{"id":165945,"date":"2019-02-19T08:12:52","date_gmt":"2019-02-19T07:12:52","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=165945"},"modified":"2019-02-19T08:12:52","modified_gmt":"2019-02-19T07:12:52","slug":"kreislaufwirtschaft-fuer-textilien-aus-fasermischungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/kreislaufwirtschaft-fuer-textilien-aus-fasermischungen\/","title":{"rendered":"Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Textilien aus Fasermischungen"},"content":{"rendered":"<p>Fasermischungen verbessern die Eigenschaften von Textilien, erschweren aber den Recyclingprozess. Mit dem Forschungsprojekt <em>Tex2Mat<\/em> soll eine Kreislaufwirtschaft etabliert werden, die in idealtypische KMU-Abl\u00e4ufe integrierbar ist.<\/p>\n<p>Die Textilindustrie sch\u00e4tzt Kunststoffe wie Polyester als g\u00fcnstigen und strapazf\u00e4higen Rohstoff. Durch die Mischung mit Naturfasern wird zus\u00e4tzlich der Tragekomfort erh\u00f6ht. Zwei Eigenschaften, die speziell bei Arbeitskleidung und W\u00e4sche erw\u00fcnscht sind, weil diese t\u00e4glich genutzt und oft gewaschen werden &#8211; und trotzdem lange gut aussehen sollen.<\/p>\n<h3>Unrentables Recycling<\/h3>\n<p>Aus der Perspektive der Kreislaufwirtschaft sind Fasermischungen jedoch problematisch, weil sie nicht rentabel zu recyceln sind. Bisher endete der Lebenszyklus dieser Produkte auf der M\u00fclldeponie oder in der M\u00fcllverbrennung. Dadurch m\u00fcssen immer wieder neue Rohstoffe eingesetzt werden. Im Fall von Polyester ist dies wertvolles Roh\u00f6l. Mit den gesetzlichen Vorgaben der Europ\u00e4ischen Union zur <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/factsheets\/de\/sheet\/76\/ressourceneffizienz-und-kreislaufwirtschaft\">Kreislaufwirtschaft<\/a> muss sich dies bis 2050 \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Durch geschlossene Kreisl\u00e4ufe von Rohstoff zu Rohstoff k\u00f6nnen Deponierung und Verbrennung vermieden werden sowie eine Schonung von Ressourcen und eine Senkung der CO2-Emissionen erreicht werden.<\/p>\n<h3>Den Kreislauf schlie\u00dfen<\/h3>\n<p>F\u00fcr die kleineren und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen der \u00f6sterreichischen Textilbranche bedeuten die EU-Vorgaben eine gro\u00dfe Herausforderung. Deshalb wurde das Forschungsprojekt <em>Tex2Mat<\/em> ins Leben gerufen, das in einer Kooperation von mehreren Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen durchgef\u00fchrt wird. Ziel ist es, neue Prozesse zu Recycling und Wiederaufbereitung von Textilabf\u00e4llen aus Mischfasern zu entwickeln. Neue Prozesse, die in idealtypische KMU-taugliche Abl\u00e4ufe integrierbar sind.<\/p>\n<p>Der Fokus liegt auf dem Anwendungsbereich von Arbeitskleidung, Handt\u00fcchern und technischen Vliesen aus Mischfasern. Textilien, die zum Beispiel in Hotels und Krankenh\u00e4usern in gro\u00dfem Ma\u00dfstab Anwendung finden.<\/p>\n<h3>Enzymatischer Recyclingprozess<\/h3>\n<p>Die neuen Methoden und Technologien werden von den Kooperationspartnern eingebracht. Zentral ist die enzymatische Trennung und Aufbereitung von Alttextilien aus Polyester, Polyamiden sowie Mischgeweben. F\u00fcr die Entwicklung des Trennverfahrens sind <em>TU Wien<\/em> und der <a href=\"https:\/\/www.ifa-tulln.boku.ac.at\/\"><em>IFA Tulln<\/em><\/a> \u2013 die <em>Abteilung f\u00fcr Agrarbiotechnologie<\/em> der <em>Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur<\/em> &#8211; verantwortlich. Der neue <em>Tex2Mat<\/em>-Prozess soll praktisch erprobt werden und zeigen, dass aus Alttextilien in Mischfasern wieder hochqualitative Produkte entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die enzymatische Trennung von Mischgeweben basiert auf einem Prozess, in dem mechanische und biochemische Komponenten kombiniert werden. Baumwolle (Cellulose) wird in der enzymatischen Hydrolyse zu Zucker (Glucose) und ergibt PET-Fasern und eine Zuckerl\u00f6sung. Die PET-Fasern werden geschreddert, kondensiert und dem Upcycling zugef\u00fchrt.<\/p>\n<h3>Upcycling<\/h3>\n<p>Nicht alle so getrennten Materialien sind textiltauglich, sollen jedoch entweder zu 1A Fasern oder zu 1A-Bauteilen weiterentwickelt werden. Vor der Wiederaufbereitung werden diese in Qualit\u00e4tsklassen sortiert:<\/p>\n<ul>\n<li>A-Faser textilgeeignet f\u00fcr direkt geschlossenen Kreislauf;<\/li>\n<li>B-Faser beschr\u00e4nkt textiltauglich f\u00fcr indirekt geschlossenen Kreislauf;<\/li>\n<li>C-Faser textiluntauglich f\u00fcr den offenen Kreislauf;<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wiederaufbereitung erfolgt durch Technologien wie Granulieren und Compoundieren. Im darauffolgenden Upcycling-Prozess wird aus Textilfasermischgeweben PET-Garn gewonnen; aus technischen Vliesen werden entweder PET-Garne oder technische Spritzgie\u00dfbauteile gewonnen.<\/p>\n<p>Vor der Wiederverwertung wird das recycelte PET-Garn analysiert, um Ver\u00e4nderung im Vergleich zu Neuware festzustellen. Die Ergebnisse flie\u00dfen in einen Rekondensationsprozess ein, in dem das Material wieder auf ein verspinnbares Niveau gebracht wird.<\/p>\n<p>Im Spritzgussverfahren unterscheiden sich die Anforderungen an die Materialeigenschaften im Vergleich zum Spinnen erheblich. Auf Materialanalysen folgen Versuche zur Bestimmung optimaler Einstellparameter. Dazu die Projektleiterin <a href=\"https:\/\/pure.unileoben.ac.at\/portal\/en\/persons\/uta-jenullhalver(89519d61-5032-4993-b15d-7001d3354859)\/activities.html\"><em>Uta Jenull-Halver<\/em><\/a> vom Lehrstuhl f\u00fcr Kunststoffverarbeitung an der <a href=\"https:\/\/www.unileoben.ac.at\/\">Montanuniversit\u00e4t Leoben<\/a> in der Publikation <a href=\"https:\/\/presse.unileoben.ac.at\/de\/3371\/\"><em>Triple M<\/em><\/a> (5\/18): \u201eDiese Versuche zeigten, dass sich das Fasermaterial mit nur kleinen \u00c4nderungen der Prozessparameter gut spritzgie\u00dfen l\u00e4sst\u201c. In mechanischen Tests erreicht das Material in Festigkeit und Elastizit\u00e4tsmodul bereits die Anforderung f\u00fcr technische Bauteile. Die Kerbschlagz\u00e4higkeit liegt indes noch unter den Erwartungen.<\/p>\n<p>Tex2mat l\u00e4uft seit November 2017 und endet per Ende Oktober 2019. Projektkoordinator <em>ist <a href=\"https:\/\/www.ecoplus.at\/\">ecoplus.Nieder\u00f6sterreichs Wirtschaftsagentur<\/a><\/em> <em>GmbH<\/em>. Von dem Ergebnissen der Forschung soll die gesamte \u00f6sterreichische Branche nachhaltig profitieren.<\/p>\n<p>Der Einsatz von Polyester in der Textilindustrie ist von 2000 bis 2016 von 8,3 Mio. Tonnen auf 21,3 Mio. Tonnen gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von hundertsiebenundf\u00fcnfzig Prozent (<a href=\"https:\/\/www.textileworld.com\/\">Textile World<\/a>, 2015).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_165948\" aria-describedby=\"caption-attachment-165948\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-165948\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/c-Pixabay-Valelopardo-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-165948\" class=\"wp-caption-text\">(c) Pixabay Valelopardo<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/umweltfreundliches-denim-bleichverfahren\/\">Umweltfreundliches Denimbleichverfahren<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/technische-jeans-die-wind-und-wetterabweisend-sind\/\">Technische Jeans, die wind- und wasserabweisend sind<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fasermischungen verbessern die Eigenschaften von Textilien, erschweren aber den Recyclingprozess. 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