{"id":160477,"date":"2018-12-08T06:35:05","date_gmt":"2018-12-08T05:35:05","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=160477"},"modified":"2018-12-08T06:35:05","modified_gmt":"2018-12-08T05:35:05","slug":"verunreinigung-der-ozeane-die-welt-wacht-auf-hoffentlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/verunreinigung-der-ozeane-die-welt-wacht-auf-hoffentlich\/","title":{"rendered":"Verunreinigung der Ozeane: Die Welt wacht auf \u2013 hoffentlich!"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahre 2018 gab es laut Dr.-Ing. S\u00f6ren Gutekunst, Wissenschaftler am Geomar Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung Kiel, kaum eine Woche, in der er nicht in den Nachrichten etwas \u00fcber das Thema Mikroplastik in den Ozeanen h\u00f6rte. Und das ist auch gut so. Gleichzeitig hofft der Chemiker, dass die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit nicht allein auf das recht einfach nachvollziehbare Thema Mikroplastik beschr\u00e4nkt bleibt, sondern Problematiken wie die Erderw\u00e4rmung, mit den daraus resultierenden extremen Wetterbedingungen, und die \u201eOcean Acidification\u201c (Ozean Versauerung) nicht in Vergessenheit geraten. Auch w\u00fcrde sich der Wissenschaftler w\u00fcnschen, dass die weiteren Folgen, die wom\u00f6glich vom Mikroplastik ausgehen k\u00f6nnten \u2013 man denke nur an die Weichmacher &#8211; ebenfalls wieder in den Fokus zuk\u00fcnftiger Aufmerksamkeit treten.<\/p>\n<p>Gutekunst geh\u00f6rt zu einem Team an Wissenschaftlern, das durch seine Aktivit\u00e4ten das Bewusstsein f\u00fcr die Meeresverschmutzung in diesem Jahr noch versch\u00e4rft hat \u2012 nicht zuletzt durch die stete Medienpr\u00e4senz w\u00e4hrend des legend\u00e4ren Volvo Ocean Race (VOR) 2017\/2018. Neben der h\u00e4rtesten Regatta der Welt, bei der sieben Hochleistungsyachten \u00fcber acht Monate hinweg etwa 45.000 Seemeilen rund um den Globus segelten \u2013 Sieger wurde das Team Dongfeng \u2013 stand das Rennen auch im Zeichen der Wissenschaft. Und zwar, um ozeanografische Daten \u00fcber die gel\u00f6ste Kohlenstoffdioxid-Konzentration, die Meeresoberfl\u00e4chentemperatur und den Meeressalzgehalt, Chlorophyll a und die Ozeanversauerung zu erhalten. Des Weiteren wurden filtrierte Wasserproben f\u00fcr Mikroplastikmessungen erhoben, meteorologische Daten gemessen und insgesamt 30 Treib-Bojen f\u00fcr Forschungszwecke ausgesetzt, die \u00fcber zwei Jahre hinweg die Meerestemperaturen und -str\u00f6mungen messen sollen.<\/p>\n<p>So entnahm Teammitglied Liz Wardley von der zu Beginn der Regatta mit Sensoren ausgestatteten Yacht \u201eTurn the Tide on Plastic\u201c im Laufe des gesamten Rennens 75 Wasserproben an unterschiedlichsten Orten. Hinzu kamen noch 11 Proben vom Team AkzoNobel, die sp\u00e4ter alle am Geomar Helmholtz-Zentrum analysiert wurden. Das erschreckende Ergebnis: Sogar am entlegensten Punkt der Erde, dem sogenannten Point Nemo (45\u00b052.6S, 123\u00b023.6W) war Mikroplastik im Meer zu finden. Die gr\u00f6\u00dften Mengen davon wurden mit 349 Partikeln pro Kubikmeter im S\u00fcdchinesischen Meer gemessen, den zweiten Platz des Negativrekords belegt die Stra\u00dfe von<br \/>\nGibraltar mit 307 Partikeln per Kubikmeter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_160496\" aria-describedby=\"caption-attachment-160496\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-160496\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/2.-GEOMAR_Gutekunst_Tanhua_MP_world_11_wAN-@Dr.-S\u00f6ren-Gutekusnt-600x450.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-160496\" class=\"wp-caption-text\">Erschreckend: Die Ergebnisse aller gesammelten Wasserproben mit Mikroplastik auf einen Blick. Darstellung: Dr. S\u00f6ren Gutekunst<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Daten des Races geben auch Informationen zur Klimaver\u00e4nderung Erste Zahlen gaben die Wissenschaftler schon kurz nach dem Rennen bekannt. Doch mittlerweile wurden die Daten weiter verifiziert und um die letzten Etappen, inkl. 24\/7 Messungen w\u00e4hrend der Yacht-R\u00fcckf\u00fchrung von Den Haag nach Lissabon, erweitert. Anhand der ausgesetzten Treib-Bojen kann \u00fcbrigens jetzt noch die Str\u00f6mungsrichtung der Mikropartikel verfolgt werden. Weniger bekannt ist, dass die ozeanografischen Daten, die w\u00e4hrend des Rennens gesammelt wurden, unter anderem Auskunft \u00fcber den aktuellen Stand sowie zuk\u00fcnftige Klimaver\u00e4nderungen geben k\u00f6nnen. Und schlie\u00dflich dienen die f\u00fcr die World Meteorological Organisation gesammelten Messwerte dazu, unser Wetter und Klima besser einsch\u00e4tzen und vorhersagen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ende November wurde eine Zusammenfassung des VOR-Wissenschaftsprogramms mit seiner einzigartigen und umfangreichen Datensammlung w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/micro2018.sciencesconf.org\/\">Mikro2018\u00a0<\/a>\u00a0\u2013 einer weltweiten Wissenschafts-Konferenz zum Thema Mikroplastik \u2012 vorgestellt. Die Wissenschaftler, die bisher meist unterschiedliche Systeme anwandten, waren sich einig: um weltweit valides Datenmaterial zu erhalten, sollten s\u00e4mtliche Forschungsmethoden standardisiert werden.<\/p>\n<h3>Die Vision: Voluntary Observing Ships<\/h3>\n<p>Gutekunst m\u00f6chte zudem auch am eigenen Projekt weiterfeilen, Probensysteme weiterentwickeln, Mikroplastik-Messungen eventuell direkt an Bord vornehmen, weitere Messparameter einf\u00fchren und am liebsten ein paar weitere Yachten im n\u00e4chsten Volvo Ocean Race und andere Plattformen mit Messsystemen ausstatten. Denn er wei\u00df: \u201eWir haben das Problem verstanden, aber dennoch erst die Spitze des Eisberges angeschaut. Beispielsweise wissen wir kaum, was f\u00fcr gro\u00dfe Folgen Mikroplastik in der Tiefsee haben kann oder wie sich die Mikroplastikkonzentration in den n\u00e4chsten Jahren entwickelt,\u201c so seine Einsch\u00e4tzung der aktuellen Situation.<\/p>\n<figure id=\"attachment_160497\" aria-describedby=\"caption-attachment-160497\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-160497\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/3-Gutekunst_TTOP_working_at_night-600x424.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"424\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-160497\" class=\"wp-caption-text\">Forschung an Bord und in der Nacht. Foto: Dr. S\u00f6ren Gutekunst<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gutekunsts Vision ist, ein einfaches, robustes und in-situ (vor Ort) Messinstrument zu haben, so dass damit private Segler als &#8220;Voluntary observing ships&#8221; (VOS) ausger\u00fcstet werden k\u00f6nnen. Nur so sieht er eine Chance, Status und Entwicklung der Verschmutzung unserer Ozeane mit m\u00f6glichst vielen aussagekr\u00e4ftigen Daten untermauern zu k\u00f6nnen um somit schlie\u00dflich genauere Prognosen sowie Handlungsempfehlungen zu erstellen.<\/p>\n<p>Bis dahin r\u00e4t er jedem Einzelnen, die drei (beziehungsweise mittlerweile neun) <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.org.au\/blog\/beyond-reduce-reuse-recycle\/\">gro\u00dfen R \u201ereduse, reuse, recycle\u201c<\/a>\u00a0 zu beherzigen. In der Industrie gilt es f\u00fcr ihn vor allem Verpackungsmaterialien neu zu erfinden und Polymere beziehungsweise Plastik nur da einzusetzen, wo es auch Sinn macht. Beispiele w\u00e4ren hier im Flugzeug- oder Fahrzeugbau zur Gewichtsreduzierung. Im Lebensmittelbereich k\u00f6nnte er sich ein Containerkonzept vorstellen, \u00e4hnlich dem, wie wir es mit EU Paletten auch geschafft haben. Insgesamt: Quality by Design, sozusagen. Eine gute \u00dcbersicht \u00fcber die Verschmutzung der Ozeane bietet \u00fcbrigens die Webseite <a href=\"https:\/\/litterbase.awi.de\/\">Litterbase<\/a>\u00a0vom AWI Helmoltz-Zentrum f\u00fcr Polar- und Meeresforschung sowie auch der <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/meeresatlas\">Meeresatlas.<\/a><\/p>\n<p>Foto oben: Das Team Turn The Tide on Plastic beim In-Port Race in Alicante\u00a0\u00a9Almut Otto<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahre 2018 gab es laut Dr.-Ing. S\u00f6ren Gutekunst, Wissenschaftler am Geomar Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung Kiel, kaum eine Woche, in der er nicht in den Nachrichten etwas \u00fcber das Thema Mikroplastik in den Ozeanen h\u00f6rte. Und das ist auch gut so. 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