{"id":160555,"date":"2018-12-09T11:09:19","date_gmt":"2018-12-09T10:09:19","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=160555"},"modified":"2018-12-09T11:09:19","modified_gmt":"2018-12-09T10:09:19","slug":"industrie-4-0-was-passiert-mit-den-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/industrie-4-0-was-passiert-mit-den-menschen\/","title":{"rendered":"Industrie 4.0 \u2013 Was passiert mit den Menschen?"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Industrie_4.0\">Industrie 4.0<\/a> ver\u00e4ndert schon heute nicht nur die industrielle Produktion, sondern auch die Arbeitswelt. Digitalisierung, der wachsende Einsatz von lernf\u00e4higen Robotern und Systemen zur Steuerung von Produktion und Logistik lassen herk\u00f6mmliche Berufsprofile veralten und neue entstehen. Allerdings fehlen immer noch Diagnoseinstrumente, um den sich vollziehenden Wandel genau zu beschreiben und Anregungen zum konkreten Handeln zu formulieren.<\/p>\n<h4>Fr\u00fchzeitige Weiterbildung erh\u00e4lt Arbeitspl\u00e4tze<\/h4>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/wgp.de\/de\/ueber-uns\/\">Wissenschaftliche Gesellschaft f\u00fcr Produktionstechnik (WGP)<\/a> will das \u00e4ndern. Die WGP ist ein bundesweiter Zusammenschluss deutscher Professoren der Produktionstechnik. In ihrem j\u00fcngst vorgestellten Strategiepapier <a href=\"https:\/\/wgp.de\/wp-content\/uploads\/FINAL_WGP_Standpunkt_2025.pdf\">\u201eIndustriearbeitsplatz 2025\u201c<\/a> stellt sie ein Analysemodell vor, das die verschiedenen Automatisierungsstufen untersucht und aufzeigt, wo Handlungsbedarf besteht. \u201eWir wollen als Zusammenschluss deutscher Professoren der Produktionstechnik unser Know-how einbringen, um diese Umw\u00e4lzungen m\u00f6glichst menschengerecht zu gestalten\u201c, sagt Prof. Berend Denkena, Pr\u00e4sident der WGP und Leiter des Instituts f\u00fcr Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen IFW der Universit\u00e4t Hannover.<\/p>\n<p>Ziel ist dabei, die Mitarbeiter eines Unternehmens m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig durch Weiterbildung auf die Neuerungen vorzubereiten. \u201eUnternehmen k\u00f6nnen dieses Modell nutzen, um den Automatisierungsgrad ihrer unterschiedlichen Produktionsprozesse zu bestimmen und daraus abzuleiten, wo Handlungsbedarfe bestehen\u201c, erg\u00e4nzt Prof. Peter Groche, Initiator des WGP-Standpunktpapiers und Leiter des Instituts f\u00fcr Produktionstechnik und Umformmaschinen (PtU) der TU Darmstadt. Au\u00dferdem erlauben die mit diesem Modell durchgef\u00fchrten Analysen R\u00fcckschl\u00fcsse darauf, was sich in Bildungseinrichtungen und Ausbildungsg\u00e4ngen \u00e4ndern muss.<\/p>\n<h4>F\u00fcnf Stufen zur Industrie 4.0<\/h4>\n<p>F\u00fcr ihr Analysemodell haben die Wissenschaftler das Stufenmodell f\u00fcr das Autonome Fahren als Vorlage genutzt. Dabei beschreiben die einzelnen Stufen jeweils den Grad der Automatisierung, also den Entwicklungsstand auf dem Weg zur voll ausgereiften Industrie 4.0. Untersucht werden dabei die Material- und Informationsflu\u0308sse, der Anlagenzustand und die jeweiligen Produktionsprozesse.<\/p>\n<p>Bei Stufe 0 hat die Produktionsanlage keine Verbindung zu anderen Systemen. Die Bediener sorgen f\u00fcr den Zufluss und Abtransport von Material sowie f\u00fcr den Informationsfluss ins \u00fcbergeordnete Produktionssystem. Auf Stufe 1 ist die Anlage dann bereits mit einem \u00fcbergeordneten Steuerungssystem verbunden. Fl\u00fcsse von Material und Informationen in andere Systeme werden aber weiterhin von den Bedienern \u00fcbernommen. In Stufe 3 ist die Produktionsanlage direkt mit anderen Systemen verbunden. Der Weg, den die einzelnen Werkst\u00fccke durch die Anlage nehmen, wird durch Sensoren in Echtzeit verfolgt. Dasselbe gilt f\u00fcr den Materialfluss von und zu anderen Anlagen. Verz\u00f6gerungen fliessen sofort in die Planung ein.<\/p>\n<p>Auf Stufe 4 ist der Vernetzungsgrad der Produktionsanlage noch h\u00f6her. Teilweise kann sie mit den Bedienern und anderen Systemen autonom interagieren. Nun geh\u00f6ren auch mit Menschen kooperierende und lernende Roboter dazu. Stufe 5 schlie\u00dflich beschreibt eine Anlage, die selbst lernt und mit den Produktions- und Informationssystemen innerhalb und au\u00dferhalb der Fabrik sowie mit dem Bedienpersonal interagiert. Sie w\u00e4re die Endstufe der Automatisierung und Digitalisierung.<\/p>\n<h4>Fazit: Ohne Menschen l\u00e4uft es nicht<\/h4>\n<p>Allerdings sind auch auf dieser h\u00f6chsten Entwicklungsstufe weiterhin Menschen gefragt. Zwar werden auch viele qualifizierte T\u00e4tigkeiten von Maschinen und selbstlernenden Computersystemen \u00fcbernommen. \u201eAuch selbstlernende Produktionssysteme m\u00fcssen von Facharbeiterinnen und Facharbeitern zum Lernen angeleitet werden\u201c, erl\u00e4utert Prof. Bernd-Arno Behrens, Leiter des Instituts f\u00fcr Umformtechnik und Umformmaschinen (IFUM) der Leibniz Universit\u00e4t Hannover, sicher. \u201eUnd autonome Teilsysteme einer Produktionsanlage m\u00fcssen \u00fcberwacht und instand gehalten werden.\u201c Zudem entst\u00fcnden neue Gesch\u00e4ftsmodelle, die auf datengest\u00fctzten Dienstleistungen beruhen und somit auch neue Berufsprofile.<\/p>\n<p>Die Industrie 4.0 k\u00f6nnte bewirken, dass sich auch einfache T\u00e4tigkeiten hierzulande wieder lohnen. \u201eEs kann einen nicht zu untersch\u00e4tzenden unternehmerischen Vorteil bedeuten, die gesamte Prozesskette an einem Standort \u00fcberblicken zu k\u00f6nnen\u201c, so Behrens weiter. Bislang hat die heimische Industrie nur die hochwertigen Jobs im Land behalten und viele andere Produktionsschritte an billigere Standorte verlagert.<\/p>\n<blockquote><p>Die Industrie 4.0 k\u00f6nnte bewirken, dass sich auch einfache T\u00e4tigkeiten hierzulande wieder lohnen<\/p><\/blockquote>\n<p>Ob die Industrie 4.0 tats\u00e4chlich mehr Jobs schafft als sie verschwinden l\u00e4sst, bleibt jedoch abzuwarten. Aber das WGP-Analysemodell kann Unternehmen helfen, zu erkennen, in welchen Bereichen sie ihre Mitarbeiter weiter qualifizieren m\u00fcssen und so Besch\u00e4ftigung erhalten. Das w\u00fcrde sich positiv auf den Standortvorteil deutscher Unternehmen auswirken. Sie k\u00f6nnen nach wie vor im globalen Vergleich mit der hohen Kompetenz ihrer Mitarbeiter punkten.<\/p>\n<h4>Wirkung der Digitalisierung abh\u00e4ngig vom wirtschaftlichen Umfeld<\/h4>\n<p>Experten sind sich uneinig \u00fcber die langfristigen Folgen der Digitalisierung und der Einf\u00fchrung intelligenter Maschinen f\u00fcr den Arbeitsmarkt. W\u00e4hrend die WGP-Wissenschaftler eher optimistisch sind, sehen andere negative Folgen voraus. Bitkom, der Interessenverband der deutschen IT- und Telekommunikationsbranche, warnte im Fr\u00fchjahr, dass bis 2022 in Deutschland <a href=\"https:\/\/www.bitkom.org\/Presse\/Presseinformation\/34-Millionen-Job-stehen-auf-dem-Spiel.html\">bis zu drei Millionen Arbeitspl\u00e4tze<\/a> wegfallen w\u00fcrden. Und in einer Studie von 2013 zeichnen die in Oxford lehrenden Wissenschaftler Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne ein noch d\u00fcsteres Bild. Danach st\u00fcnden allein in den USA 47 Prozent aller Jobs zur Disposition. Die beiden berufen sich dabei auf Erkenntnisse zu den Folgen von Automation und Technisierung. Wobei heute nicht mehr nur manuelle Jobs, sondern auch geistige T\u00e4tigkeiten durch Maschinen \u00fcbernommen werden. Au\u00dferdem d\u00fcrfte sich die Qualifikation von Menschen zuk\u00fcnftig daran bemessen, wie gut sie mit intelligenten Maschinen zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich sind auch die WGP-Experten der Meinung, dass diese F\u00e4higkeit gro\u00dfe Bedeutung bekommen wird. Au\u00dferdem l\u00e4sst das vielbeschworene Ende der Arbeit auf sich warten. Eine <a href=\"http:\/\/ftp.zew.de\/pub\/zew-docs\/gutachten\/DigitalisierungundZukunftderArbeit2018.pdf\">Studie<\/a> des Mannheimer Zentrums f\u00fcr Europ\u00e4ische Wirtschaftsforschung (ZEW) zieht eine positive Jobbilanz. Zwar haben Modernisierungen in der Produktion in f\u00fcnf Jahren rund f\u00fcnf Prozent der Besch\u00e4ftigten ersetzt, aber die Unternehmen auch produktiver gemacht. Sie produzierten nun g\u00fcnstiger und in gr\u00f6\u00dferen Mengen \u2013 stellten an anderen Stellen wieder Personal ein. Au\u00dferdem strahlte diese Entwicklung auf andere Bereiche der Wirtschaft aus, wo dann wiederum Arbeitspl\u00e4tze entstanden sind. Am Ende hat die Digitalisierung zwischen 2011 und 2016 dann dazu gef\u00fchrt, dass die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze um ein Prozent gewachsen ist.<\/p>\n<p>Allerdings funktioniert das nur in einem positiven wirtschaftlichen Umfeld. In einem Umfeld, das durch Stagnation und Handelskonflikte gepr\u00e4gt ist, d\u00fcrfte die Wirkung der Digitalisierung eine andere sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Industrie 4.0 ver\u00e4ndert schon heute nicht nur die industrielle Produktion, sondern auch die Arbeitswelt. Digitalisierung, der wachsende Einsatz von lernf\u00e4higen Robotern und Systemen zur Steuerung von Produktion und Logistik lassen herk\u00f6mmliche Berufsprofile veralten und neue entstehen. 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