{"id":164286,"date":"2019-01-25T13:33:54","date_gmt":"2019-01-25T12:33:54","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=164286"},"modified":"2019-01-25T13:33:54","modified_gmt":"2019-01-25T12:33:54","slug":"wiege-schaukeln-schlafen-baby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/wiege-schaukeln-schlafen-baby\/","title":{"rendered":"Wie in der Wiege \u2013 so schlafen auch Erwachsene wie ein Baby"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahrhunderten werden Babys durch rhythmische, schaukelnde Bewegungen beruhigt und meist dauert es nicht allzu lange, bis den Kleinen die Augen zufallen und sie einschlafen. Legt man sie dann auch noch in eine Wiege, schlummern sie selig weiter. Das leichte Schaukeln hat aber nicht nur auf Babys einen Einfluss. Bestes Beispiel sind H\u00e4ngematten oder auf den Wellen treibende Boote, auf denen man im Nu total entspannt und m\u00fcde wird.<\/p>\n<p>Forscher der <a href=\"https:\/\/www.unige.ch\/\">Universit\u00e4ten in Genf<\/a> (UNIGE) und <a href=\"http:\/\/www.unil.ch\">Lausanne<\/a> (UNIL) und der <a href=\"https:\/\/www.hug-ge.ch\/\">Universit\u00e4tskrankenh\u00e4user in Genf<\/a> (HUG) haben dieses Ph\u00e4nomen und die damit verbundenen Gehirnmechanismen in zwei Studien an jungen Erwachsenen und M\u00e4usen nun n\u00e4her untersucht. Ihre Ergebnisse, die in der Zeitschrift <em>Current Biology<\/em> ver\u00f6ffentlicht wurden, zeigen, dass langsame und wiederholte Bewegungen w\u00e4hrend der Nacht die Aktivit\u00e4t der Gehirnstr\u00f6me modulieren. Das leichte Schaukeln bewirkt also nicht nur einen tieferen Schlaf, sondern hilft auch, das Ged\u00e4chtnis zu st\u00e4rken, das sich in bestimmten Schlafphasen festigt.<\/p>\n<p>Wissenschaftler der Uni Genf hatten bereits in einer fr\u00fcheren Studie gezeigt, dass das Schwingen w\u00e4hrend eines 45-min\u00fctigen Nickerchens Menschen hilft, schneller einzuschlafen und tiefer zu schlafen. Wie sehen aber die Auswirkungen dieser langsamen Bewegung auf das Gehirn aus?<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Lit hamac\" width=\"1290\" height=\"968\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/hwNiGLOrUeE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>In der ersten Studie untersuchten die beiden Neurowissenschaftler Laurence Bayer und Sophie Schwartz mit Hilfe eines speziell konstruierten Betts im Schlaflabor des Universit\u00e4tsspitals Genf die Auswirkungen des kontinuierlichen Schaukelns auf den Schlaf und die ihn charakterisierenden Gehirnstr\u00f6me. In der Studie verbrachten 18 gesunde junge Erwachsene eine Nacht im HUG Schlafmedizinischen Zentrum, um polysomnographische Aufnahmen zu machen, bei denen mehrere physiologische Variablen aufgenommen wurden (Herzfrequenz, Atemfrequenz, Elektroenzephalogramm, etc.). Nachdem sie mit dieser ungew\u00f6hnlichen Umgebung vertraut waren, verbrachten sie weitere zwei N\u00e4chte im Schlafmedizinischen Zentrum, eine auf einem beweglichen Bett und die andere auf dem gleichen Bett, aber in einer ruhigen Position.<\/p>\n<p>\u201eEine gute Nachtruhe bedeutet, schnell einzuschlafen und die ganze Nacht durchzuschlafen&#8221;, sagt Laurence Bayer. \u201eWir haben jedoch beobachtet, dass unsere Teilnehmer, obwohl sie in beiden F\u00e4llen gut geschlafen haben, schneller eingeschlafen sind, wenn sie gewiegt wurden. Au\u00dferdem hatten sie l\u00e4ngere Tiefschlafphasen und weniger kurze Aufwachphasen, was h\u00e4ufig mit einer schlechten Schlafqualit\u00e4t verbunden ist.&#8221;<\/p>\n<h3>Wiegen synchronisiert Gehirnstr\u00f6me<\/h3>\n<p>Verantwortlich f\u00fcr die Verst\u00e4rkung des Tiefschlafes durch kontinuierliches Schaukeln ist eine Modulation der Gehirnwellenaktivit\u00e4t im Schlaf, die auch eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung des Schlafes, aber auch des Ged\u00e4chtnisses spielen. \u201eUm zu sehen, ob dieser Effekt auch das Ged\u00e4chtnis beeinflusst, haben wir unsere Teilnehmer Ged\u00e4chtnistests unterzogen: Sie mussten abends Wortpaare lernen und sich morgens beim Aufwachen daran erinnern&#8221;, erkl\u00e4rt Aurore Perrault, Forscherin an der Medizinischen Fakult\u00e4t der UNIGE. \u201eUnd auch hier erwies sich das Schaukeln als vorteilhaft: Die Testergebnisse waren nach einer Nacht in Bewegung viel besser als nach einer ruhigen Nacht!\u201d<\/p>\n<p>Die zweite Studie wurde in Lausanne an M\u00e4usen unter der Leitung von Paul Franken, Associate Professor am Institut f\u00fcr Biologie und Medizin der UNIL, durchgef\u00fchrt. Wie die Menschen schliefen auch die M\u00e4use, deren K\u00e4fige geschaukelt wurden, schneller ein unn schliefen l\u00e4nger. Im Gegensatz zu den menschlichen Probanden wurde die Schlafqualit\u00e4t derM\u00e4use aber nicht verbessert.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-164284\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/rat-3893554_1920-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" \/><\/p>\n<h3>Das vestibul\u00e4re System<\/h3>\n<p>Die in Lausanne durchgef\u00fchrte Studie zeigte einen weiteren Schl\u00fcsselfaktor f\u00fcr die Schlafqualit\u00e4t auf: das vestibul\u00e4re System. Dieses Gleichgewichtsorgan ist im Innenohr angesiedelt und steuert da Gleichgewicht und die r\u00e4umliche Orientierung. \u201eWir haben zwei Gruppen von M\u00e4usen dem gleichen Schaukeln ausgesetzt: eine Gruppe mit nicht funktionierenden Sinnesrezeptoren im Innenohr und ver\u00e4nderter vestibul\u00e4rer Funktion und eine Kontrollgruppe. Im Gegensatz zu den Kontrollm\u00e4usen profitierten die M\u00e4use der ersten Gruppe nicht von der Wirkung des Schaukelns im Schlaf&#8221;, sagt Konstantinos Kompotis, Forscher an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Biologie und Medizin der UNIL. \u201eDie vestibul\u00e4re sensorische Stimulation beim Schaukeln wirkt auf die neuronalen Netzwerke, die f\u00fcr die spezifischen Hirnschwingungen im Schlaf verantwortlich sind.\u201d<\/p>\n<p>In k\u00fcnftigen Forschungsprojekten wollen die Wissenschaftler nun die spezifischen Neuronen weiter beobachten und kontrollieren. \u201eWeitere Untersuchungen der Zusammenh\u00e4nge zwischen den beiden Systemen k\u00f6nnten es erm\u00f6glichen, neue Ans\u00e4tze zur Behandlung von Patienten mit Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen und \u00e4lteren Menschen, die oft an Schlaf- und Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen leiden, zu entwickeln&#8221;, so die Schweizer Wissenschaftler.<\/p>\n<p><em>Bilder: Pixabay<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahrhunderten werden Babys durch rhythmische, schaukelnde Bewegungen beruhigt und meist dauert es nicht allzu lange, bis den Kleinen die Augen zufallen und sie einschlafen. 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