter 50\u2011j\u00e4hrigen zeigte sich eine Sensitivit\u00e4t von 86 Prozent bzw. bei den \u00fcber 50-j\u00e4hrigen von 60 Prozent.<\/p>\n<p>Ziel der fortlaufenden Studie ist es, die Aussagekraft, Sensitivit\u00e4t und Einsatzm\u00f6glichkeit durch zuk\u00fcnftige Analysen weiter zu spezifizieren und zu verbessern. Auch wird der Einsatz bei weiteren Krebsarten, so z. B. Eierstockkrebs, erforscht. Die derzeitigen Zwischenergebnisse erreichen eine Sensitivit\u00e4t von bis zu 80 Prozent bei den rund 200 untersuchten Patientinnen.<\/p>\n<h3>Personalisierte Chemotherapie m\u00f6glich<\/h3>\n<p>Neben der Erkennung einer Krebserkrankung kann der Bluttest zur Analyse weiterer Daten dienen. So soll zuk\u00fcnftig anhand von Biomarkern auch eine Metastasenbildung oder ein Rezidiv fr\u00fchzeitiger erkannt werden. Auch soll der Test bei der Langzeit\u00fcberwachung eingesetzt werden. Daneben dienen die gewonnenen Informationen auch der Therapie: Die Biomarker k\u00f6nnen Auskunft dar\u00fcber geben, ob eine Behandlung anspricht oder eine Therapieresistenz eintritt. Die ersten Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das individuelle Ansprechen auf eine Chemotherapie \u00fcber Liquid Biopsy \u00fcberwacht werden kann und so eine langfristig personalisiertere Chemotherapiebehandlung m\u00f6glich wird.<\/p>\n<p>Um die notwendigen Zertifizierungen voranzutreiben und die Marktreife sicherzustellen, gr\u00fcndeten die Wissenschaftler nun eine Gesellschaft mit dem Namen <a href=\"https:\/\/www.heiscreen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">HeiScreen GmbH<\/a>. Die Gesellschaft soll die Markteinf\u00fchrung des Verfahrens voranbringen und Vertriebskan\u00e4le entwickeln. Die CE-Zertifizierung hat bereits begonnen, um den Bluttest noch in diesem Jahr in die klinische Anwendung zu bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Bild oben: Prof. Dr. Sarah Schott und Prof. Dr. Christof Sohn von der Universit\u00e4ts-Frauenklinik \u00a9Universit\u00e4tsklinikum Heidelberg<\/em><\/p>\n<h3>Diese Artikel k\u00f6nnten Sie auch interessieren:<\/h3>\n<p><strong>Innovationen, die die Krebsbehandlung ver\u00e4ndern werden:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/innovationen-die-die-krebsbehandlung-veraendern-werden-1-gentherapie-mit-clostridien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(1) Gentherapie mit Clostridien<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/innovationen-die-die-krebsbehandlung-veraendern-werden-2-schnellerer-einblick-durch-molekulare-bildgebung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(2) Schnellerer Einblick durch molekulare Bildgebung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/innovationen-die-die-krebsbehandlung-veraendern-werden-3-immuntherapie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(3) Immuntherapie<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brustkrebs geh\u00f6rt in Deutschland zu den h\u00e4ufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Ungef\u00e4hr 70.000 sind im Jahr 2018 neu erkrankt. Das sind etwa 30 Prozent der Krebsneuerkrankungen insgesamt. Doch bei einer fr\u00fchzeitigen Erkennung besteht mit 95 Prozent eine sehr hohe Heilungschance. 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