{"id":159335,"date":"2018-11-26T22:22:03","date_gmt":"2018-11-26T21:22:03","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=159335"},"modified":"2018-11-26T22:22:03","modified_gmt":"2018-11-26T21:22:03","slug":"wie-technologie-skibekleidung-verbessern-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/wie-technologie-skibekleidung-verbessern-kann\/","title":{"rendered":"Wie Technologie Skibekleidung verbessern kann"},"content":{"rendered":"<p><strong>WIEN, 26. November 2018 &#8211;<\/strong> In den kommenden Wochen besch\u00e4ftigen wir uns mit dem Stand der Technologien in der Skiausr\u00fcstung. Den Anfang machen wir mit der Skibekleidung. Weitere Themen sind Accessoires, Skischuhe, Ski- und Snowboards sowie Lawinenausr\u00fcstung.<\/p>\n<p>Skifahren ist eine erhitzende Aktivit\u00e4t bei tiefen Temperaturen. Diese widerspr\u00fcchliche Klimasituation stellt hohe Anforderungen an die Technologie von Skibekleidung. Um schwei\u00dfdurchn\u00e4sste Kleidung und den in der Ruhephase folgenden Abk\u00fchlungseffekt zu verhindern, ist Technologie unumg\u00e4nglich.<\/p>\n<p>[metaslider id=159340]<\/p>\n<p>Zentrales Moment in der Konstruktion von Skibekleidung ist die Bekleidungsphysiologie. Die Produktentwickler haben die Aufgabe ein angenehmes K\u00f6rperklima in extremen Verh\u00e4ltnissen zu schaffen. Dazu ist die Balance von drei Eigenschaften erforderlich: atmungsaktiv, isolierend sowie wind- und wasserabweisend. Um diese Balance zu erreichen, basiert die Technologie von Skibekleidung auf Drei-Lagen-Systemen: Eine schwei\u00dfabsorbierende Basisschicht, eine isolierende Zwischenschicht und eine wind- und wasserabweisende sowie atmungsaktive Au\u00dfenschicht. Letztere l\u00e4uft unter der Abk\u00fcrzung WWA.<\/p>\n<h4>Verbindung von Technologie und Nachhaltigkeit<\/h4>\n<p>Bis vor wenigen Jahren arbeitete die Skibekleidungsindustrie ausschlie\u00dflich mit k\u00fcnstlichen Fasern \u2013 vor allem Polyester. Das \u00e4nderte sich erst mit der Wiederentdeckung der nat\u00fcrlichen Eigenschaften von Wolle, die feuchtigkeitsabsorbierend, thermoregulierend und geruchshemmend ist. Gleichzeitig wurde der Ruf der NGOs nach umweltfreundlicheren Materialien un\u00fcberh\u00f6rbar. Das f\u00fchrte zur untrennbaren Verbindung von Technologie und Nachhaltigkeit. Umweltfreundliche Technologien werden aber erst dann eingesetzt, wenn diese die volle Leistungsf\u00e4higkeit bringen.<\/p>\n<h4>Die nat\u00fcrlichen Funktionen von Wolle<\/h4>\n<p>F\u00fcr viele Unternehmen ist <a href=\"https:\/\/brand.monsroyale.com\/eu\/our-wool\/\">Merinowolle<\/a> die erste Wahl, wenn es um die erste Schicht geht, d.h. Unterw\u00e4sche Socken und Haube. Merinowolle ist doppelt so fein wie herk\u00f6mmliche Wolle und dadurch leichter, atmungsaktiver und st\u00e4rker isolierend. Diese nat\u00fcrlichen Eigenschaften werden durch Materialmischungen und \u2013konstruktionen noch verbessert. Das neuseel\u00e4ndische Unternehmen Mons Royale entwickelte f\u00fcr schwei\u00dftreibende Aktivit\u00e4ten schnelltrocknendes Merino Air-Con, eine Faser aus Merino (83%) Nylon (13%) und Elasthan (4%). In Verbindung mit 40 Prozent Tencel, einer Zellulosefaser, wirkt Merinowolle k\u00fchlend bei warmen Temperaturen. Das beste Feuchtigkeitsmanagement wird in der Kombination von Merinowolle und Polyester erreicht.<\/p>\n<p>Eine andere Strategie ein angenehmes K\u00f6rperklima direkt auf der Haut herzustellen, sind spezifische Materialkonstruktionen. Der Schweizer Hersteller <a href=\"https:\/\/www.x-bionic.com\/de-mt\/company\">X-Bionic<\/a> orientiert sich an Vorbildern aus der Natur. Die partielle Isolation Polar Fur ist eine Art Fell auf der Materialinnenseite, das eine regional unterschiedliche Dichte aufweist. Je h\u00f6her die Dichte, desto gr\u00f6\u00dfer die Isolationsleistung. Je loser die Konstruktion, desto besser der Abtransport \u00fcbersch\u00fcssiger K\u00f6rpertemperatur.<\/p>\n<h4>Isolation mit Feuchtigkeitsmanagement<\/h4>\n<p>Die zweite Schicht kann eine separate Jacke sein oder das Futter einer Au\u00dfenjacke &#8211; einer sogenannten Hardshell. Letzteres stellt eine Verbindung von zweiter und dritter Schicht dar. In der zweiten Schicht hat Isolation Priorit\u00e4t. Durch deren hohe W\u00e4rmeleistung ist zuletzt die Daune in den Mittelpunkt ger\u00fcckt. Bei hohem Aktivit\u00e4tsgrad, wie dies bei Gel\u00e4ndetouren der Fall ist, wird diese manipuliert \u2013 um den Feuchtigkeitstransport zu gew\u00e4hrleisten. Der kanadische Hersteller <a href=\"https:\/\/arcteryx.com\/de\/de\/explore\/whoweare\">Arc\u2019teryx <\/a>kombiniert f\u00fcr sein als zweite oder dritte Schicht empfohlenes Thorium AR Hoody europ\u00e4ische G\u00e4nsedaune mit einem synthetischen Daunenkomposit. W\u00e4hrend die nat\u00fcrliche Daune ein gutes W\u00e4rme\/Gewichts-Verh\u00e4ltnis liefert, kommt das atmungsaktive Komposit an den feuchtigkeitsgef\u00e4hrdeten Stellen zum Einsatz.<\/p>\n<h4>Bewegungsfreiheit durch flexible Stoffe<\/h4>\n<p>In der dritten Schicht liegt die Priorit\u00e4t auf den Anforderungen winddicht, wasserfest und atmungsaktiv. Den entscheidenden Klimaregulator stellt die Membrane dar, die im Fall einer Hardshell auf den Oberstoff aufgebracht wird. Zuletzt wurde die Silhouette zunehmend k\u00f6rpernah. Die notwendige Bewegungsfreiheit gew\u00e4hrleisten technische Stretchgewebe oder Softshell mit technischem Stretch. Eine zukunftsweisende Alternative dazu ist die gestrickte Au\u00dfenschicht \u2013 wie sie von <a href=\"https:\/\/www.kjus.com\/de\/en\/explore\/about-kjus\/\">Kjus<\/a> (CH) und <a href=\"https:\/\/www.picture-organic-clothing.com\/en\/the-story\/\">Picture Clothing<\/a> (FRA) realisiert wurde.<\/p>\n<p>Bei Hosen ist die k\u00f6rpernahe Silhouette kaum mit isolierenden Eigenschaften zu vereinbaren. Der Schweizer Hersteller Mountain Force hat den Widerspruch aufgel\u00f6st. Die Hose ist mit einer atmungsaktiven und wasserdichten Keramikmembrane ausgestattet. Diese wirkt wie ein Schutzschild: Die W\u00e4rme wird nach innen reflektiert und die K\u00e4lte nach au\u00dfen. Zus\u00e4tzliche ist die Hose mit Wolle isoliert.<\/p>\n<h4>Umweltvertr\u00e4gliche L\u00f6sung f\u00fcr die Au\u00dfenschicht<\/h4>\n<p>Die dritte Schicht ist eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr ein umweltvertr\u00e4gliches Design. Wind- und Wasserresistenz machen Polyester unumg\u00e4nglich. Die vorl\u00e4ufig beste L\u00f6sung wird in der Verwendung von recyceltem Polyester gesehen \u2013 die zumindest rohstoffschonend ist.<\/p>\n<p>Sowohl die Membrane als auch die Au\u00dfenschicht enthalten umweltsch\u00e4dliche Chemikalien. Besonders problematisch ist Polytetrafluorethylen (PTFE), eine Substanz, die wasserabweisend wirkt. Sympatex launchte eine Membrane, die PTFE-frei, recycelbar und Bluesign-zertifiziert ist. Die Membrane besteht aus Polytherester, einem gesundheitlich unbedenklichen Copolymer aus Polyester und Polyether. Bluesign steht f\u00fcr eine umweltfreundliche Herstellung.<\/p>\n<h4>Elektronische Funktion auf Knopfdruck<\/h4>\n<p>Im November 2018 toppte Kjus den Status Quo &#8211; mit der ersten Jacke, die \u00fcber eine elektro-osmotische Technologie funktioniert. Diese bewahrt durch aktives Abpumpen von Schwei\u00df vor Ausk\u00fchlen in der Ruhephase.<\/p>\n<p>Die Technologie ist mit zwei Panels in die Jacke eingearbeitet. Diese sind strategisch in den schwei\u00dfintensiven Zonen im R\u00fccken der Jacke positioniert. Die Panels bestehen aus einer extrem feinporigen Membrane, die zwischen zwei leitf\u00e4higen Stoffschichten liegt. Bei Anwendung eines kleinen elektrischen Impulses verwandeln sich die Poren in Mikropumpen und pumpen aktiv und schnell den Schwei\u00df weg vom K\u00f6rper und aus der Jacke.<\/p>\n<p>Die Jacke basiert auf Wearable-Technologie und ist \u00fcber App und Bluetooth &#8211; sowie eine Elektronikbox in der Jackentasche &#8211; vom Nutzer kontrollierbar. Das System misst die Schwei\u00dfmenge, welche die Panels passieren und die App kann auch Tipps zur Regulierung der K\u00f6rpertemperatur bzw. Minimierung der Schwei\u00dfproduktion geben.<\/p>\n<p>Das sogenannte Kjus 7Sphere Hydro_Bot Jacket wurde in Kooperation mit dem Schweizer Technologie-Unternehmen Osmotex, dem <a href=\"https:\/\/www.empa.ch\/\">Forschungsinstitut EMPA<\/a> (The Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology) und dem Stoffentwickler Schoeller entwickelt.<\/p>\n<p>Auch die Damenskijacke Paradise Heat von <a href=\"https:\/\/www.hellyhansen.com\/about-us\/manufacturing\/\">Helly Hansen<\/a> soll den Temperaturwechsel zwischen k\u00f6rperlicher Anstrengung und Ruhephase ausgleichen. Die Funktion basiert auf einem Heizsystem, das per Knopfdruck aktivier- und regulierbar ist. Die Feldtests wurden in Kooperation mit dem schwedischen Damenskiteam durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<h4>Showpiece mit LED-Dioden<\/h4>\n<p>Der Show-Charakter des Skisports kommt in der LED-Jacke von Bogner zum Ausdruck. Die Jacke im Cowgirl-Stil wurde f\u00fcr Filmaufnahmen designt und in Kooperation mit der Schweizer Textilmanufaktur Forster Rohner hergestellt. Die S\u00e4ume und Fransen der Jacke sind mit insgesamt 300 LED-Dioden besetzt, die im Dunkeln leuchten. Bei Forster Rohner betont man, dass die Jacke wasserfest und waschbar ist. Aufgrund der positiven Resonanz wurde das Show-St\u00fcck in limitierter Auflage verkauft und ging als Sammlerst\u00fcck in die Geschichte der Skibekleidung ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WIEN, 26. November 2018 &#8211; In den kommenden Wochen besch\u00e4ftigen wir uns mit dem Stand der Technologien in der Skiausr\u00fcstung. Den Anfang machen wir mit der Skibekleidung. Weitere Themen sind Accessoires, Skischuhe, Ski- und Snowboards sowie Lawinenausr\u00fcstung. Skifahren ist eine erhitzende Aktivit\u00e4t bei tiefen Temperaturen. 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