{"id":163433,"date":"2019-01-14T07:00:52","date_gmt":"2019-01-14T06:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=163433"},"modified":"2019-01-14T07:00:52","modified_gmt":"2019-01-14T06:00:52","slug":"magnetospirillum-zur-mikrobe-des-jahres-2019-gekuert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/magnetospirillum-zur-mikrobe-des-jahres-2019-gekuert\/","title":{"rendered":"Magnetospirillum ist Mikrobe des Jahres 2019"},"content":{"rendered":"<p>Im ersten Augenblick mag es befremdlich erscheinen, dass sogar Mikroben eine Auszeichnung erhalten. Doch genau das ist das Ziel der Vereinigung f\u00fcr allgemeine und angewandte Mikrobiologie <a href=\"https:\/\/vaam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(VAAM)<\/a>: Sie m\u00f6chte in der \u00d6ffentlichkeit auf\u00a0 Mikroorganismen aufmerksam machen. Denn kaum einer wei\u00df, dass nicht jedes Bakterium krank macht. Einige von ihnen haben sogar eine besondere Bedeutung zum Beispiel f\u00fcr die \u00d6kologie, Medizin, Technik, Lebensmittelwirtschaft, Energiegewinnung, Geschichte oder Forschung inne. Um hier eine Bresche f\u00fcr ihr Forschungsfeld zu schlagen, k\u00fcrt eine Jury aus Mikrobiologen seit 2014 die Mikrobe des Jahres.<\/p>\n<h3>Besondere Merkmale<\/h3>\n<p>F\u00fcr 2019 wurde Magnetospirillum als Mikrobe des Jahres gew\u00e4hlt. Denn das magnetische Bakterium bietet f\u00fcr die Biotechnologie sowie Medizin faszinierende M\u00f6glichkeiten. Die winzig kleinen Magnete zeichnen sich durch eine einheitliche Gr\u00f6\u00dfe und Form sowie hohe Magnetisierung aus. Diese besonderen Merkmale werden von synthetischen Nanopartikeln derzeit noch nicht erreicht. Werden fremde Molek\u00fcle an die Magnetosomenpartikel gekoppelt, k\u00f6nnen diese ihnen zus\u00e4tzliche n\u00fctzliche Eigenschaften verleihen. Auch hat sich in Laborversuchen gezeigt, dass isoliertes\u00a0Magnetospirillum die Wirksamkeit kommerzieller magnetischer Kontrastmittel deutlich \u00fcbertrifft. Somit sind die Mikroben f\u00fcr die Magnetresonanztomographie (MRT) \u00e4u\u00dferst interessant. Auch eignen sie sich f\u00fcr Bildgebungsverfahren in der Forschung und medizinischen Diagnostik .<\/p>\n<h3>N\u00fctzliche Mikroroboter<\/h3>\n<p>Andere Forscher versuchen derzeit, die lebenden Magnetbakterien als Mikroroboter zu verwenden. Hierf\u00fcr beladen sie diese mit Medikamenten und bringen sie dann, magnetisch gesteuert, an den Wirkungsort im K\u00f6rper. Wenn ein starkes Magnetfeld angelegt wird, erzeugen die magnetischen Bakterien in Zellen oder Geweben W\u00e4rme. Mit dieser lie\u00dfen sich in Tierversuchen sogar Tumore verkleinern. Die Mikroorganismen k\u00f6nnen also ganz klar eine gro\u00dfe und positive Wirkung auf unser zuk\u00fcnftiges Leben haben.<\/p>\n<h3>Magnetospirillum wie Kompassnadel<\/h3>\n<p>Schon 1963 entdeckte der Italiener Salvatore Bellini erstmals das magnetische Bakterium. W\u00e4hrend er damals noch auf Unglauben stie\u00df, best\u00e4tige Richard Blakemore im Jahre 1975 mithilfe des Elektronenmikroskops die faszinierende Beobachtung. Die Mikroorganismen aus Schlammproben richten sich wie eine Kompassnadel im magnetischen Feld aus. Dabei transportieren spezielle Enzyme Eisenionen aus der Umgebung in die Bakterienzelle. So bilden sich Ketten aus 15 bis 30 Eisenoxid-Kristallen, die zusammen als Magnet wirken. Ein Zellskelett aus langen Proteinf\u00e4den\u00a0\u2013 das \u00e4hnlich aufgebaut ist wie unsere Muskeln \u2013, h\u00e4lt w\u00e4hrenddessen die Kristalle in der Zellmitte. Au\u00dferdem sortiert es diese bei der Zellteilung gleichm\u00e4\u00dfig. Per Sauerstoffsensor orientieren sich die Bakterien im Wasser: Sie suchen gezielt Schichten mit dem f\u00fcr sie geeigneten, geringen Sauerstoffgehalt auf. Dabei helfen ihnen die magnetischen Pole der Erde, sich in der richtigen Wassertiefe auszurichten. Dank der detaillierten Erkenntnisse zur Biosynthese und zur Funktion der Magnetosomen gilt Magnetospirillum mittlerweile als wichtiger Modellorganismus f\u00fcr die Bildung bakterieller Organellen.<\/p>\n<h3>Schauspiel unter Mikroskop<\/h3>\n<p>Anfang der 90er stie\u00df Prof. Dr. Dirk Sch\u00fcler von der <a href=\"https:\/\/www.uni-bayreuth.de\/de\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Universit\u00e4t Bayreuth<\/a> auf das Bakterium \u201eMagnetospirillum gryphiswaldense\u201c. Neben dem wissenschaftlichen Hintergrund, l\u00e4sst sich sogar der Professor immer noch davon begeistern, die Magnetospirillen unter dem Mikroskop magnetisch einheitlich ausgerichtet umherflitzen zu sehen. Deshalb hat er f\u00fcr private Forscher einen Tipp parat: \u201eMit einem Phasenkontrastmikroskop, das wenigstens 100fach, besser 400fach vergr\u00f6\u00dfert, betrachtet man den Rand eines Schlammtropfens [zum Beispiel aus dem Gartenteich], an den man einen kleinen Stabmagneten h\u00e4lt.\u201c, so der Wissenschaftler, \u201eMagnetbakterien schwimmen hartn\u00e4ckig in eine Richtung und sammeln sich am Tropfenrand des magnetischen S\u00fcdpols. Dreht man den Magneten um, wenden auch die Bakterien.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Bild oben:\u00a0Magnetospirillum gryphiswaldense in Teilung mit Magnetitkristallen (rot) und dem speziellen Cytoskelett (gr\u00fcn). \u00a9 M. Toro-Nahulepan\/ J. Plitzko<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im ersten Augenblick mag es befremdlich erscheinen, dass sogar Mikroben eine Auszeichnung erhalten. 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