{"id":166079,"date":"2019-02-21T13:20:06","date_gmt":"2019-02-21T12:20:06","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=166079"},"modified":"2019-02-21T13:20:06","modified_gmt":"2019-02-21T12:20:06","slug":"gehrin-studie-lebensstil-spuren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/gehrin-studie-lebensstil-spuren\/","title":{"rendered":"Studie beweist: Lebensstil hinterl\u00e4sst Spuren im Gehirn"},"content":{"rendered":"<p>Die Folgen des Rauchens und von \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Alkoholgenuss sind schon lange bekannt und Rauchern werden sie seit einiger Zeit recht plakativ auf jeder Schachtel Glimmstengel vor Augen gef\u00fchrt. Fitnessstudios dagegen werben gerne mit Aufz\u00e4hlungen verschiedenster Vorteile von Sport und betonen, wie gesund regelm\u00e4\u00dfige sportliche Bet\u00e4tigung ist. Es ist also weitl\u00e4ufig bekannt, was gesund und was ungesund ist. Wie \u201eungesund\u201c es zus\u00e4tzlich allerdings sein kann, keine oder nur wenige soziale Kontakte zu haben, haben zwei Forscherinnen aus J\u00fclich nun aufgezeigt.<\/p>\n<p>Professorin Svenja Caspers vom <a href=\"http:\/\/www.fz-juelich.de\/inm\/DE\/Home\/home_node.html\">J\u00fclicher Institut f\u00fcr Neurowissenschaften und Medizin<\/a> und die Nachwuchswissenschaftlerin Nora Bittner haben in einer Studie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus J\u00fclich, D\u00fcsseldorf, Essen und Basel die Daten von 248 Frauen und 301 M\u00e4nnern im Alter von 55 bis 85 Jahren analysiert. Einbezogen wurden die Faktoren soziales Umfeld, Alkohol- und Tabakkonsum sowie k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t. Als Grundlage dienten den Forschern sowohl umfangreiche Informationen und Daten zum Leben der Probanden aus der J\u00fclicher 1.000-Gehirne-Studie und der Essener Heinz-Nixdorf-Recall-Studie als auch Kernspinaufnahmen der Gehirne.<\/p>\n<p>\u201eIn bisherigen Studien wurde meist nur ein einzelner dieser Aspekte beleuchtet&#8221;, sagt Prof. Svenja Caspers. \u201eUnser Datensatz erlaubt es jedoch, alle vier Aspekte gleichzeitig in jedem einzelnen Probanden zu betrachten und dabei auch Effekte aufzudecken, die erst durch das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren zustande kommen.&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_166078\" aria-describedby=\"caption-attachment-166078\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-166078\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/beer-2439239_1920-600x399.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"399\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-166078\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sport, soziale Kontakte und Alkohol wirkten sich nach den Ergebnissen direkt auf die Gehirnstruktur aus, erkl\u00e4rt Nora Bittner. \u201eDie graue Substanz in bestimmten Regionen des Gehirns ist zum Beispiel bei Menschen, die in einem regen sozialen Umfeld leben, besser erhalten, als bei Menschen, die wenig soziale Kontakte haben. Auch sportlich aktive Menschen zeigen im Alter einen geringeren Volumenverlust des Gehirns als inaktive Zeitgenossen, belegen weitere Studien. Ein hoher Alkoholkonsum wirkt sich hingegen negativ auf die Gehirnstruktur aus, geht also mit einem Gehirnabbau und dem Verlust von Nervenzellen einher.&#8221; Die Abnahme von Nervenzellen als auch des Gehirnvolumens gelten allgemein f\u00fcr das Nachlassen geistiger Leistungsf\u00e4higkeit und Flexibilit\u00e4t im Alter.<\/p>\n<h3>Unterschiedliche Folgen von Alkohol und Rauchen<\/h3>\n<p>Anders als Alkoholkonsum wirke sich Rauchen dagegen weniger die Gehirnstruktur, sondern vielmehr auf die Gehirnfunktion aus, stellt Nora Bittner fest. \u201eEs zeigte sich, dass die sogenannte funktionelle Konnektivit\u00e4t, also die gezielte Zusammenarbeit von Hirnregionen untereinander, im ruhenden Gehirn bei Rauchern h\u00f6her ist als bei Nichtrauchern&#8221;, sagt sie. \u201eWir gehen davon aus, dass dadurch die kognitive Reserve bei Rauchern geringer ist, da die betreffenden Regionen schon im Ruhezustand auf Hochtouren laufen und damit kein Leistungspuffer mehr frei ist.\u201c<\/p>\n<p>Kognitive Reserve ist die F\u00e4higkeit des Gehirns, zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4ten, beziehungsweise Bereiche zu aktivieren, um beispielsweise Probleme zu l\u00f6sen. Sind diese Kapazit\u00e4ten aber bereits anderweitig ausgelastet, verringert sich die geistige Kapazit\u00e4t. \u201eUnsere Forschungsergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass allgemeing\u00fcltige Aussagen zu einer gesunden Lebensf\u00fchrung sich auch anatomisch und funktionell im Gehirn widerspiegeln&#8221;, betont Svenja Caspers.<\/p>\n<p>Den Unterschied zwischen Gehirnen von Menschen mit \u201egesunden\u201c und \u201eungesundem\u201c Lebensstil in Prozentzahlen auszudr\u00fccken sei nicht m\u00f6glich. \u201eEine solche eindeutige Quantifizierung w\u00e4re nat\u00fcrlich sehr interessant und hilfreich, dies l\u00e4sst sich allerdings so ohne Weiteres nicht darstellen. Die Art der Analyse erm\u00f6glicht dies nicht\u201c, so Caspers. \u201eWir haben in unserer Analyse versucht, im gesamten Gehirn nach Bereichen zu suchen, die m\u00f6glicherweise durch den Lebensstil modifiziert werden. Dadurch erh\u00e4lt man eine Aussage in der Form, dass ein bestimmter Bereich des Gehirns signifikant mit den Lebensstilfaktoren \u00fcber die Gesamtgruppe von Personen hinweg korreliert ist. Ein direkter Vergleich zwischen Personen mit gesundem oder ungesundem Lebensstil w\u00e4re eine andere Fragestellung und w\u00fcrde somit auch eine andere Art der Analyse erfordern.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_166077\" aria-describedby=\"caption-attachment-166077\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-166077\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/2019-02-19-SvenjaCaspers450-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-166077\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Svenja Caspers \u00a9: Forschungszentrum J\u00fclich \/ Sascha Kreklau<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Genetische Veranlagungen nebens\u00e4chlich<\/h3>\n<p>Das Team aber untersuchte auch genetische Veranlagungen, die mit einem erh\u00f6hten Rauchverhalten beziehungsweise Alkoholkonsum einhergehen. \u201eZusammen mit unseren Kollegen aus der Genetik konnten wir belegen, dass die Erbinformationen offensichtlich eine nebens\u00e4chliche Rolle spielen. Wichtiger als die pure Veranlagung ist also das tats\u00e4chliche Verhalten&#8221;, hebt Nora Bittner hervor.<\/p>\n<p>Neben den Faktoren Rauchen, Alkohol und k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t hinterl\u00e4sst offenbar auch das soziale Umfeld Spuren im Gehirn. \u201eDer positive Zusammenhang zwischen k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t und geistiger Leistungsf\u00e4higkeit ist schon l\u00e4nger bekannt und gut belegt. Dass nun ein intensives oder geringes Sozialleben ebenfalls deutliche Spuren im Gehirn hinterl\u00e4sst, er\u00f6ffnet eine Vielzahl von neuen Forschungsfragen&#8221;, sagt Caspers. \u201eZum Beispiel ob sich Sport in der Gruppe \u2013 also im sozialen Kontext \u2013 anders auf die geistige Leistungsf\u00e4higkeit und ein gesundes Altern auswirkt als der einsame Waldlauf.&#8221;<\/p>\n<p>Fragen wie einen Unterschied festzustellen zwischen Menschen, die nie geraucht haben und ehemaligen Rauchern und ob oder inwieweit sich das Gehirn \u201eregeneriert\u201c, wenn Menschen z.B. mit dem Rauchen aufh\u00f6ren oder mit Sport anfangen, waren nicht Teil der Studie, sind laut Svenja Caspers aber \u201eunglaublich spannend f\u00fcr zuk\u00fcnftigen Analysen.\u201c<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden Anfang Februar in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><em><strong>Titelbild<\/strong>: <span class=\"caption\">Wirken sich negativ auf die Gehirnstruktur aus: Alkohol und mangelnde sportliche Aktivit\u00e4t (links) und fehlende soziale Interaktionen (rechts) <\/span><\/em><em><span class=\"source\">\u00a9:\u00a0<cite>Forschungszentrum J\u00fclich, Vektor-Illustration von https:\/\/de.vecteezy.com<\/cite><\/span><\/em><\/p>\n<p><strong>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/tuberkulose-toxin-bakterien-selbstmord\/\">Eigenes Toxin treibt Tuberkulosebakterien in den \u201eSelbstmord\u201c<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/restore-patienten-heilen-behandeln\/\">Hoffnung f\u00fcr Patienten: RESTORE \u2013 heilen statt behandeln<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/gehirnerschuetterung-gefaehrlich-kopferschuetterung\/\">So gef\u00e4hrlich k\u00f6nnen schon leichte Kopfersch\u00fctterungen sein<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/alzheimer-lmu-studie-defekte-immunzellen-gehirn\/\">LMU-Studie: Defekte Immunzellen im Gehirn l\u00f6sen Alzheimer aus<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/protein-alter-krank\/\">Ist ein Protein schuld, dass der Mensch altert und krank wird?<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Folgen des Rauchens und von \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Alkoholgenuss sind schon lange bekannt und Rauchern werden sie seit einiger Zeit recht plakativ auf jeder Schachtel Glimmstengel vor Augen gef\u00fchrt. 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