{"id":160922,"date":"2018-12-12T18:50:03","date_gmt":"2018-12-12T17:50:03","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=160922"},"modified":"2018-12-12T18:50:03","modified_gmt":"2018-12-12T17:50:03","slug":"kultiviertes-fleisch-laborfleisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/kultiviertes-fleisch-laborfleisch\/","title":{"rendered":"Warum essen wir noch kein kultiviertes Fleisch?"},"content":{"rendered":"<p>Mit einer Stammzelle einer Kuh k\u00f6nnte man Tausende Kilos Fleisch z\u00fcchten. Theoretisch ist es sogar m\u00f6glich, in 25.000-Liter-Bioreaktoren gen\u00fcgend Fleisch z\u00fcchten, um Zehntausende Menschen ein Jahr lang zu ern\u00e4hren. Warum geschieht das also noch nicht?<\/p>\n<p>Im Jahr 2013 wurde in London der erste Burger mit kultiviertem Fleisch vorgestellt. Mark Post von der Universit\u00e4t Maastricht baute den Burger mit der finanziellen Unterst\u00fctzung von Google-Gr\u00fcnder Sergey Brin an. Das Fleischst\u00fcck kostete mehr als 250.000 Euro. Heute, etwa f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter, ist der Preis bereits ziemlich stark gefallen: \u201eF\u00fcr ein Kilo sauberes Fleisch w\u00fcrde man rund 60 Euro bezahlen&#8221;, sagt Post auf dem vierten internationalen Kongress f\u00fcr kultiviertes Fleisch in Maastricht. Hier treffen sich Wissenschaftler, Investoren, Unternehmer und Interessengruppen, um die neuesten Entwicklungen in Forschung und Regulierung zu diskutieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_160844\" aria-describedby=\"caption-attachment-160844\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-160844 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/09labpost-600x400.jpg\" alt=\"Mark Post Universit\u00e4t Maastricht\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-160844\" class=\"wp-caption-text\">Mark Post im Labor in Maastricht. (C) Universit\u00e4t Maastricht<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Grund, wieso wir nicht gro\u00dfteils auf Fleisch aus dem Labor umgestellt haben, liegt nicht nur an den Kosten. Um das Fleisch im industriellen Ma\u00dfstab z\u00fcchten zu k\u00f6nnen, ist es notwendig, das derzeit verwendete fetale Rinderserum (FBS) loszuwerden. Dieses Serum, das Blut von ungeborenen K\u00e4lbern enth\u00e4lt, enth\u00e4lt viele verschiedene Arten an Proteinen, die die Vermehrung von Stammzellen anregen. Auf diese Weise \u201ew\u00e4chst&#8221; das Fleisch. Aber die Verwendung von fetalem Rinderserum ist umstritten, weshalb Wissenschaftler nach Alternativen suchen, um die Proteine aus anderen Quellen zu finden. Beispiele gibt es bereits \u2013 die Fermentation von Mikroben oder Pilzextrakte. Es ist auch m\u00f6glich, Bakterien genetisch zu manipulieren, um Proteine zu produzieren. \u201eFBS ist nicht tierfreundlich und es gibt nicht genug davon, um Fleisch in gro\u00dfem Umfang zu z\u00fcchten, vor allem, wenn die Zahl der Tiere abnimmt, wenn wir mehr auf kultiviertes Fleisch umsteigen. Wir haben Alternativen, aber sie m\u00fcssen auch in gro\u00dfem Ma\u00dfstab anwendbar sein. Das ist im Moment die gro\u00dfe Herausforderung&#8221;, sagt Post.<\/p>\n<h4>Laborfleisch<\/h4>\n<p>Eine weitere Herausforderung ist, ob die Verbraucher Fleisch aus einem Labor akzeptieren. \u201eEs sieht so aus, als w\u00fcrden sie ihre Meinung t\u00e4glich wechseln&#8221;, scherzt Chris Bryant von der University of Bath in England, wo er an der Erforschung der Verbraucherakzeptanz von kultiviertem Fleisch arbeitet. \u201eDie Ergebnisse weltweiter Forschung variiert immer wieder. In einer Studie sind Frauen nicht bereit, es zu versuchen, w\u00e4hrend eine andere zeigt, dass M\u00e4nner kein kultiviertes Fleisch essen wollen.&#8221; Der Wissenschaftler hat keine Antwort darauf, warum das so ist. Bryant deutet an, dass sich Menschen desto schneller an die Idee gew\u00f6hnen, es zu essen, je sie \u00fcber kultiviertes Fleisch und die Idee, die dahintersteckt, wissen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_160845\" aria-describedby=\"caption-attachment-160845\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-160845 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181204_094714-600x292.jpg\" alt=\"Cultured beef conference Chris Bryant\" width=\"600\" height=\"292\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-160845\" class=\"wp-caption-text\">Konferenz f\u00fcr Kulturrindfleisch, Chris Bryant erz\u00e4hlt \u00fcber die Akzeptanz beim Verbraucher<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eMenschen, die nichts dar\u00fcber wissen, neigen dazu zu sagen, dass es unnat\u00fcrliches, genetisch modifiziertes Fleisch ist, weil es aus einem Labor kommt. W\u00e4hrend Menschen mit mehr Wissen \u00fcber kultiviertes Fleisch sagen, dass es tierfreundlich und klimaschonend ist, und sie es als eine m\u00f6gliche L\u00f6sung f\u00fcr das Ern\u00e4hrungsproblem betrachten und es daher essen w\u00fcrden. Ich denke, das ist gut so; es gibt immer mehr Informationen \u00fcber dieses Fleisch, so dass die Verbraucher es weniger als ein be\u00e4ngstigendes Science-Fiction-Produkt sehen. Es wird eine Zeit geben, in der Kinder eine Kuh sehen und fragen werden: Hatten wir in der Vergangenheit wirklich K\u00fche f\u00fcr Fleisch?&#8221;<\/p>\n<h4>Regulierungen<\/h4>\n<p>Das wird aber noch einige Zeit dauern, denn es gibt noch keine Gesetzgebung f\u00fcr kultiviertes Fleisch. Es ist Teil eines neuen Produkts und muss alle Arten von Anforderungen erf\u00fcllen. Nach europ\u00e4ischer Gesetzgebung dauert das etwa neun bis 24 Monate. \u201eEs muss eine Datei erstellt werden, in der die Lebensmittelhersteller nachweisen, dass das Produkt sicher ist. Es darf die Verbraucher nicht irref\u00fchren und muss die gleichen N\u00e4hrstoffe enthalten wie das Originalprodukt &#8211; in diesem Fall Fleisch&#8221;, sagt Karin Verzijden. Verzijden ist Rechtsanw\u00e4ltin und spezialisiert auf die Regulierung in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie. Sie empfiehlt, dass Produzenten oder Entwickler von kultiviertem Fleisch fr\u00fchzeitig mit der Politik sprechen. Auch Elizabeth Derbes vom <a href=\"https:\/\/www.gfi.org\/\">Good Food Institute<\/a> ist dabei: \u201eMachen Sie [den Politikern] klar, was die Risiken sein k\u00f6nnen und sagen Sie ihnen, wie sie diese l\u00f6sen k\u00f6nnen, wenn etwas schief geht.&#8221;<\/p>\n<p>Laut Post ist das schwierig: \u201eDie EU ist derzeit sehr vorsichtig. Sie haben Angst, irgendwelche Aussagen zu machen. Vielleicht wollen sie das Biokraftstoff-Szenario nicht wiederholen, bei dem sie zu schnell eine Entscheidung getroffen haben. Gerade bei gentechnisch ver\u00e4nderten L\u00f6sungen (z.B. f\u00fcr FBS) sind sie sehr zur\u00fcckhaltend. Nat\u00fcrlich hilft das bei der Entwicklung nicht.&#8221; Aber er bleibt positiv: \u201eIch sehe, dass sich diese vorsichtige Haltung immer mehr \u00e4ndert. Kultiviertes Fleisch wird nicht sofort das traditionelle Fleisch in unseren Gerichten ersetzen, es wird zuerst zu einem Luxusprodukt, das sich zu einem Produkt f\u00fcr jedermann entwickelt.&#8221;<\/p>\n<p><em>Photo: David Parry\/PA<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einer Stammzelle einer Kuh k\u00f6nnte man Tausende Kilos Fleisch z\u00fcchten. Theoretisch ist es sogar m\u00f6glich, in 25.000-Liter-Bioreaktoren gen\u00fcgend Fleisch z\u00fcchten, um Zehntausende Menschen ein Jahr lang zu ern\u00e4hren. Warum geschieht das also noch nicht? Im Jahr 2013 wurde in London der erste Burger mit kultiviertem Fleisch vorgestellt. 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