{"id":164045,"date":"2019-01-23T12:25:24","date_gmt":"2019-01-23T11:25:24","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=164045"},"modified":"2019-01-23T12:25:24","modified_gmt":"2019-01-23T11:25:24","slug":"studien-zum-oekonomischen-verhalten-von-kindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/studien-zum-oekonomischen-verhalten-von-kindern\/","title":{"rendered":"Studien zum \u00f6konomischen Verhalten von Kindern"},"content":{"rendered":"<p>An der Universit\u00e4t Innsbruck forscht man an den \u00f6konomischen Pr\u00e4ferenzen von Kindern &#8211; und den Faktoren, die diese beeinflussen. Die Richtung ist noch neu in der Wirtschaftsforschung. Die Befunde sind weitreichend und k\u00f6nnen in verschiedenen Bereichen genutzt werden.<\/p>\n<p>Daniela Gl\u00e4tzle-R\u00fctzler von der Universit\u00e4t Innsbruck arbeitet am <em>Lehrstuhl f\u00fcr experimentelle Wirtschaftsforschung<\/em> am <em>Institut f\u00fcr Finanzwissenschaften<\/em> und forscht zum \u00f6konomischen Verhalten von Kindern. Unl\u00e4ngst ver\u00f6ffentlichte sie gemeinsam mit <em>Matthias Sutter<\/em> und <em>Claudia Zoller<\/em> einen \u00dcberblicksartikel \u00fcber den Forschungszweig, der in den vergangenen f\u00fcnfzehn Jahren aufgekommen ist. Zuvor waren alle g\u00e4ngigen \u00f6konomischen Theorien auf Erwachsene zugeschnitten.<\/p>\n<p>Studien zum \u00f6konomischen Verhalten von Kindern galten lange als Nische in der Wirtschaftsforschung. In der Zwischenzeit ist klar, dass diese Studien wichtig sind, um das Verhalten der Erwachsenen zu verstehen. Dar\u00fcberhinaus sollen diese eine Basis f\u00fcr politische Interventionen im Hinblick auf das \u00f6konomische Verhalten in Kindheit und Adoleszenz bereiten.<\/p>\n<h3><strong>\u00d6konomische Pr\u00e4ferenzen<\/strong><\/h3>\n<p>In ihren eigenen Forschungsprojekten untersucht Gl\u00e4tzle-R\u00fctzler die Entwicklung \u00f6konomischer Pr\u00e4ferenzen von Kindern, wie etwa <em>Geduld<\/em>, <em>Risiko-Einstellung<\/em>, <em>soziales Verhalten<\/em>, <em>Kooperation<\/em> und <em>Wettbewerbs-Verhalten<\/em>. \u201eWir versuchen zu verstehen, wie sich diese Eigenschaften mit dem Alter entwickeln, wodurch diese beeinflusst werden und welche Auswirkungen diese haben.\u201c Die Befunde sind weitreichend und in mehreren Bereichen anzuwenden \u2013 wie etwa in der Bildung. So wei\u00df man aus der Forschung, dass geduldigere Kinder einen h\u00f6heren Bildungsstatus erreichen und somit sp\u00e4ter h\u00f6here Geh\u00e4lter haben.<\/p>\n<p>Ihre Probanden sind im Kindergarten- und Schulalter. Die Kleinsten sind drei Jahre alt. In den Experimenten bekommen diese Aufgaben, die spielerisch zu bew\u00e4ltigen sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_164047\" aria-describedby=\"caption-attachment-164047\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-164047\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/kindergarten-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-164047\" class=\"wp-caption-text\">(c) Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<h3><strong>Wettbewerbs-Verhalten<\/strong><\/h3>\n<p>Wenn es um den Einfluss-Faktor <em>Wettbewerbs-Verhalten<\/em> geht, bekommen die Kinder zwanzig Schachteln, in denen unterschiedliche Dinge sind. Eines der Dinge soll aussortiert werden. F\u00fcr jede richtig gef\u00fcllte Schachtel bekommen die Kinder einen Spielchip, den sie sp\u00e4ter gegen S\u00fc\u00dfigkeiten eintauschen d\u00fcrfen. In einer abgewandelten Version dieser Aufgabe bekommt das Kind nur dann eine Belohnung, wenn es schneller ist, als ein zweites Kind. Daf\u00fcr lockt eine h\u00f6here Belohnung. F\u00fcr jede richtig gef\u00fcllte Schachtel gibt es zwei Spielchips. Die Kinder k\u00f6nnen zuvor entscheiden, welche Variante sie lieber spielen: Die sichere Version mit einer geringeren Belohnung oder die riskantere Version mit keiner oder einer h\u00f6heren Belohnung.<\/p>\n<p>Durchg\u00e4ngiger Befund dieses Experiments ist, dass Jungen ein h\u00f6heres Selbstbewusstsein haben als M\u00e4dchen und zur Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung neigen. M\u00e4dchen haben eine realistische Selbsteinsch\u00e4tzung \u2013 mit Ausnahme der kleinen M\u00e4dchen, die \u00fcber-selbstbewusst sind. Das \u00fcberh\u00f6hte Selbstbewusstsein der Jungen geht mit einer h\u00f6heren Risikobereitschaft einher und f\u00fchrt zu einem kompetitiveren Verhalten: Jungen entscheiden sich \u00f6fter f\u00fcr den riskanteren Wettbewerb als f\u00fcr die blo\u00dfe Ordnungsaufgabe mit der sicheren Belohnung. Dieser Geschlechtsunterschied ist nicht eindeutig zu erkl\u00e4ren, tritt aber schon bei Drei- bis F\u00fcnfj\u00e4hrigen auf, erkl\u00e4rt Gl\u00e4tzle-R\u00fctzler.<\/p>\n<p>Wie Gl\u00e4tzle-R\u00fctzler aus anderen Studien wei\u00df, ist dieser Geschlechtsunterschied haupts\u00e4chlich in entwickelten Gesellschaften zu beobachten. Au\u00dferdem ist dieser bei Kindern aus\u00a0 Bildungsschichten st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt, als in sozial weniger privilegierten Schichten. Die Gr\u00fcnde gilt es noch zu erforschen.<\/p>\n<h3><strong>Geduld <\/strong><\/h3>\n<p>Das Experiment zur Messung des Einfluss-Faktors <em>Geduld<\/em>, basiert auf einem Gespr\u00e4ch. Die Kinder m\u00fcssen entscheiden, ob sie lieber heute eine fixe Belohnung bekommen m\u00f6chten oder eine mit der Zeit gr\u00f6\u00dfer werdende Belohnung. Bei Kleineren besteht die Belohnung aus S\u00fc\u00dfigkeiten, bei Gr\u00f6\u00dferen aus Geld. Gl\u00e4tzle-R\u00fctzler: \u201eWir wissen aus Versuchen, dass die Geduld bis zum Alter von etwa zehn Jahren ansteigt. Mit zehn ist man etwa so geduldig wie ein Erwachsener.&#8221; Langzeitstudien haben zudem ergeben, dass es Zusammenh\u00e4nge zwischen Geduld und sp\u00e4terem beruflichen Erfolg gibt. Auch der Body-Mass-Index und das Suchtverhalten korrelieren mit Geduld.<\/p>\n<h3><strong>Soziale Pr\u00e4ferenzen<\/strong><\/h3>\n<p>Im Moment erforscht Gl\u00e4tzle-R\u00fctzler wie sich der Einfluss-Faktor <em>soziale Pr\u00e4ferenzen<\/em> auf das \u00f6konomische Verhalten von Kindern auswirkt. Eine Testvariante ist das <em>Diktatorspiel<\/em>, in dem Kinder entscheiden, ob und wenn ja, wie viel ihres Besitzes sie an ein anderes, unbekanntes Kind geben wollen. In einer Experiment-Variante stehen zwei m\u00f6gliche Verteilungen zur Wahl: Eine Verteilung, in der beide einen Spielchip bekommen und eine Verteilung, in der das entscheidende Kind einen Spielchip bekommt und das andere zwei. Letztere Verteilung ist effizienz-maximiert, weil die Belohnung gr\u00f6\u00dfer ist, auch wenn das entscheidende Kind weniger als das andere bekommt. Im Altersvergleich zeigt sich, dass kleine Kinder egozentrierter sind und nicht oder weniger gern teilen. Im Geschlechtervergleich erweisen sich M\u00e4dchen fairness-orientiert und Jungen effizienz-orientiert.<\/p>\n<h3><strong>Gro\u00dfes Forschungspotenzial<\/strong><\/h3>\n<p>\u201eWenn wir sehen, wie Kinder Entscheidungen treffen, hilft das auch, m\u00f6gliche Entwicklungen vorherzusehen und vielleicht gegenzusteuern\u201c, erkl\u00e4rt Gl\u00e4tzle-R\u00fctzler, die noch viel Forschungspotenzial ortet. So gibt es erst eine Studie, in der versucht wurde, Ungeduld zu senken \u2013 und auch weitere Zusammenh\u00e4nge zwischen den einzelnen Einfluss-Faktoren auf \u00f6konomische Entscheidungen von Kindern sind noch kaum untersucht.<\/p>\n<h3>Hier finden Sie den Link zum Artikel:<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/ac.els-cdn.com\/S001429211830165X\/1-s2.0-S001429211830165X-main.pdf?_tid=5079b655-dec9-406b-9ccf-878d3b348ff8&amp;acdnat=1548179611_b81bfbe7134ba270f7ac9255818d0974\">Gl\u00e4tzle-R\u00fctzler, D.\/Sutter, M.\/Zoller, C.<\/a> (2018): Economic behaviour of children and adolescents \u2013 a first survey of experimental economics results. In: European Economic Review. Elsevier B.V.<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/integration-autistischer-kinder-mit-assistiver-technologie\/\">Integration autistischer Kinder mit assistiver Technologie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Universit\u00e4t Innsbruck forscht man an den \u00f6konomischen Pr\u00e4ferenzen von Kindern &#8211; und den Faktoren, die diese beeinflussen. Die Richtung ist noch neu in der Wirtschaftsforschung. Die Befunde sind weitreichend und k\u00f6nnen in verschiedenen Bereichen genutzt werden. 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