{"id":165080,"date":"2019-02-05T13:06:22","date_gmt":"2019-02-05T12:06:22","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=165080"},"modified":"2019-02-05T13:06:22","modified_gmt":"2019-02-05T12:06:22","slug":"mode-im-kontext-von-technologie-neu-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/mode-im-kontext-von-technologie-neu-denken\/","title":{"rendered":"Mode im Kontext von Technologie neu denken"},"content":{"rendered":"<p>Die M\u00f6glichkeiten von Automatisierung, 3D-Druck und Wearables klingen spektakul\u00e4r, haben in der Modeindustrie aber bisher kaum Anwendung gefunden. Das liegt zum einen an der mangelnden Marktreife und zum anderen an Designern, die sich durch Technologie in ihrer Kreativit\u00e4t limitiert sehen.<\/p>\n<p>Neue Technologien in der Mode sind immer dann erfolgreich, wenn sie die Produktion erleichtern und neuartige Effekte erm\u00f6glichen. Man denke an die Erfindung der N\u00e4hmaschine oder des Jacquard-Webstuhls. Die letzte gro\u00dfartige Innovation war der 3D-Strick &#8211; der allerdings im \u00f6ffentlichen Diskurs kaum Widerhall fand. Diese Diskrepanz zwischen Utopie und Wirklichkeit mag auch daran liegen, dass die Mode-Industrie selbst bisher kaum an der Entwicklung neuer Technologien beteiligt war.<\/p>\n<h3><strong>Perspektive der Mode<\/strong><\/h3>\n<p>Am <a href=\"https:\/\/www.ufg.at\/Fashion-Technology.11325.0.html\"><em>Institut f\u00fcr Fashion und Technology<\/em><\/a> (F&amp;T) an der <em>Kunstuniversit\u00e4t Linz<\/em> erforscht man die M\u00f6glichkeiten neuer Technologien aus der Perspektive der Mode. Der Studiengang bietet eine Ausbildung f\u00fcr zeitgen\u00f6ssisches Modedesign mit Schwerpunkt Innovation und Technologie und wird von zwei Mode-Expertinnen aus den Feldern Design und Bekleidungstechnik geleitet. Diese sehen in Mode und Technologie mehr als E-Textilien oder Wearables, bei denen eine Optimierung des K\u00f6rpers angestrebt werde. Diese habe in der Mode keine gro\u00dfe Relevanz. Der fundamentale Wandel in dem sich die Modeindustrie befinde, sei vielmehr von \u00f6kosozialen Faktoren geleitet, erkl\u00e4rte Co-Direktor <a href=\"https:\/\/ufgonline.ufg.ac.at\/ufg_online\/visitenkarte.show_vcard?pPersonenGruppe=3&amp;pPersonenId=D8BD8D383D060775\"><em>Christ<\/em><\/a><a href=\"https:\/\/ufgonline.ufg.ac.at\/ufg_online\/visitenkarte.show_vcard?pPersonenGruppe=3&amp;pPersonenId=D8BD8D383D060775\"><em>iane Luible-B\u00e4r<\/em><\/a>\u00a0 in einem <a href=\"https:\/\/ars.electronica.art\/aeblog\/de\/2018\/08\/28\/fashion-and-technology\/\">Interview<\/a>.<\/p>\n<p>In einer Zeit, in der die Bekleidungsindustrie ganz oben auf der Agenda der Umweltorganisationen steht und die Trendforscherin <a href=\"https:\/\/www.edelkoort.com\/\"><em>Lidewij Edelkoort<\/em><\/a> den nach blo\u00dfer Gewinn-Maximierung strebenden Konzernen den Niedergang prognostiziert, sind die Studenten am<em> F&amp;T<\/em> zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Modeindustrie aufgerufen. Zur Diskussion stehen<\/p>\n<ul>\n<li>das Verh\u00e4ltnis von K\u00f6rper und mediatisierter Umwelt;<\/li>\n<li>die g\u00e4ngigen Design- und Produktionsbedingungen;<\/li>\n<li>die Relevanz von Mode als Mittel zur sozialen Abgrenzung;<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Neues schaffen<\/h3>\n<p>Im Verh\u00e4ltnis von Mode &amp; Technologie verfolgt man am <em>F&amp;T<\/em> eine integrative Sichtweise. Man begreift Mode und Technologie nicht als zwei getrennte Sph\u00e4ren, die einander blo\u00df begegnen, sondern als eine Vermischung aus der neue Prozesse, Materialien, Formen und auch reziproke Verh\u00e4ltnisse hervorgehen \u2013 und schlie\u00dflich auch eine neue \u00c4sthetik. In diesem Paradigma kann Interaktivit\u00e4t nicht nur auf elektronischer Ebene gegeben sein, sondern auch auf biologischer oder mechanischer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_165082\" aria-describedby=\"caption-attachment-165082\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-165082 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Nina-Krainer-2018-Sculpting-Identity-c-Manuel-Esthaem-400x600.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"600\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-165082\" class=\"wp-caption-text\">Nina Krainer (2018): Sculpting Idenity (c) http:\/\/www.esthaem.com\/<\/figcaption><\/figure>\n<h3><\/h3>\n<h3><strong>Analog vs. digital<\/strong><\/h3>\n<p>Den einzelnen Projekten gehen theoretische Ann\u00e4herungen voran. Scheint dies im Hinblick auf die k\u00fcnstlerische Vision plausibler, werden Projekte auch in handwerklichen Techniken angefertigt.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr analoge Prozesse sind die Arbeiten der Studentin <em>Nina Krainer<\/em>, die den Wert des Handwerks in einer digitalen Welt darstellen m\u00f6chte. Ihre Arbeiten wirken wie aus dem 3D-Drucker, sind aber das Ergebnis von sorgf\u00e4ltiger Handarbeit. Nina Krainer: &#8220;Das Material strahlt eine gewisse H\u00e4rte und K\u00fchle aus und l\u00e4sst auf ein starres kunststoff-, keramik- oder gips\u00e4hnliches Material schlie\u00dfen. Haptisch wird dieser Eindruck widerlegt. Die Objekte sind weich und biegsam.&#8221;<\/p>\n<p><em>Julio Escudero<\/em>, ein anderer Student, nutzt digitale Techniken, um das Konzept von K\u00f6rper neu zu definieren. Die modifizierbaren Parameter in der Software <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Grasshopper_3D\"><em>Grasshopper <\/em><\/a>erm\u00f6glichen die Umformung von Silhouetten &#8211; deren Ausf\u00fchrung ist \u00fcber die Software<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Rhinoceros_3D\"><em> Rhinozeros<\/em> <em>3D<\/em><\/a> m\u00f6glich. Escudero: \u201eViele Designer nutzen heute parametrisches Design, weil man damit das finale Resultat visualisieren kann, ohne ohne viele Prototypen herzustellen. Auch kann man in dem Programm Fehler finden und korrigieren, bevor das St\u00fcck angefertigt ist. Das spart viel Zeit und Geld. Deshalb mag ich diese Visualisierungen. Aber ich nutze sie nur als Inspiration f\u00fcr Silhouetten oder Formen und mache auch viel Handarbeit um Menschliches einzubringen \u2013 und neue Arten der Interaktion mit Technologie.\u201c In der analogen Ausf\u00fchrung arbeitete Escudero mit experimentellen Konstruktionstechniken, hochpr\u00e4zisen Tools wie <a href=\"https:\/\/www.engadget.com\/2014\/06\/17\/laser-cut-clothing-explainer\/\">Laser- und CNC-Cut<\/a> sowie traditionellem N\u00e4hen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_165083\" aria-describedby=\"caption-attachment-165083\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-165083 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Julio-Escudero-2018-Volume-Studies-Expanding-Bodies-in-Expanded-Realities-c-Manuel-Esthaem-450x600.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"600\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-165083\" class=\"wp-caption-text\">Julio Escudero (2018) Volume Studies: Expanding Bodies in Expanded Realities (c) http:\/\/www.esthaem.com\/<\/figcaption><\/figure>\n<h3><\/h3>\n<h3><strong>Spektakul\u00e4re Inszenierung<\/strong><\/h3>\n<p>In einem Punkt schlie\u00dft man am F&amp;T an die g\u00e4ngigen Praxen in der Modeindustrie an \u2013 in der spektakul\u00e4ren Pr\u00e4sentation. Wobei auch hier alternative Formen jenseits des Laufstegs verfolgt werden.<\/p>\n<ul>\n<li>2016 wurden Anatomien von Mode im <em>Ars Electronica<\/em> <a href=\"https:\/\/ars.electronica.art\/center\/de\/exhibitions\/deepspace\/\"><em>Deep Space<\/em><\/a> gezeigt \u2013 mittels modernster Computer Tomographie-Software. Die Pr\u00e4sentation erfolgte live, 3D und in 8K-Aufl\u00f6sung. <em>Deep Space<\/em> steht f\u00fcr eine Projektion, die sich \u00fcber eine Fl\u00e4che von sechzehn mal neun Meter Wand- und sechzehn mal neun Meter Boden erstreckt.<\/li>\n<li>2017 wurden die Designs der Studierenden an Industrierobotern in stereoskopischen Selfie-Videos gezeigt.<\/li>\n<li>2018 wurde im Rahmen der <a href=\"https:\/\/ars.electronica.art\/news\/\"><em>ARS Electronica<\/em><\/a> ein Plattform-Event mit Round Table-Diskussion und Keynotes durchgef\u00fchrt. Ziel war es, einen Diskurs zum politischen Aspekt von Mode und Technologie anzuregen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Teilnahme an Re-Fream<\/h3>\n<p>Jetzt wird das Institut f\u00fcr <em>Fashion &amp; Technology<\/em> Teil des EU-Forschungs- und F\u00f6rderungsprojekts <em>Re-Fream<\/em>, das aus einer Bewerbung der lokalen Organisationen <a href=\"https:\/\/creativeregion.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Creative Region<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/www.profactor.at\/ueber-uns\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Profactor<\/em><\/a> hervorging. Ziel des Projekts ist es zukunftsorientierte urbane Produktionsmethoden zu erforschen, um die Bekleidungsproduktion zur\u00fcck nach Europa zu bringen. Innovation soll in der Vernetzung von Kunst und Industrie entstehen. Gefragt sind ressourcenschonende Methoden, die marktreife Produkte mit hohem \u00e4sthetischem Anspruch hervorbringen. Zentrale Themen sind Nachhaltigkeit, 3D-Druck und elektronische Textilien.<\/p>\n<p><em>Re-Fream<\/em> basiert auf einer Ausschreibung, in der K\u00fcnstler und Designer geeignete Projekte einreichen k\u00f6nnen. Zwanzig ausgew\u00e4hlte Projekte werden dann in\u00a0 einem von insgesamt drei europ\u00e4ischen Hubs realisiert. Neben <em>Profactor<\/em> und <em>Creative Region<\/em> in Linz sind Organisationen in Valencia und Berlin involviert. Die Ausschreibung startet im M\u00e4rz und ist mit bis zu 55.000 Euro pro Projekt dotiert.<\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Fashion &amp; Technology wurde im Oktober 2015 gegr\u00fcndet. Im Februar schlossen die ersten Studenten das Bachelor-Studium ab. Im M\u00e4rz beginnt der erste Master-Lehrgang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/flora-miranda-praesentiert-ihre-kollektion-deep-web-zu-den-haute-couture-shows-in-paris\/\">Flora Miranda pr\u00e4sentiert ihre Kollektion Deep Web zu den Couture Shows in Paris<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/schneiderei-fuer-massgefertigte-technologien\/\">Schneiderei f\u00fcr ma\u00dfgefertigte Technologien<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die M\u00f6glichkeiten von Automatisierung, 3D-Druck und Wearables klingen spektakul\u00e4r, haben in der Modeindustrie aber bisher kaum Anwendung gefunden. Das liegt zum einen an der mangelnden Marktreife und zum anderen an Designern, die sich durch Technologie in ihrer Kreativit\u00e4t limitiert sehen. 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