{"id":165366,"date":"2019-02-08T18:37:15","date_gmt":"2019-02-08T17:37:15","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=165366"},"modified":"2019-02-08T18:37:15","modified_gmt":"2019-02-08T17:37:15","slug":"formel-e-rohrkrepierer-publikumsmagnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/formel-e-rohrkrepierer-publikumsmagnet\/","title":{"rendered":"Formel E: Vom \u201eRohrkrepierer&#8221; zum Publikumsmagneten"},"content":{"rendered":"<p>Als am 13. September 2014 in Peking der Startschuss f\u00fcr eine revolution\u00e4re, neue Rennserie fiel, wurde sie von eingefleischten Rennsportfans nur m\u00fcde bel\u00e4chelt und als Rohrkrepierer abgestempelt: die <a href=\"https:\/\/www.fiaformulae.com\/\">Formel E<\/a>. Eine Rennserie mit Autos, die kaum schneller waren als ein Stra\u00dfensportwagen und deren Elektromotoren nur m\u00fcde summten anstatt ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm zu machen? Das kann ja nichts werden. Und was soll das \u00fcberhaupt? Reicht es nicht, dass die Formel 1 2009 die erste Rennserie wurde, die mit dem KERS-System einen neuen Weg in puncto erneuerbarer Energien beschritten hat? Muss man denn jetzt gleich so \u00fcbertreiben und mit reinen Elektromotoren fahren, die nicht einmal eine Renndistanz durchhalten?<\/p>\n<p>Sicher, ein Gro\u00dfteil der langj\u00e4hrigen Renn- und Formel-1-Fans denkt wohl immer noch so, aber das \u00e4ndert sich immer mehr. \u201eIch kann nicht in die Zukunft schauen, aber mit dieser Technologie im Hintergrund, sieht es so aus, als ob die Formel E die richtige Serie w\u00e4re, in der fahren muss \u2013 wenn man in die Zukunft sehen k\u00f6nnte\u201c, sagte Ex-Formel-1-Pilot Nick Heidfeld schon bei der Formel-E-Vorstellung in London. \u201eJeder, mit dem man spricht, sogar die Sponsoren, scheinen sehr interessiert zu sein, weil die Serie viel umweltfreundlicher ist. Das ist auch der Grund, wieso ich sie mag, weil sie zu etwas ganz Gro\u00dfem werden kann.\u201c<\/p>\n<p>Ein \u201eechter Racer\u201c, der viermalige Formel-1-Champion Alain Prost, hat die Zeichen der Zeit gleich erkannt und betreibt seit Beginn sein eigens Formel-E-Team. Und der vierfache Champion ist nicht der einzige gro\u00dfe Name, der zu finden ist. Andretti Motorsport aus den USA, SuperNova, DAMS oder auch Audi Sport Abt waren dort ebenso seit der ersten Stunde zu finden wie Richard Branson mit Virgin.<\/p>\n<figure id=\"attachment_165371\" aria-describedby=\"caption-attachment-165371\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-165371\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Audi3-600x424.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"424\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-165371\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Audi<\/figcaption><\/figure>\n<p>Letzterer wurde jedoch gerne als Negativbeispiel angef\u00fchrt, dass die Formel E zum gro\u00dfen Teil aus Leuten bestand und zum Teil noch immer besteht, die in der Formel 1 gescheitert sind. In Saison 1 suchten eine ganze Reihe ehemalige Grand-Prix-Piloten ebenfalls ihr Gl\u00fcck bei den Elektroautos wie Jarno Trulli, S\u00e9bastien Buemi, Bruno Senna, Jaime Alguersuari, Lucas di Grassi, Karun Chandhok, Franck Montagny, St\u00e9phane Sarrazin, Vitantonio Liuzzi, Jean-Eric Vergne, Charles Pic, Scott Speed, Justin Wilson, Takuma Sato und nat\u00fcrlich Nick Heidfeld.<\/p>\n<h3>\u201eNat\u00fcrlich h\u00e4tten wir noch zehn Jahre warten k\u00f6nnen\u201c<\/h3>\n<p>Zahlreiche Fans, die die Rennen der ersten vier Saisons verfolgt haben, zeigen sich mittlerweile aber gel\u00e4utert und geben der Formel E eine Zukunft. Der gr\u00f6\u00dfte Pluspunkt ist nun nicht mehr nur eine zukunftstr\u00e4chtige gr\u00fcne Technologie, auf die man urspr\u00fcnglich den Hauptaugenmerk gelegt hatte. Die Formel E bietet n\u00e4mlich richtig spannende Rennen, auch wenn es den Autos im Vergleich zur Formel 1 (noch) gewaltig an Leistung mangelt.<\/p>\n<p>\u201eErinnern Sie sich, als die Mobiltelefone noch ein Kilo wogen? Auf dem Stand sind wir jetzt. Wir haben uns aber entschlossen, den Sprung zu wagen. Irgendwie f\u00fchlen wir uns wie Pioniere\u201c, erkl\u00e4rte Serienchef Alejandro Agag 2014. \u201eWir haben uns entschieden, bevor die Technologie bereit war. Nat\u00fcrlich h\u00e4tten wir noch zehn Jahre warten k\u00f6nnen, aber dann w\u00e4re uns jemand anders zuvorgekommen.\u201c<\/p>\n<p>Und die Entscheidung war offenbar goldrichtig. Seit dem ersten Rennen auf dem Gel\u00e4nde des Olympiaparks in Peking 2014 hat die Formel E immer mehr an Popularit\u00e4t gewonnen und tr\u00e4gt ihre Rennen auf eigens entworfenen Stra\u00dfenkursen direkt in den Stadtzentren aus. Man will das Event zu den Zuschauern zu bringen, ohne lange Anfahrtswege zu Rennstrecken irgendwo im Nirgendwo. Im Laufe der Zeit standen neben Peking auch Weltmetropolen wie Paris, London, Rom, Berlin, Hongkong, Mexico City, Marrakesch, Santiago und auch New York City auf dem Rennkalender. Insbesondere letztere freute Alejandro Agag besonders. \u201eIch denke, wir haben unsere k\u00fchnsten Hoffnungen weit \u00fcbertroffen. Die Serie hat sich unglaublich entwickelt&#8221;, betonte Agag vor dem ersten New York ePrix 2017.<\/p>\n<h3>\u201eDie Botschaft aussenden, dass das Elektroauto eine L\u00f6sung f\u00fcr Mobilit\u00e4t in der Stadt sein kann&#8221;<\/h3>\n<p>\u201eAls ich in Peking war, war es mein Traum, vielleicht im folgenden Jahr zur\u00fcck zu kommen und weiterzumachen. Stattdessen sind wir gewachsen, wir sind hier, mit Manhattan im Hintergrund, in Brooklyn, an einem erstaunlichen Ort, an dem viele Leute versucht haben, ein Rennen auszutragen, aber nur wenige haben es geschafft&#8221;, spielte der spanische Unternehmer auf die vergeblichen Versuche der Formel 1 an, einen Grand Prix in New York auszutragen. Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone tr\u00e4umte n\u00e4mlich bereits 2012 von einem Grand Prix von Amerika vor der Skyline des \u201eBig Apple\u201c \u2013 ein Unterfangen, das die K\u00f6nigsklasse bis heute nicht geschafft hat zu realisieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_165369\" aria-describedby=\"caption-attachment-165369\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-165369 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Audi-600x423.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"423\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-165369\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Audi<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Formel E und New York w\u00fcrden gut zusammenpassen, betonte Agag. Nicht nur, weil die Stadt das gr\u00f6\u00dfte elektrische U-Bahn-Netz der Welt hat. \u201eWir vertreten beide dieselben Werte. Wir wollen Elektromobilit\u00e4t f\u00f6rdern. Wie wollen die Stadt reinigen. Wir wollen die Luftverschmutzung reduzieren. Und all das kann mit Elektroautos erreicht werden. Ich denke, das Symbol, die Formel E hier in der Stadt zu haben, wird das zeigen.&#8221;<\/p>\n<p>Genau darum geht es n\u00e4mlich bei der Formel E. \u201eDie Botschaft aussenden, dass das Elektroauto eine L\u00f6sung f\u00fcr Mobilit\u00e4t in der Stadt sein kann und die Luftverschmutzung durch Elektroautos wirklich gesenkt werden kann. Das ist die Botschaft, die wir aussenden wollen.&#8221; Im Zentrum der Formel E stehen Werte wie Nachhaltigkeit, Effizienz und technologischer Fortschritt, f\u00fcr den die Serie der Automobilindustrie als Umfeld f\u00fcr die Entwicklung von Elektroautos diesen soll.<\/p>\n<p>Aktuell sind bei den 13 Rennen in 12 St\u00e4dten auf 5 Kontinenten 11 Teams mit 22 Fahrern am Start und die Meisterschaft zieht Motorsport-Teams und -Talente aus der ganzen Welt an. In Saison 5 sind insgesamt neun Hersteller an Bord \u2013 darunter Renault, Audi, BMW, Mercedes (aktuell noch als HWA), Jaguar, und Nissan. Die neuen Batterien stammen aus dem Hause McLaren Applied Technologies und die Zeiten, in denen die Fahrer wegen leerer Batterien gegen Rennmitte in ein anderes Auto umsteigen mussten, das voll aufgeladen war, sind seit Beginn der aktuellen f\u00fcnften Saison auch vorbei.<\/p>\n<p>Wie es mit der Formel E in ein paar Jahren aussieht, l\u00e4sst sich momentan nur erahnen. Nimmt man den Ehrgeiz der Menschen, sich immer wieder auf neue Art und Weise miteinander zu messen, als Anhaltspunkt, k\u00f6nnte die Formel E durchaus die Zukunft sein und \u201eetwas ganz Gro\u00dfes\u201c werden. Die Formel 1 muss sich auf lange Sicht wohl warm anziehen \u2013 trotz leise summender Elektromotoren der Formel E.<\/p>\n<figure id=\"attachment_165370\" aria-describedby=\"caption-attachment-165370\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-165370\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Audi2-600x424.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"424\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-165370\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Audi<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Konkurrenz f\u00fcr die Formel 1?<\/h3>\n<p>Nico Rosberg, Formel-1- Weltmeister 2016 hat auch \u201edas immense Potenzial gr\u00fcner Technologie\u201c erkannt und schon vor einigen Jahren in die Serie investiert. Er glaubt zwar nicht, dass die Formel E der K\u00f6nigsklasse komplett den Rang ablaufen wird, sieht in Elektromobilit\u00e4t aber die Zukunft, auch im Rennsport. \u201eDie Formel 1 ist und bleibt die Spitze des Motorsports\u201c, erkl\u00e4rte er vor Kurzem gegen\u00fcber der <em>Sport Bild<\/em>. \u201eDas wird auch so bleiben. Und ich bin auch immer noch ein Riesenfan. Aber in Sachen Antrieb muss die Formel 1 sich irgendwann Gedanken machen. Noch nicht heute, aber in zehn Jahren. Wenn nur noch E-Mobilit\u00e4t verkauft wird, dann muss die Formel 1 im Zeitgeist bleiben und kann nicht auf einer Tangente weiter Verbrennungsmotoren fahren.\u201c Rosberg h\u00e4lt sogar eine Fusion beider Serien f\u00fcr m\u00f6glich: \u201eDie Formel E hat die Rechte an E-Motoren in Formel-Autos f\u00fcr die n\u00e4chsten 20 Jahre. Deshalb kann ich mir eine Fusion beider Serien gut vorstellen. Sie haben ja auch den gleichen Besitzer. Das w\u00fcrde das Sinn machen. Nicht morgen, aber \u00fcber\u00fcbermorgen.\u201c<\/p>\n<p>In der Saison 2018\/19, die eine neue \u00c4ra der Formel E einl\u00e4utet, l\u00f6st das Gen2-Auto seinen Vorg\u00e4nger der ersten vier Saisons ab. Nun k\u00f6nnen die Boliden mit der doppelten Energiespeicherkapazit\u00e4t des Gen1-Autos die gesamte Renndistanz zur\u00fccklegen \u2013 ohne Autowechsel bei Rennmitte. Dar\u00fcber hinaus haben die Autos seit der ersten Saison auch an Tempo zugelegt und beschleunigen mit 250 kW Leistung in 2,8 Sekunden von 0-100km\/h, die H\u00f6chstgeschwindigkeit liegt bei 280km\/h.<\/p>\n<p><em>Einen genaueren Einblick in Saison 5 der Formel E und deren Technik gibt es in <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/formel-e-technik-bmw-ife-18\/\">Teil zwei<\/a> \u00fcber die Formel E.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UOJVhcpZplY\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UOJVhcpZplY<\/a><\/p>\n<p><em>Titelbild \u00a9 BMW<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als am 13. September 2014 in Peking der Startschuss f\u00fcr eine revolution\u00e4re, neue Rennserie fiel, wurde sie von eingefleischten Rennsportfans nur m\u00fcde bel\u00e4chelt und als Rohrkrepierer abgestempelt: die Formel E. 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