{"id":165637,"date":"2019-02-13T18:42:10","date_gmt":"2019-02-13T17:42:10","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=165637"},"modified":"2019-02-13T18:42:10","modified_gmt":"2019-02-13T17:42:10","slug":"schmetterlinge-als-gradmesser-von-biodiversitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/schmetterlinge-als-gradmesser-von-biodiversitaet\/","title":{"rendered":"Schmetterlinge als Gradmesser von Biodiversit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Schmetterlinge reagieren schnell und sensibel auf Ver\u00e4nderungen ihres Lebensraums und eignen sich als Indikator in einem Biodiversit\u00e4ts-Monitoring. Die Forschung erfordert allerdings kostspielige Langzeitstudien. An der Universit\u00e4t Innsbruck wurden erstmals freiwillige Laien beteiligt, um ein Tagfalter-Monitoring durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Einbindung von Freiwilligen erm\u00f6glicht eine dauerhafte und finanzierbare Untersuchung der Tagfalter-Best\u00e4nde \u2013 und damit der Biodiversit\u00e4t, erkl\u00e4rt der verantwortliche \u00d6kologe <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/ecology\/staff\/persons\/ruedisser.html.en\"><em>Johannes R\u00fcdisser<\/em> <\/a>von der <em>Universit\u00e4t Innsbruck<\/em>. Dar\u00fcberhinaus k\u00f6nnen wesentlich mehr Daten zur Verbreitung und Bestandsentwicklung von Tagfaltern gesammelt werden, als dies den Wissenschaftlern allein m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Im weltweiten Vergleich ist die Kombination von wissenschaftlichem Monitoring mit den Beobachtungen von Laien noch neu. M\u00f6glich wurde sie durch die wissenschaftliche, methodische und organisatorische Vorarbeit des <a href=\"https:\/\/www.bmbwf.gv.at\/\"><em>Bundesministeriums f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft<\/em> <\/a>in den Projekten <a href=\"https:\/\/www.sparklingscience.at\/de\/projects\/show.html?--typo3_neos_nodetypes-page[id]=539\"><em>Sparkling Science<\/em><\/a> und <em>Top Citizen Science Initiative<\/em>. In Tirol sieht man im <em>Tagfalter-Monitoring<\/em> ein Leuchtturm-Projekt und strebt eine Ausdehnung auf weitere Bundesl\u00e4nder an.<\/p>\n<h3>Sensibilisierung der \u00d6ffentlichkeit<\/h3>\n<p>Nebeneffekt der <a href=\"https:\/\/www.zentrumfuercitizenscience.at\/de\/index\"><em>Citizen Science<\/em>-Initiative<\/a> ist eine Sensibilisierung der \u00d6ffentlichkeit. Freiwillige und andere Interessierte k\u00f6nnen in regelm\u00e4\u00dfigen Schulungs- und Fortbildungsangeboten ihr Wissen und ihre Artenkenntnis verbessern.<\/p>\n<p>Eine Erg\u00e4nzung zum Tagfalter-Monitoring bildet die von der <a href=\"https:\/\/www.bluehendesoesterreich.at\/\"><em>Stiftung<\/em> <em>Bl\u00fchendes \u00d6sterreich<\/em><\/a> realisierte App <a href=\"https:\/\/schmetterlingsapp.at\/\"><em>Schmetterlinge \u00d6sterreichs<\/em><\/a>, bei der bereits tausende <em>Citizen Scientists<\/em> mitz\u00e4hlen, wie der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer <em>Ronald W\u00fcrflinger<\/em> erz\u00e4hlt. Im ersten Jahr wurden bereits f\u00fcnfundachtzig Tagfalterarten und \u00fcber 3500 Individuen beobachtet. Freiwillige werden weiterhin gesucht. Wobei diese keine Vorkenntnisse mitbringen m\u00fcssen.<\/p>\n<h3>Komplexe Kooperation<\/h3>\n<p><em>Durch eine Kooperation <\/em>zwischen <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/index.html.de\"><em>Universit\u00e4t Innsbruck<\/em><\/a>, <em><a href=\"https:\/\/www.tiroler-landesmuseen.at\/page.cfm?vpath=index\">Tiroler Landesmuseen<\/a>,<\/em><a href=\"http:\/\/www.eurac.edu\/de\/research\/mountains\/alpenv\/Pages\/default.aspx\"><em> EURAC Institut f\u00fcr Alpine Umwelt <\/em><\/a>in Bozen (S\u00fcdtirol) und der <em>Stiftung Bl\u00fchendes Leben <\/em>wurde eine solide Basis f\u00fcr die Citizen Science Initiative geschaffen. Die erste Phase der Studie l\u00e4uft \u00fcber vier Jahre, in denen\u00a0hundert ausgesuchte Grasland-Lebensr\u00e4ume tirolweit systematisch nach der <em>Viel-Falter<\/em> Methode untersucht werden. Um auch langfristige Ver\u00e4nderungen aufzuzeichnen, wird der Zyklus nach f\u00fcnf Jahren wiederholt.<\/p>\n<p>Das Ziel des Forschungsprojekts ist der Aufbau eines Referenz-Datensatzes zu Vorkommen und Entwicklung von Tagfalter-Populationen im Alpenraum.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Wir kennen in Tirol bei weitem nicht alle Insektenarten und noch viel weniger den Umfang und das Ausma\u00df des Insektensterbens. Tagfalter sind sensible Sch\u00f6nheiten und als Zeigerorganismen pr\u00e4destiniert f\u00fcr eine erste landesweite Langzeiterhebung\u201c,<\/p><\/blockquote>\n<p>betont<a href=\"http:\/\/www.tiroler-landesmuseen.at\/page.cfm?vpath=tiroler-landesmuseen\/sammlungen\/naturwissenschaftliche-sammlungen\/kontakt\"> <em>Peter Huemer<\/em><\/a>, Kustos der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der <em>Tiroler Landesmuseen<\/em> und Mitinitiator des <em>Tagfalter-Monitorings<\/em>, das 2018 ins Leben gerufen wurde.<\/p>\n<h3>Klimwandel und Landnutzungs\u00e4nderung<\/h3>\n<figure id=\"attachment_165865\" aria-describedby=\"caption-attachment-165865\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.statista.com\/chart\/16960\/percentage-decline-in-selected-global-insect-populations\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-165865 size-full\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/butterflies-dying.jpg\" alt=\"vlinders insecten\" width=\"960\" height=\"684\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-165865\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.weforum.org\/agenda\/2019\/02\/insects-are-dying-at-an-alarming-rate-and-this-is-terrible-news-for-life-on-earth\">Insects are dying at an alarming rate \u2013 and this is terrible news for life on Earth<\/a>\u00a0(WEF)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine artenreiche intakte Natur ist Voraussetzung f\u00fcr das menschliche Wohlergehen und \u00dcberleben und Grundlage f\u00fcr nachhaltige Entwicklung. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen einen wichtigen Beitrag zum Monitoring der Biodiversit\u00e4t in Tirol liefern. Dar\u00fcberhinaus sind diese auch \u00f6sterreich- und weltweit im Zusammenhang mit Landnutzungs-\u00c4nderung und Klimawandel verwertbar.<\/p>\n<p>Die Natur- und Kulturlandschaft ist st\u00e4ndigen Nutzungs\u00e4nderungen unterworfen. Landwirtschaftliche Fl\u00e4chen in Tallagen wurden in den vergangenen Jahrzehnten meist intensiviert oder verbaut. Im Gegenzug wurden ung\u00fcnstige Lagen und schwer zu bewirtschaftende Fl\u00e4chen zunehmend aufgelassen. Dieser Trend ist anhaltend und f\u00fchrt zu einer Abnahme der artenreich bewirtschafteten Wiesen und damit auch der Biodiversit\u00e4t. Die Folge ist ein Schmetterlingssterben. Betroffen sind nicht nur seltene Schmetterlingsarten, sondern auch zunehmend h\u00e4ufige Arten.<\/p>\n<p>Schmetterlinge sind repr\u00e4sentativ f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte und \u00f6kologisch \u00fcberaus wichtige Gruppe der Insekten:<\/p>\n<ul>\n<li>Sie reagieren schnell und sensibel auf Ver\u00e4nderungen ihres Lebensraums wie zum Beispiel den Klimawandel oder Landnutzungs-\u00c4nderungen.<\/li>\n<li>Sie sind wichtige Best\u00e4uber und haben eine bedeutende Rolle im Nahrungsnetz. Das wirkt sich insbesondere auf V\u00f6gel und Flederm\u00e4use aus.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_165642\" aria-describedby=\"caption-attachment-165642\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-165642 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/butterfly-3540287_1920-600x422.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"422\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-165642\" class=\"wp-caption-text\">(c) Pixabay\/Pixel2013<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Artenreiches \u00d6sterreich<\/h3>\n<p>\u00d6sterreich hat mehr Schmetterlingsarten als alle nord- und mitteleurop\u00e4ischen Staaten. Von insgesamt 4070 registrierten Arten z\u00e4hlen zweihundertelf zu den Tagfaltern. Experten erkl\u00e4ren den Artenreichtum mit den verschiedenen H\u00f6hengraden der alpinen Landschaft, welche eine Vielfalt an Lebensr\u00e4umen bietet. Allein in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tirol_(Bundesland)\">Tirol<\/a> wurden rund hundertsiebzig verschiedene Tagfalter-Arten gez\u00e4hlt. Das ist fast ident mit dem Vorkommen in ganz Deutschland. Darunter neunzehn Arten, die durch die <a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrT&amp;Gesetzesnummer=10000256\"><em>Tiroler Naturschutzverordnung<\/em> <\/a>gesch\u00fctzt sind und acht Arten, die durch die <a href=\"http:\/\/www.umweltbundesamt.at\/umweltschutz\/naturschutz\/ffh_richtlinie\/\"><em>Fauna Flora Habitat Richtlinie<\/em><\/a> gesch\u00fctzt sind. Diese verfolgt das Ziel die biologische Vielfalt der nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4ume und der wildlebenden Tiere und Pflanzen zu erhalten und wiederherzustellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/die-messung-und-vorhersage-der-lawinengefahr-ist-immer-noch-schwierig\/\">Die Messung und Vorhersage der Lawinengefahr ist immer noch schwierig<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schmetterlinge reagieren schnell und sensibel auf Ver\u00e4nderungen ihres Lebensraums und eignen sich als Indikator in einem Biodiversit\u00e4ts-Monitoring. Die Forschung erfordert allerdings kostspielige Langzeitstudien. An der Universit\u00e4t Innsbruck wurden erstmals freiwillige Laien beteiligt, um ein Tagfalter-Monitoring durchzuf\u00fchren. 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