{"id":163133,"date":"2019-01-10T07:00:14","date_gmt":"2019-01-10T06:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=163133"},"modified":"2019-01-10T07:00:14","modified_gmt":"2019-01-10T06:00:14","slug":"statt-chemie-biologischer-pflanzenschutz-fuer-meeresalgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/statt-chemie-biologischer-pflanzenschutz-fuer-meeresalgen\/","title":{"rendered":"Statt Chemie: Biologischer Pflanzenschutz f\u00fcr Meeresalgen"},"content":{"rendered":"<p>Algen sind gesund \u2013 zumindest in Ma\u00dfen. Und dank ihrer vielf\u00e4ltigen Eigenschaften werden sie manchmal sogar als Rohstoff des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Immerhin stammt jedes zweite Sauerstoffmolek\u00fcl das wir zum Atmen brauchen aus der Photosynthese der Algen. Algen k\u00f6nnten also als Klimaretter dienen. Au\u00dferdem wird \u00fcber ihre Nutzungsm\u00f6glichkeiten als Energiequelle sowie Kl\u00e4ranlage geforscht. Zuguterletzt werden Algen in der Medizin, Kosmetikindustrie sowie als Nahrungserg\u00e4nzungsmittel eingesetzt. Grund genug also, die Algenzucht weltweit zu intensivieren &#8211; aber auch \u00fcber sie zu forschen.<\/p>\n<h3>Anbau von Monokulturen birgt Risiko<\/h3>\n<p>\u00c4hnlich wie Landpflanzen sind auch Meeresalgen anf\u00e4llig f\u00fcr Krankheiten und Parasiten. Somit birgt der Anbau von Pflanzen in Monokulturen ein erh\u00f6htes Risiko. Allein durch diverse Aufwuchsorganismen \u2013 beispielsweise Seepocken oder epiphytische Algen \u2013 ist der Seetang bedroht. Denn diese besiedeln die Oberfl\u00e4chen der Tange, vermindern dadurch ihr Wachstum und somit ihren Marktwert. So hat die j\u00fcngste Intensivierung des Algenanbaus in gr\u00f6\u00dferen Monokulturen schon zu einigen katastrophalen Krankheitsausbr\u00fcchen und hohen wirtschaftlichen Verlusten gef\u00fchrt. Um die Algen zu sch\u00fctzen m\u00fcssen also wirksame Gegenma\u00dfnahmen entwickelt werden.<\/p>\n<p>Doch die Anwendung von Bioziden, wie in der Landwirtschaft \u00fcblich, ist f\u00fcr Algenkulturen kaum geeignet. Denn die Wirkstoffe werden zu schnell durch Wellen und Str\u00f6mungen im Meer verd\u00fcnnt. Das macht den Einsatz solch giftiger Verbindungen einerseits unwirtschaftlich, zugleich gef\u00e4hrdet er die K\u00fcstenumwelt.<\/p>\n<h3>Aktivierung der nat\u00fcrlichen Eigenabwehr<\/h3>\n<p>Wissenschaftlern des GEOMAR Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Ozeanforschung Kiel in Kooperation mit ihren Kollegen von der Ocean University of China in Qingdao gelang es nun erstmals, den Seetang ohne Chemie wirksam vor bestimmten Krankheitserregern zu sch\u00fctzen. Geforscht wurde an der Saccharina-Aquakultur: Und zwar in China \u2013 das \u00fcbrigens traditionell als gr\u00f6\u00dfter Produzent von Lebensmittelalgen gilt \u2013, an den Braunalgen der Art \u201eSaccharina japonica\u201c. In Deutschland untersuchten die Forscher den in Europa heimischen Zuckertang \u201eSaccharina latissima\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_163137\" aria-describedby=\"caption-attachment-163137\" style=\"width: 369px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-163137\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Algen_an_Seil-600x514.jpg\" alt=\"Algenanbau\" width=\"369\" height=\"316\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-163137\" class=\"wp-caption-text\">Algenernte auf einer Algenfarm in Rongcheng (China) \u00a9 Florian Weinberger\/GEOMAR<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die deutsch-chinesischen Wissenschaftler testeten dabei in Feldversuchen auf kommerziellen Algenfarmen die gezielte Aktivierung der nat\u00fcrlichen Eigenabwehr von Seetang. Hierf\u00fcr behandelten sie die Algen in verschiedenen Zeitintervallen mit einem speziellen Saccharid (Oligoalginat), das einen Hauptbestandteil der Trockenmasse von Saccharina und verwandter Algen bildet. Unter nat\u00fcrlichen Bedingungen wird dieses ungiftige Saccharid bei Angriffen von Krankheitserregern aus dem befallenen Algengewebe freigesetzt und dann von benachbarten, gesunden Algenzellen mit gro\u00dfer Empfindlichkeit erkannt. Diese Erkennung l\u00f6st dann sofort \u2013 innerhalb von Minuten \u2013 Abwehrreaktionen aus.<\/p>\n<p>Die Forscherteams simulierten durch w\u00f6chentliche Kurzzeit-Behandlungen der Algen mit Seewasser, welches k\u00fcnstlich gewonnenes Oligoalginat enthielt, Angriffe von Krankheitserregern. Sowohl bei der deutschen als auch bei der chinesischen Algenart konnten sie positive Effekte erzielen. Ihr Ergebnis: Der Verlust von Algenkeimlingen war messbar geringer, der Befall erntereifer Saccharina mit parasitischen Mikroalgen ging deutlich zur\u00fcck und auch die Dichte von Bakterien auf der Algenoberfl\u00e4che war reduziert.<\/p>\n<h3>Zunahme von Aufwuchsorganismen als unerw\u00fcnschter Nebeneffekt<\/h3>\n<p>Doch kam es gleichzeitig zu einer Zunahme des Befalls der Algen mit Seepocken und anderen Aufwuchsorganismen. Wie der Leiter des Projektes, Dr. Florian Weinberger vom GEOMAR, erkl\u00e4rte, steht dieser unerw\u00fcnschte Nebeneffekt wahrscheinlich direkt mit der Reduktion des bakteriellen Bewuchses auf der Algenoberfl\u00e4che in Zusammenhang: Die Besiedlung von Algen und anderen lebenden und nichtlebenden Oberfl\u00e4chen im Meer durch Aufwuchsorganismen wird ma\u00dfgeblich durch Bakterien beeinflusst, von denen einige Abwehrstoffe gegen Larven und Algensporen produzieren. \u201eWenn es uns eines Tages, gelingt Signalstoffe zu finden, die selektivere Abwehrreaktionen in den Algen ausl\u00f6sen, so dass nicht alle, sondern nur die unerw\u00fcnschten Mikroorganismen eliminiert werden, kann die Methode noch deutlich hilfreicher sein. Aber schon heute l\u00e4sst sie es zu, Verluste von Keimlingen zu reduzieren. Bei diesen spielt Aufwuchs n\u00e4mlich noch keine Rolle,\u201c so Dr. Weinberger.<\/p>\n<p>Die Studie wurde vom deutschen Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) gef\u00f6rdert und mit den Partnerunternehmen Coastal Research and Management in Kiel und Weihai Changqing Ocean Science &amp; Technology Co. Ltd. in Rongcheng durchgef\u00fchrt. Die Ergebnisse der Studie, die \u00fcbrigens vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung Kiel koordiniert wurde, sind jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Journal of Applied Phycology erschienen.<\/p>\n<p><em>Foto oben: Algenfarm in Rongcheng (China) \u00a9\u00a0Florian Weinberger\/GEOMAR<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Algen sind gesund \u2013 zumindest in Ma\u00dfen. Und dank ihrer vielf\u00e4ltigen Eigenschaften werden sie manchmal sogar als Rohstoff des 21. Jahrhunderts bezeichnet. 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