{"id":165345,"date":"2019-02-09T07:00:02","date_gmt":"2019-02-09T06:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=165345"},"modified":"2019-02-09T07:00:02","modified_gmt":"2019-02-09T06:00:02","slug":"ki-nicht-nur-facebook-sollte-reguliert-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/ki-nicht-nur-facebook-sollte-reguliert-werden\/","title":{"rendered":"KI: Nicht nur Facebook sollte reguliert werden"},"content":{"rendered":"<p>Die aktuelle Kartellamts-Entscheidung bez\u00fcglich der Datensammlung durch Facebook macht nochmals bewusst, wie leichtfertig viele mit ihren privaten Daten umgehen. Und das nicht nur durch soziale Medien wie Facebook. Denn allein die Nutzung des Internets, von Smartphones und Smart Home-Funktionen machen uns gl\u00e4sern. Kaum einer denkt dar\u00fcber nach, wenn er Siri um einen Eintrag bittet, und das vielleicht auch noch, w\u00e4hrend gerade eine andere Anwendung l\u00e4uft. Sagen wir zum Beispiel w\u00e4hrend der Streaming-Dienst Netflix Filme \u2013 basierend auf fr\u00fcheren Einstellungen \u2013 pr\u00e4sentiert. Oder, wenn er per App das Thermostat im Wohnzimmer h\u00f6herstellt, da er gerade auf dem Heimweg ist. Von vielen weiteren Home-Anwendungen ganz zu schweigen. Im Gesundheitswesen wird die KI heute zur Erkennung von Tumoren auf CT-Scans eingesetzt. In einigen L\u00e4ndern kann die virtuelle Krankenschwester <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/nl\/umc-ontwikkelt-virtuele-arts\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Molly<\/a> zu Rate gezogen werden. Und im Finanzsektor f\u00fchren Kreditkartenunternehmen mit ihrer Hilfe Betrugspr\u00fcfungen durch. Banken verwenden Algorithmen, um festzustellen, ob jemand kreditw\u00fcrdig ist und vieles mehr. Kurzum: KI ist \u00fcberall. Und: KI ben\u00f6tigt Daten.<\/p>\n<p>Doch was passiert mit all diesen Infos? Wer k\u00f6nnte sie wann wie nutzen? Welche Kontrollinstanzen gibt es neben dem deutschen Kartellamt noch?<\/p>\n<h3>DIE EUROP\u00c4ISCHE UNION<\/h3>\n<p>Im Dezember 2018 bef\u00fcrwortete Brad Smit, Pr\u00e4sident von Microsoft und Leiter der Rechtsabteilung, in einem <a href=\"https:\/\/blogs.microsoft.com\/on-the-issues\/2018\/12\/06\/facial-recognition-its-time-for-action\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blogbeitrag<\/a> Regeln und Gesetze f\u00fcr die Gesichterkennungs-Technologie. Denn laut dem Microsoft-Vorstandsvorsitzenden birgt diese Technologie allerlei Gefahren. Dazu z\u00e4hlt vieles, von der Vorverurteilung durch Algorithmen bis hin zur Verletzung der Privatsph\u00e4re. Ganz zu schweigen von Diktaturen, die jeden B\u00fcrger im Auge behalten k\u00f6nnen. Laut Smit ist es an der Zeit, dass sich die Regierungen mit den neuen Technologien auseinandersetzen. Nun werden die ersten Schritte getan.<\/p>\n<p>In der Europ\u00e4ische Union gibt es eine Gruppe von <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/digital-single-market\/en\/high-level-expert-group-artificial-intelligence\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">52 Experten<\/a>\u00a0\u2013 Menschen aus den verschiedensten Bereichen \u2013, die Empfehlungen f\u00fcr Vorschriften zur k\u00fcnstlichen Intelligenz geben. Zufall oder nicht: Seit Dezember 2018 arbeiten die EU-Experten daran, diesbez\u00fcglich Leitlinien zu verfassen. In einer k\u00fcrzlich vorgestellten, <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/digital-single-market\/en\/news\/draft-ethics-guidelines-trustworthy-ai\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ersten Version<\/a> (eine endg\u00fcltige Fassung soll im M\u00e4rz erscheinen) gehen sie dabei auf verschiedene Themen ein. So beschreiben sie das Dilemma, dass die KI einerseits sehr viele Vorteile bietet, aber gleichzeitig unz\u00e4hlige Gefahren birgt. Entsprechend empfehlen sie einen menschenzentrierten Ansatz zur Regelung der KI. Der Hintergrund: KI bietet Menschen nur Vorteile, wenn diese sie zuversichtlich und umfassend nutzen k\u00f6nnen sowie der Technik vertrauen. Den Rahmen f\u00fcr eine vertrauensw\u00fcrdige KI setzt zun\u00e4chst eine ethische Zweckbestimmung. Aus dieser sollen sich die Regelungen f\u00fcr die Verwirklichung der vertrauensw\u00fcrdigen KI ableiten. Zudem sollen die Anforderungen auf ein operatives Fundament mit Beispielf\u00e4llen gestellt werden. Die EU-Leitlinien sollen nicht statisch sein, sondern eher einen Ausgangspunkt f\u00fcr die Diskussion \u00fcber \u201evertrauensw\u00fcrdige KI made in Europe\u201c bilden. Mit den ethischen Richtlinien, die gleichzeitig eine Wettbewerbsf\u00e4higkeit garantieren sollen, m\u00f6chte sich Europa als Vorreiter einer hochmodernen, sicheren und ethischen KI positionieren sowie gleichzeitig weltweit zur Diskussion anregen.<\/p>\n<h3>ISO-Norm f\u00fcr KI<\/h3>\n<p>Einen weiteren Ansatz gibt es \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.iso.org\/home.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">International Standardisation Organisation (ISO)<\/a>: \u201eEs ist sehr wichtig, dass wir alle die gleiche Sprache sprechen&#8221;, so Jana Lingenfelder, Technical Relations Executive bei IBM. Neben ihrer Arbeit f\u00fcr IBM arbeitet sie an einem KI-Standard f\u00fcr die ISO. Dieser soll Unternehmen und Designern Definitionen sowie Grundregeln liefern, die als Basis f\u00fcr ihre Arbeit dienen soll. Denn KI geht \u00fcber nationale Grenzen hinaus.<\/p>\n<p>Der deutsche Rechtsanwalt Jan Schallab\u00f6ck unterst\u00fctzt die ISO dabei, eine Norm f\u00fcr Technologieunternehmen zu entwickeln. Er konzentriert sich in seiner T\u00e4tigkeit haupts\u00e4chlich auf den Datenschutz. So spricht er Empfehlungen aus, zu welchem fr\u00fchestm\u00f6glichen Zeitpunkt eines Produkts oder einer Dienstleistung Unternehmen sich mit der Privatsph\u00e4re von Nutzers befassen sollten. Schallab\u00f6ck stimmt mit Lingenfelder \u00fcberein. Gleichzeitig sieht er aber auch Probleme bei der Einhaltung der Regeln: &#8220;Die genaue Beobachtung der k\u00fcnstlichen Intelligenz braucht Zeit, viele Regierungen oder andere Aufsichtsbeh\u00f6rden haben diese M\u00f6glichkeit nicht.\u201c Zudem sieht Schallab\u00f6ck noch viele offene Fragen, zum Beispiel: \u201e\u2026inwieweit sind sie [Beh\u00f6rden] in der Lage einzusch\u00e4tzen, wie ein Algorithmus eine Entscheidung trifft? F\u00fcr viele Experten ist das eine tolle Aufgabe. Ganz zu schweigen von Verantwortung und Haftung. Liegt dies in der Verantwortung der Nutzer? Von den Plattformen? Oder den Menschen, die KI entwickeln? Und wie stellt man sicher, dass ein Algorithmus eine ethische Entscheidung trifft?&#8221;. Es gibt also noch viele Punkte zu verstehen und zu beachten, bevor Regelungen bez\u00fcglich KI greifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>KI: ETHISCH ODER NUMERISCH?<\/h3>\n<figure id=\"attachment_165175\" aria-describedby=\"caption-attachment-165175\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-165175\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/waymo_steve_mahan_1-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-165175\" class=\"wp-caption-text\">Wie soll ein selbstfahrendes Fahrzeug nach ethischen Grunds\u00e4tzen entscheiden? @Waymo Steve Mahan<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es gibt aber noch ganz andere Kriterien zu bedenken. Zum Beispiel: Wie soll ein selbstfahrendes Fahrzeug bei einer Kollision entscheiden, ob es einen Radfahrer oder einen Fu\u00dfg\u00e4nger treffen soll? Solche Dinge m\u00fcssen in Systeme eingebaut werden. Laut Christian Wagner, Assistenz-Professor f\u00fcr Informatik an der Universit\u00e4t Nottingham, gibt es hier ein h\u00e4ufiges Missverst\u00e4ndnis. K\u00fcnstliche Intelligenz kann keine ethischen Entscheidungen treffen. Wagner ist \u00fcbrigens auch Direktor von <a href=\"http:\/\/www.lucidresearch.org\/about.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LUCID\u00a0 (Lab for uncertainty in data and decision making)<\/a>. An dem Informatik Institut der Nottinghamer Uni wird an einem besseren Verst\u00e4ndnis, an der Erfassung und an Hintergr\u00fcnden unsicherer Daten geforscht. Laut Wagner wird oft von einer \u201estarken\u201c KI gesprochen, wenn die Technologie, genau wie der Mensch, \u00fcber Recht und Unrecht urteilen kann. \u201eAber davon sind wir weit entfernt. Zun\u00e4chst einmal m\u00fcssen wir sicherstellen, dass die Systeme stabil sind. Ein selbstfahrender Wagen sollte nicht pl\u00f6tzlich unerwartete Dinge tun. So l\u00e4uft das mit Zahlen und Wahrscheinlichkeits-Berechnungen.&#8221;<\/p>\n<p>Wagner h\u00e4lt es zwar f\u00fcr richtig, Normen und Richtlinien festzulegen, aber er bezweifelt gleichzeitig, dass ein solches Modell beibehalten werden kann. Denn die Technologie entwickelt sich rasant. Jedes Mal ein neues Modell zu entwerfen erscheint viel zu umst\u00e4ndlich. Auch Schallab\u00f6ck h\u00e4lt dies f\u00fcr ein schwieriges Thema: \u201eNormen wie die ISO-Marken sind immer gut, aber muss man dann f\u00fcr jede Anwendung von KI eine neue Norm schaffen? Diese Verfahren sind zeitaufw\u00e4ndig und sehr teuer.\u201c<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich stellt sich die Frage, wer wann die Aufsicht hat. Und, wer verantwortlich ist. Wie Lingenfelder schon betonte, geht die KI \u00fcber lokale Grenzen hinaus. Sie hat internationale Auswirkungen auf allen Ebenen der Gesellschaft. Alle drei zitierten Experten k\u00f6nnen noch keine klare Antwort auf diese Fragen geben. Vielleicht soll ein EU-Gremium eingerichtet werden, das die Einhaltung der Vorschriften \u00fcberwacht? Schallab\u00f6ck: \u201eWir haben jetzt die <a href=\"https:\/\/gdpr-info.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">GDPR<\/a> [General Data Protection Regulation], aber das ist bei weitem nicht genug. Noch haben wir keine Antwort auf die Gefahren der KI. Sie ist eine Gefahr nicht nur f\u00fcr die Demokratie, sondern auch f\u00fcr die Rechte des Einzelnen.&#8221;<\/p>\n<p><em>Bild oben: Datensammlung durch KI\u00a0@Pixabay<\/em><\/p>\n<h3>Dieser Artikel k\u00f6nnte Sie auch interessieren<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/die-dsgvo-im-einsatz-wie-ihre-daten-geschuetzt-werden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">DIE DSGVO IM EINSATZ \u2013 WIE IHRE DATEN GESCH\u00dcTZT WERDEN<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/zielgerichtete-werbung-bei-facebook-einfluss-manipulation-oder-intelligentes-marketing\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ZIELGERICHTETE WERBUNG BEI FACEBOOK<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuelle Kartellamts-Entscheidung bez\u00fcglich der Datensammlung durch Facebook macht nochmals bewusst, wie leichtfertig viele mit ihren privaten Daten umgehen. Und das nicht nur durch soziale Medien wie Facebook. 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