{"id":165603,"date":"2019-02-14T11:41:05","date_gmt":"2019-02-14T10:41:05","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=165603"},"modified":"2019-02-14T11:41:05","modified_gmt":"2019-02-14T10:41:05","slug":"niederlaendische-forscher-schreiben-sie-den-verbrennungsmotor-noch-nicht-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/niederlaendische-forscher-schreiben-sie-den-verbrennungsmotor-noch-nicht-ab\/","title":{"rendered":"Niederl\u00e4ndische Forscher: Schreiben Sie den Verbrennungsmotor noch nicht ab"},"content":{"rendered":"<p>Bis 2050 wird man den Verbrennungsmotor brauchen, um den \u00dcbergang zu Elektroenergie erm\u00f6glichen. Weder das Stromnetz noch die Industrie sind bereit f\u00fcr einen schnelleren \u00dcbergang zur Elektromobilit\u00e4t. Das sagt <a href=\"https:\/\/www.tno.nl\/nl\/samenwerken\/vind-een-tno-er\/daan-de-cloe-msc-mba\/cid2857\/\">Daan de Cloe<\/a>, Direktor von <a href=\"https:\/\/www.tno.nl\/en\/\">TNO Automotive<\/a> in den Niederlanden. Nach Ansicht des unabh\u00e4ngigen Forschungsinstituts ist es wichtig, nicht nur in die Elektromobilit\u00e4t zu investieren, sondern auch in die Erforschung anderer Energiequellen wie Wasserstoff und Verbrennungsmotoren.<\/p>\n<p>\u201eEs wird uns nicht gelingen, in kurzer Zeit alles auf Elektroenergie umzustellen. Die Industrie ist daf\u00fcr noch nicht bereit&#8221;, sagt De Cloe. \u201eUm an unseren Klimazielen zu arbeiten, m\u00fcssen wir auch auf dem aktuellen Weg weiterentwickeln. Und das ist der Verbrennungsmotor.\u201c<\/p>\n<p>TNO, das mit 25 Prozent staatlich gef\u00f6rdert wird und als das ma\u00dfgebliche Forschungsinstitut des Landes f\u00fcr den Mobilit\u00e4tssektor gilt, war 2003 einer der ersten Unternehmen des <a href=\"https:\/\/www.automotivecampus.com\/en\/home\">Automotive Campus<\/a> in Helmond. TNO-Forscher waren der Ursprung vieler Innovationen auf dem Automobilsektor und werden auch in den kommenden Jahren bei der Entwicklung neuer Formen der Mobilit\u00e4t eine Vorreiterrolle spielen.<\/p>\n<h3>Flex Fuel<\/h3>\n<p>Aber diese Zukunft ist nicht nur elektrisch, sagt De Cloe. Deshalb investiert TNO in einen neuen Verbrennungsmotor, der effizienter ist und mit verschiedenen Kraftstoffarten betrieben wird: <a href=\"https:\/\/www.tno.nl\/en\/focus-areas\/traffic-transport\/roadmaps\/sustainable-traffic-and-transport\/sustainable-vehicles\/co2-reduction-by-high-efficiency-flex-fuel-technology-with-extremely-low-emissions\/\">Flex Fuel<\/a>. \u201eDieser Motor eignet sich nicht nur f\u00fcr verschiedene Arten von Kraftstoffen, sowohl fossile als auch synthetische, sondern ist auch wesentlich effizienter: mehr als 50 Prozent, was bei gleicher Kraftstoffmenge auch mehr Prozent an Energie bedeutet. Wenn man das auf dem Verkehrssektor nutzen kann, wird es der Umwelt enorme Vorteile bringen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_165659\" aria-describedby=\"caption-attachment-165659\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-165659 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/TNO_DAAN_DE_CLOE-400x600.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"600\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-165659\" class=\"wp-caption-text\">Daan de Cloe, Managing Director von TNO Helmond<\/figcaption><\/figure>\n<p>De Cloe wei\u00df, dass bestimmte Aussagen beim aktuell herrschenden Enthusiasmus f\u00fcr Elektroautos \u201epolitisch unerw\u00fcnscht&#8221; sind, h\u00e4lt es aber dennoch f\u00fcr wichtig zu betonen, dass der Verbrennungsmotor nicht zu schnell abgeschrieben werden sollte. \u201eUnd das nicht nur wegen des Potenzials, das diese 125 Jahre alte Technologie noch hat, sondern auch weil es eine Weile dauert, um den \u00dcbergang zu Wasserstoff oder Strom zu vollziehen. Dieser Zeitraum ist viel l\u00e4nger, als man es sich w\u00fcnscht.\u201c<\/p>\n<h3>Glauben Sie, dass diese Diskussion momentan eine Chance hat?<\/h3>\n<p>\u201eNun, Dieselgate hilft nicht. Aber wenn man die Qualit\u00e4t eines Dieselmotors sehr ehrlich betrachtet und in einem Diesel durch das Ruhrgebiet f\u00e4hrt, kommt saubere Luft aus dem Auspuf rein. Also, wie schlecht sind Dieselmotoren wirklich?\u201c<\/p>\n<h4>Lesen Sie auch: <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/diesel-ist-sauberer-als-elektro\/\">Diesel ist sauberer als Elektro<\/a><\/h4>\n<p>\u201eTNO ist kein Regierungsinstitut, wir geh\u00f6ren nicht zu einem Ministerium. Wir sind unabh\u00e4ngig, legal gegr\u00fcndet und geh\u00f6ren dem niederl\u00e4ndischen Volk. Wir ver\u00f6ffentlichen auch Berichte, mit denen das Ministerium vielleicht \u00fcberhaupt nicht zufrieden ist. Unsere Schlussfolgerung, dass der Verbrennungsmotor bis 2050 eine dominante Rolle in unserem Mobilit\u00e4tssystem spielen d\u00fcrfte, steht in einem \u00f6ffentlichen Bericht und basiert auf Fakten. Ob es Politikern gef\u00e4llt oder nicht, das ist &#8211; mit dem aktuell verf\u00fcgbaren Wissen &#8211; das Ergebnis.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDeshalb sagen wir: Man sollte sich nicht auf einer Technologie beschr\u00e4nken, sondern sich mit der Tatsache abfinden, dass diese Energiequellen bis 2050 koexistieren werden. Ein Verbrennungsmotor wird oft mit Diesel, fossil und verschmutzt assoziiert. Aber was ist, wenn Sie einen Motor haben, der mit Biogas oder synthetischem Kraftstoff betrieben werden kann? Dann ist der Nachhaltigkeitsfaktor eines solchen Motors viel h\u00f6her als heute. F\u00fcr den Elektroantrieb ben\u00f6tigen Sie Strom aus Kohlekraftwerken. Wenn Sie den Strom durch Kernenergie gewinnen, wird er wieder etwas sauberer sein, aber dann haben Sie ein weiteres Abfallproblem.\u201c<\/p>\n<h3>Probleme identifizieren, bevor der Hersteller sie erkennt<\/h3>\n<p>Nach diesem umfangreichen Expos\u00e9 k\u00f6nnte der Eindruck erweckt werden, dass sich TNO ausschlie\u00dflich mit Motoren besch\u00e4ftigt. Nichts k\u00f6nnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Auf dem Helmond Automotive Campus ist TNO an allen Entwicklungen im Bereich der automobilen Mobilit\u00e4t beteiligt. Das Forschungsinstitut ist stolz darauf, \u201eProbleme zu identifizieren, bevor der Hersteller sie sieht, und dann an L\u00f6sungen zu arbeiten&#8221;.<\/p>\n<p>De Cloe: \u201eWir antizipieren, was die Industrie braucht. Unsere 200 Forscher halten Vortr\u00e4ge und nehmen an Konferenzen auf der ganzen Welt teil. Ziel ist es, zu sehen und zu lernen, was die Branche tut. Auf diese Weise k\u00f6nnen wir L\u00f6sungen entwickeln, die es erm\u00f6glichen, neue Technologien schneller, einfacher anzuwenden und effizienter zu testen.<\/p>\n<h3>K\u00f6nnen Sie ein Beispiel nennen?<\/h3>\n<p>\u201eIn der Vergangenheit haben wir mit Automobilherstellern zusammengearbeitet, die ein Problem mit der Stabilit\u00e4t ihrer Autos hatten. Deshalb haben wir ESP entwickelt: die Fahrdynamikregelung, eine Technik, die sicherstellt, dass Autos nicht ausbrechen. Manchmal arbeiten wir im Auftrag von Kunden, aber manchmal wissen Kunden nicht einmal, dass sie ein Problem haben werden, und das bedeutet, dass wir an L\u00f6sungen f\u00fcr latente Bed\u00fcrfnisse arbeiten.\u201c<\/p>\n<h3>Selbstfahrende Autos<\/h3>\n<p>Derzeit arbeiten wir an L\u00f6sungen f\u00fcr selbstfahrende PKWs. Wir haben das Entwicklungspotential schon vor Jahren erkannt. W\u00e4hrend sich die Hersteller auf die Frage konzentrierten, wie das Auto autonom fahren kann, stellten wir die Frage: Wie k\u00f6nnen sie beweisen, dass das Auto in jeder Situation sicher funktioniert? Die Automatisierung eines Fahrzeugs und die Kommunikation eines Fahrzeugs mit seiner Umgebung birgt ein gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr die Fahrzeugsicherheit und den Verkehrsfluss. Aber dann muss man beweisen, dass es robust, zuverl\u00e4ssig und sicher sein kann. Es ist viel zu teuer, alle m\u00f6glichen Verkehrssituationen physisch zu testen. Deshalb arbeiten wir an einer Technik, die, teilweise mit Simulationen, die Sicherheit dieser Systeme gew\u00e4hrleisten kann. Ein solcher Test durch ein unabh\u00e4ngiges Institut ist notwendig. Wenn Daimler oder BMW sagen: Ich habe ein System, das gut ist, dann ist das in Ordnung, aber auch ein wenig wie \u201aSelbstkontrolle ist keine Kontrolle.\u2018 Die Beh\u00f6rden werden das nicht einfach akzeptieren. Sie brauchen also etwas, das unabh\u00e4ngig getestet wurde und auf Fakten basiert.<\/p>\n<h3>Warum ist es f\u00fcr TNO wichtig, auf dem Automotive Campus zu sein?<\/h3>\n<p>\u201eWir kamen 2003 aus Delft hierher und waren eines der ersten Automobilunternehmen auf dem Campus. Der Hauptgrund ist die Pr\u00e4senz der Automobilindustrie in Nord-Brabant. VDL, Tomtom und NXP sind hier, ebenso wie viele Zulieferer und Bildungseinrichtungen. Weil wir uns damals entschieden haben, bestimmte Investitionen zu t\u00e4tigen, verf\u00fcgen wir heute unter anderem \u00fcber einzigartige Einrichtungen f\u00fcr Sicherheit und Nachhaltigkeit. Die gesamte globale Industrie kommt nach Helmond, um hier zu forschen.<\/p>\n<p>\u201eDie weltweite Attraktivit\u00e4t von TNO bietet uns die M\u00f6glichkeit, die niederl\u00e4ndische Wirtschaft mit Herstellern in Kontakt zu bringen und umgekehrt Studenten und Doktoranden an Projekte heranzuf\u00fchren, die wir mit der internationalen Wirtschaft durchf\u00fchren. Aber auch, um der niederl\u00e4ndischen Wirtschaft mit dem Wissen, das wir in Projekten dieser Art sammeln, die richtigen Informationen zu liefern. Damit kommen wir dem Auftrag, mit dem wir 1932 gegr\u00fcndet wurden, voll und ganz nach. Die Aufgabe lautete: \u201eDen Wohlstand und das Wohlergehen des niederl\u00e4ndischen Volkes f\u00f6rdern, die M\u00f6glichkeiten der Technologie f\u00fcr die Gesellschaft und die Interessen der niederl\u00e4ndischen Wirtschaft ber\u00fccksichtigen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir versuchen immer, ein Gleichgewicht zu halten zwischen dem, was wir soziale Ambitionen nennen &#8211; heutzutage nennen wir sie soziale Herausforderungen &#8211; und wie wir mit neuen Technologien darauf reagieren k\u00f6nnen. Wie k\u00f6nnen wir Verbesserungen vornehmen, die der Gesellschaft zugute kommen und auch niederl\u00e4ndischen Unternehmen helfen, ihre Wettbewerbsposition zu st\u00e4rken? Kurz gesagt, wir nehmen uns der Dinge an, die Innovationen anregen.\u201c<\/p>\n<h3>Von der Produktinnovation zur Systeminnovation<\/h3>\n<p>Traditionell m\u00fcsse Innovation immer eine Reihe von Hindernissen \u00fcberwinden, erkl\u00e4rt De Cloe. \u201eDas geht nicht, das darf\u00a0 man nicht. Erst einmal braucht man Ingenieure, die ein neues Produkt entwickeln, dann braucht man Rechtsanw\u00e4lte, die das Produkt mit der bestehenden Gesetzgebung in Einklang bringen oder die Gesetzgebung anpassen. Danach kommt das Hindernis \u201esie wollen es nicht&#8221;, wo technische Innovationen ausgebremst werden k\u00f6nnen. Denken Sie nur an Video 2000 oder die Philips CD-i. Sch\u00f6ne Erfindungen, f\u00fcr die es damals keinen Markt gab.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir kommen aus einer \u00c4ra der Produktinnovation. Wie machen wir das Auto besser, sicherer, sparsamer? Das ist nat\u00fcrlich ein wichtiger Teil unserer Aufgabe. Doch Innovationen im Automobilbereich sind l\u00e4ngst mehr als nur die Entwicklung neuer Produkte. Wir leben in einer Zeit, in der Systeminnovation viel wichtiger ist. Man muss sich \u00fcberlegen: Wie sollen wir den Bereich IKT mit dem Bereich Mobilit\u00e4t und dem Bereich Energie verbinden? Und vielleicht auch mit dem Bereich Infrastruktur. Dies sind gro\u00dfe Bereiche mit kapitaltr\u00e4chtigen Akteuren. Man zusammenarbeiten, um eine Systeminnovation zu erreichen. Systeminnovation, die in diesem Fall notwendig ist, um \u201aDas geht nicht\u2018 und \u201adas darf man nicht\u2018 zu \u00fcberwinden. Und schlie\u00dflich die soziale Innovation f\u00fcr \u201adie Leute wollen es nicht\u2018. Letzteres bedeutet, dass man einen Mentalit\u00e4tswechsel herbeif\u00fchren muss.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGestern war ich bei einem Abendessen und da sagten die Leute: Und dann sehe ich einen Stau zwischen Rotterdam und Den Haag, wo sie auf beiden Seite stehen. W\u00e4re es nicht viel bequemer, wenn die Menschen, die in Rotterdam arbeiten und in Den Haag leben, umziehen w\u00fcrden und umgekehrt? Dann sind wir dieses Problem los&#8230;..\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas ich sagen will: Irgendwann &#8211; wenn man die Probleme l\u00f6sen will &#8211; muss man anfangen, auf einer anderen, sozialeren Ebene zu denken. Und das ist viel mehr Geben und Nehmen, als Gesellschaft, aber auch als Unternehmen, als das, wo wir herkommen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis 2050 wird man den Verbrennungsmotor brauchen, um den \u00dcbergang zu Elektroenergie erm\u00f6glichen. Weder das Stromnetz noch die Industrie sind bereit f\u00fcr einen schnelleren \u00dcbergang zur Elektromobilit\u00e4t. Das sagt Daan de Cloe, Direktor von TNO Automotive in den Niederlanden. 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