{"id":165264,"date":"2019-02-07T17:49:14","date_gmt":"2019-02-07T16:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=165264"},"modified":"2019-02-07T17:49:14","modified_gmt":"2019-02-07T16:49:14","slug":"innovationen-in-den-laendlichen-regionen-ermoeglichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/innovationen-in-den-laendlichen-regionen-ermoeglichen\/","title":{"rendered":"Innovationen in den l\u00e4ndlichen Regionen erm\u00f6glichen"},"content":{"rendered":"<p>Im wirtschaftspolitischen Diskurs werden Innovationen klar dem st\u00e4dtischen Raum zugeordnet. Der \u00f6sterreichische Regionalforscher <em>Jakob Eder<\/em> h\u00e4lt dies f\u00fcr ein \u00fcberholtes Klischee, das auch ein gewisses Risiko birgt. In seiner Dissertation zeichnet er ein komplexeres Bild der Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Ein Viertel der \u00d6sterreicher leben in Wien und auch Institutionen wie Ministerien, \u00c4mter, Beh\u00f6rden, Bundesgerichte, Kammern und Gewerkschaften sind in der Hauptstadt konzentriert. Durch diese Dominanz entsteht der Eindruck, Innovation sei nur in der Hauptstadt m\u00f6glich. Demgegen\u00fcber stehen l\u00e4ndliche Regionen, die dem Agrar- und Energiesektor sowie Bergbau und Tourismus zugeordnet werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/isr\/team\/ag-innovation-und-urbane-oekonomie\/jakob-eder\/\"><em>Jakob Eder<\/em><\/a>, der an der <a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/\"><em>\u00d6sterreichischen<\/em> <em>Akademie der Wissenschaften<\/em><\/a> forscht, hat die Situation in den l\u00e4ndlichen Regionen genauer untersucht. Er kam zu dem Schluss, dass dieses Schema in einer Zeit von Klimawandel und Digitalisierung nicht l\u00e4nger aufrechtzuerhalten ist.<\/p>\n<ul>\n<li>Wenn die Wirtschaft in den Regionen klar auf Bergbau oder Energiesektor konzentriert ist, k\u00f6nnen Jobs aufgrund von Globalisierung oder technologischer Innovation wegfallen.<\/li>\n<li>Orte, deren Wirtschaft vorwiegend auf dem Wintersport fu\u00dft, sind von der Klima-Erw\u00e4rmung besonders betroffen. Aber bisher boten diese den innovativen Branchen vor Ort keinerlei Beachtung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine diversifizierte regionale Wirtschaftsstruktur w\u00e4re aber sinnvoll, um eine Negativspirale zu vermeiden, so der Experte.<\/p>\n<p>Zu den Indikatoren, die <em>Eder<\/em> untersucht hat, z\u00e4hlen Bev\u00f6lkerungsentwicklung, Erreichbarkeit, Pendlersaldo, Zahl der Besch\u00e4ftigten in Gro\u00dfunternehmen sowie Wissensintensit\u00e4t. Ein zentraler Indikator ist die Erreichbarkeit.<\/p>\n<h3><strong>Geographische Erreichbarkeit<\/strong><\/h3>\n<p>Der Zusammenhang von geographischer Erreichbarkeit und wirtschaftlicher Bl\u00fcte ist historisch verankert. Bedeutende Handelsrouten finden sich entlang der Westautobahn. Ein Grund daf\u00fcr liegt in der N\u00e4he zu Deutschland, \u00d6sterreichs wichtigstem Absatzmarkt. In den angrenzenden Regionen haben sich im Lauf der Zeit viele Betriebe angesiedelt. Meist sind es kleinere und mittlere aber hochinnovativ arbeitende Unternehmen. Manche sind in ihrem jeweiligen Spezialgebiet Weltmarktf\u00fchrer. Eder spricht von \u201ahidden champions\u2019.<\/p>\n<p>Der Erfolg von Unternehmen in \u00d6sterreich baut oft noch auf internen Kompetenzen auf \u2013 erworben durch das Eingehen auf Kundenw\u00fcnsche und Spezialanfertigungen. \u201eDurch die Globalisierung und zunehmende Konkurrenz wird nun aber auch zunehmend auf Forschung und Eigeninitiative gesetzt\u201c, erkl\u00e4rt <em>Eder<\/em>.<\/p>\n<h3><strong>Digitale Erreichbarkeit<\/strong><\/h3>\n<p>Treffen in einer Region schlechte Erreichbarkeit und wirtschaftliche Stagnation zusammen, so kommt es meist zu Abwanderung, Alterung und in der Folge zu einer schrumpfenden Bev\u00f6lkerung. \u00d6ffentliche Einrichtungen k\u00f6nnten den l\u00e4ndlichen Raum und Kleinst\u00e4dte beleben \u2013 allerdings sind die bestehenden Strukturen schwer zu ver\u00e4ndern. Private Unternehmen sind in der Standortfrage flexibler, wenn sie die geeigneten Bedingungen vorfinden. In vielen l\u00e4ndlichen Regionen mangelt es aber noch an schnellen Internet-Verbindungen. Die digitale Erreichbarkeit in Form von Breitband-Anschl\u00fcssen ist noch wichtiger als die geographische Erreichbarkeit mangels Autobahn, so der Studienautor.<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich h\u00e4lt sich die Abwanderung noch in Grenzen. Die betroffenen Gebiete &#8211; weite Teile K\u00e4rntens und der Steiermark, Osttirol sowie der Norden des Wald- und Weinviertels \u2013 leiden an wirtschaftlicher Stagnation und geringer Wissensintensit\u00e4t. Betroffen sei aber auch eine traditionelle Maschinenbau-Stadt wie <em>Steyr<\/em>. Die 38.000-Einwohner-Gemeinde verlor durch Zerteilung und Verkauf der Steyr <em>Daimler Puch AG<\/em> ab 1988 einen wichtigen Arbeitgeber.<\/p>\n<h3><strong>Erfolgreiche Ansiedelungen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine politische Initiative zur wirtschaftlichen Belebung von strukturschwachen l\u00e4ndlichen Regionen war die Ansiedelung von Fachhochschulen. In <em>Hagenberg<\/em> im <em>M\u00fchlviertel<\/em> ist dies gelungen. Die 2700-Einwohner-Gemeinde ist eine halbe Autostunde von <em>Linz<\/em> entfernt. Die Fachhochschule und der dazugeh\u00f6rige Software-Park haben eine Reihe von Software-Unternehmen angezogen, die sich dort ansiedelten und global erfolgreich agieren.<\/p>\n<p>Ein oft untersch\u00e4tzter Faktor ist die Attraktivit\u00e4t des Standorts. L\u00e4ndliche Regionen mit hohem Freizeitwert ziehen Studierende und Forschende an, die Wert auf Lebensqualit\u00e4t legen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die 132.000-Einwohner-Stadt <em>Innsbruck<\/em>, wo die Skipiste mit den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Gleichzeitig sei die regionale Verwurzelung entscheidend, so der Studienautor. So seien es meist Einheimische, die in der Region bleiben oder nach dem Studium wieder zur\u00fcckkehren; sofern dies mit einem Arbeitsplatz in einem innovativen Unternehmen vereinbar ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_165265\" aria-describedby=\"caption-attachment-165265\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-165265\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Innsbruck-Panorama-West-c-Christoph-Derganc-CC0-from-Wikimedia-Commons-600x337.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"337\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-165265\" class=\"wp-caption-text\">Innsbruck (Panorama West) (c) Christoph Derganc [CC0], from Wikimedia Commons<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hier finden Sie den Artikel, in dem Eder die Zwischenergebnisse zu seiner Dissertation ver\u00f6ffentlichte:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/09654313.2018.1541966\"><span class=\"NLM_article-title hlFld-title\">Peripheralization and knowledge bases in Austria: towards a new regional typology<\/span><\/a><\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/osterreich-will-zu-den-innovativsten-forschungslandern-zahlen\/\">\u00d6sterreich will zu den innovativsten Forschungsl\u00e4ndern z\u00e4hlen <\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/zukunftskollegs-fuer-interdisziplinaere-forschung\/\">Zukunftskollegs f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Forschung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im wirtschaftspolitischen Diskurs werden Innovationen klar dem st\u00e4dtischen Raum zugeordnet. 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