{"id":165486,"date":"2019-02-11T16:31:55","date_gmt":"2019-02-11T15:31:55","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=165486"},"modified":"2019-02-11T16:31:55","modified_gmt":"2019-02-11T15:31:55","slug":"die-messung-und-vorhersage-der-lawinengefahr-ist-immer-noch-schwierig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/die-messung-und-vorhersage-der-lawinengefahr-ist-immer-noch-schwierig\/","title":{"rendered":"Die Messung und Vorhersage der Lawinengefahr ist immer noch schwierig"},"content":{"rendered":"<p>Die Schnee- und Lawinenforschung hat gro\u00dfe Fortschritte gemacht. Eine exakte Vorhersage der Lawinengefahr ist aber anhaltend problematisch &#8211; weil an der Bildung von Lawinen chaotische nichtlineare Vorg\u00e4nge beteiligt sind.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Schneemengen, die am Alpen-Nordrand in den ersten Januartagen fielen, alarmierten die Lawinenexperten. Eine \u00e4hnliche Wetterkonstellation hatte 1954 zu dramatischen Lawinenabg\u00e4ngen in besiedeltem Gebiet gef\u00fchrt. \u201eDer Unterschied zwischen dem Lawinenwinter 1954 und dem heurigen Winter liegt nicht so sehr in der Schneeh\u00f6he, sondern in der Weiterentwicklung der Schutzma\u00dfnahmen\u201c, erkl\u00e4rt <a href=\"https:\/\/www.mountainresearch.at\/index.php\/de\/mitarbeiterinnen\/25-team-mensch-umwelt-hochgebirge\/178-fischer-andrea\"><em>Andrea Fischer<\/em><\/a> vom <a href=\"https:\/\/www.mountainresearch.at\/index.php\/de\/\"><em>Institut f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Gebirgsforschung<\/em><\/a> an der <a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/\"><em>\u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften<\/em><\/a>. Obwohl die besiedelte Fl\u00e4che und die Mobilit\u00e4t gestiegen sind, kommt es heute zu weniger Schadensf\u00e4llen, so die Gebirgsforscherin. Die Fortschritte basieren auf<\/p>\n<ul>\n<li>wesentlich besseren Wetterprognosen als noch in den 1950er Jahren;<\/li>\n<li>Beobachtungsdaten und Modellierungen, welche zum Verbau von vielen Lawinenstrichen f\u00fchrten;<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Schwer kalkulierbares Risiko<\/strong><\/h3>\n<p>Technologien wie Satellitenbilder und automatisierte Schneeh\u00f6hen-Messungen sowie neue Theorien haben die Einsch\u00e4tzung des Lawinenrisikos definitiv verbessert. Allerdings k\u00f6nnen Prognosen nie mit vollkommener Sicherheit gestellt werden. Bei der Bildung von Lawinen sind chaotische nichtlineare Vorg\u00e4nge beteiligt. Schwer vorhersehbar ist insbesondere die Frage, ob es zum Bruch der Schneedecke kommen wird und ob sich dieser Bruch fortpflanzen wird.<\/p>\n<h3><strong>Handmessungen unumg\u00e4nglich<\/strong><\/h3>\n<p>Grundlegender Parameter in der Einsch\u00e4tzung des Lawinenrisikos sind die Daten der <a href=\"https:\/\/www.zamg.ac.at\/cms\/de\/aktuell\"><em>Zentralanstalt f\u00fcr Meteorologie und Geodynamik<\/em><\/a> (ZAMG). Diese liefern Messungen und Prognosen zu Niederschlag, Temperaturen, Luftdruck und vor allem Windgeschwindigkeit in hoher Qualit\u00e4t. Ein weiterer relevanter Parameter ist die Schneeh\u00f6he, deren Erfassung seit den 1970-er Jahren, automatisiert ist. Allerdings sind die Handmessungen dadurch nicht g\u00e4nzlich ersetzbar.<\/p>\n<figure id=\"attachment_165488\" aria-describedby=\"caption-attachment-165488\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-165488\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Schneeverwehung_2019_Simplonpass-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-165488\" class=\"wp-caption-text\">Schneeverwehung am Simplonpass 2019 (c) Wikicommons Hp. Baumeler CC BY-SA 4.0<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Variierendes Schneegewicht<\/h3>\n<p>Problematische Aspekte sind die ver\u00e4nderliche Dichte der Schneedecke und der Windeinfluss. Je nach Wassergehalt und Konsistenz wiegt ein Kubikmeter Schnee zwischen hundertf\u00fcnzig und siebenhundert Kilogramm. Bei gleicher Schneeh\u00f6he kann das Gewicht des Schnees sehr unterschiedlich sein. Deshalb werden am<em> Institut f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Gebirgsforschung<\/em> die Schneeh\u00f6hen auf den Gletschern bei den allj\u00e4hrlichen Messungen im April h\u00e4ndisch vorgenommen. Die Verteilung des Schnees \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4chen ist auch heute noch schwer messbar.<\/p>\n<h3>F\u00fcnfzig Prozent Fehlerquote<\/h3>\n<p>Die g\u00e4ngigen Messger\u00e4te k\u00f6nnen Regenf\u00e4lle gut abbilden, Schneeniederschlag l\u00e4sst sich aber nur sehr ungenau aufzeichnen. \u201eErfahrungsgem\u00e4\u00df fliegt der Schnee bei Wind und Minusgraden am Messzylinder vorbei. Schneeflocken, welche den Weg durch die \u00d6ffnung des Messzylinders finden, k\u00f6nnen gleich an den beheizten Messger\u00e4ten verdunsten anstelle als Niederschlag gemessen zu werden\u201c, sagt <em>Kay Helfricht<\/em> vom <em>Institut f\u00fcr Interdisziplin\u00e4re Gebirgsforschung.<\/em> Das f\u00fchrt unter anderem dazu, dass die Menge des Winter-Niederschlages im Hochgebirge und damit das in der Schneedecke gespeicherte Wasser bis zu f\u00fcnfzig Prozent untersch\u00e4tzt werden. Dies ist allerdings f\u00fcr den Wintertourismus, f\u00fcr Lawinenprognosen und Modelle des Schmelzwasser-Abflusses wichtig.<\/p>\n<h3>Pr\u00e4zise Laser-Sensorik<\/h3>\n<p><em>Helfricht<\/em> will in seinem Langzeitprojekt <em>pluSnow<\/em> herk\u00f6mmliche Messfehler bei Schneefall minimieren und setzt pr\u00e4zise Laser-Sensorik ein. Dabei werden<\/p>\n<ul>\n<li>zeitlich hoch aufgel\u00f6ste Schneeh\u00f6hen-Messungen mit Niederschlags-Daten in Zusammenhang gebracht;<\/li>\n<li>in die Messung von Neuschnee-Dichten meteorologische Messgr\u00f6\u00dfen wie Wind und Temperatur einbezogen;<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00dcber verbesserte Wettervorhersagen hinaus werden die Forschungs-Ergebnisse langfristig auch verdichtete Trendanalysen f\u00fcr Hochgebirgsregionen erm\u00f6glichen. Die Aufzeichnung des Gebirgsklimas und dessen Entwicklung soll auch zur pr\u00e4zisen Dokumentation der Klimaver\u00e4nderung beitragen.<\/p>\n<h3>Klimawandel<\/h3>\n<p>In der Gebirgsforschung geht man von einem Zusammenhang zwischen Klimawandel und extremem Schneefall und K\u00e4lte aus. <em>Fischer<\/em>: \u201eBeide Ph\u00e4nomene entstehen aus bestimmtem Wetterlagen, die sich station\u00e4r verhalten, also l\u00e4nger an einem Ort bleiben.\u201c Ein Mechanismus, der auch zu wochenlangen Hitzewellen im Sommer f\u00fchrt. Die Gletscher reagieren tr\u00e4ge auf die Klimaver\u00e4nderung und sind ein verl\u00e4sslicher und deutlicher Indikator f\u00fcr die Langzeit-Klimaforschung. Im Alpenraum, wo es seit vierhundert Jahren Zeitreihen gibt, zeichnet sich dies besonders klar ab. In den vergangenen hundertsiebzig Jahren gingen die Gletscher weltweit um die H\u00e4lfte zur\u00fcck, wei\u00df <em>Fischer<\/em>. Ausl\u00f6send sind die Temperaturen in Mai und September sowie die ganzj\u00e4hrigen Niederschl\u00e4ge.<\/p>\n<p>Pr\u00e4zisere Hinweise auf extreme Schneef\u00e4lle in der Vergangenheit erwartet sich Fischer vom Forschungsprojekt zu alpinen Eisbohrkernen, das sie selbst leitet.\u00a0 Das Projekt ist vom <em><a href=\"https:\/\/www.fwf.ac.at\/\">Wissenschaftsfond<\/a><\/em> (FWF) gef\u00f6rdert und l\u00e4uft unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.andreafischer.at\/projects\/fwf-coldice\/\"><em>Cold Ice<\/em><\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/die-kuenstliche-schneewolke-simuliert-die-physikalischen-parameter-einer-wolke-und-erzeugt-mit-geringem-umwelteffekt-naturidenten-schnee\/\">Die k\u00fcnstliche Schneewolke<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schnee- und Lawinenforschung hat gro\u00dfe Fortschritte gemacht. 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