{"id":159088,"date":"2018-11-24T06:59:08","date_gmt":"2018-11-24T05:59:08","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=159088"},"modified":"2018-11-24T06:59:08","modified_gmt":"2018-11-24T05:59:08","slug":"integration-autistischer-kinder-mit-assistiver-technologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/integration-autistischer-kinder-mit-assistiver-technologie\/","title":{"rendered":"Integration autistischer Kinder mit assistiver Technologie"},"content":{"rendered":"<p><strong>WIEN, 24. November 2018 &#8211;<\/strong> Wie kann Technologie soziales Spiel zwischen autistischen und neurotypisch entwickelten Kindern unterst\u00fctzen? Dieser Frage geht ein Forscherteam in einem Projekt zu assistiver Technologie an der Technischen Universit\u00e4t Wien nach. Der Ansatz ist unkonventionell: Die Kinder werden in den Gestaltungsprozess eingebunden.<\/p>\n<p>Autistische Kinder reagieren positiv auf Technologien. Der Umgang mit Technologien f\u00e4llt ihnen oft leichter als der Umgang mit Menschen, weil deren Komplexit\u00e4t leichter \u00fcberschaubar ist. Diesen Umstand nutzt das Forscherteam um Dr. Christopher Frauenberger in der Human-Computer Interaction Gruppe an der Technischen Universit\u00e4t Wien (TU). In der Studie Social Play Technologies setzen sie digitale Technologien, um autistischen und nicht-autistischen Kindern gemeinsame Spielerfahrungen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<h4>Sozialer Interaktion<\/h4>\n<p>Frauenberger ist Telematiker und besch\u00e4ftigt sich schon seit seinem Doktorat an der Queen Mary University of London mit der Kommunikation behinderter Menschen. Im Doktoratskolleg entwickelte er eine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr K\u00f6rpersprache und Nonverbales.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, an der University of Sussex, war Frauenberger an der Studie Echoes II beteiligt. Es galt, eine virtuelle, soziale Interaktion lehrende Lernumgebung f\u00fcr autistische Kinder zu gestalten. In dieser Studie kam er erstmals mit partizipativem Design in Ber\u00fchrung. Das Prinzip zuk\u00fcnftige Nutzer in die Entwicklung von Produkten einzubeziehen, wurzelt in der skandinavischen Arbeiterbewegung. Im Technologie-Sektor wird es verwendet, um herauszufinden, welche Rollen Technologien im Leben spielen k\u00f6nnten und um Benutzern Teilhabe an der Gestaltung technologischer Zuk\u00fcnfte zu geben, erkl\u00e4rt Frauenberger.<\/p>\n<p>In Echoes II fiel ihm auf, dass viele Dinge im Umfeld der Lernumgebung geschehen und nicht unbedingt in der Tutorenrolle. Daraus entstand seine Idee, offen in den Gestaltungsprozess zu gehen und zu sehen, welche Technologien entstehen. Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung an die Forschungsarbeit, soll jedoch zu einer verbesserten Lebensqualit\u00e4t von autistischen Menschen beitragen.<\/p>\n<h4>Gestaltungsprozess<\/h4>\n<p>Frauenberger: \u201eIn der assistiven Technologie geht es traditionell um das Ausgleichen von Behinderungen, wie dies etwa bei H\u00f6rger\u00e4ten der Fall ist. Wir wollen weg von der normativen Haltung der Mehrheit und dem Mantra \u201aWir reparieren Defizite\u2019.\u201c<\/p>\n<p>Zur Anwendung kam diese Herangehensweise in seiner ersten Studie an der TU Wien, die von 2014 bis 2017 lief. Die Studie trug den Titel Outside the Box und stellte die Arbeit mit einzelnen autistischen Kindern dar. Das Forscherteam lernte, wie man diese Kinder einbinden kann. Zur Anwendung kamen Methoden wie Co-operative Inquiry, Digital Fabrication oder Schauspiel. Frauenberger: \u201eEs war ein sich Kennenlernen, die Kinder in den kreativen Prozess einbinden und Konzepte entwickeln. Sp\u00e4ter wurden einzelne Konzepte beleuchtet, um zu dem Konzept zu kommen, das man realisieren will.\u201c<\/p>\n<h4>Smarte Dinge<\/h4>\n<p>Im Nachfolgeprojekt Social Play Technologies baut das Forscherteam auf diesen theoretischen Grundlagen auf. Ziel der Studie ist die Entwicklung von Technologien, welche die soziale Interaktion von autistischen und typisch entwickelten Kindern unterst\u00fctzen. Es sind nicht mehr nur einzelne Kinder in den Entwicklungs- und Gestaltungsprozess einzubeziehen, sondern Gruppen von Kindern. Die Gruppen bestehen aus vier bis sechs Kindern im Alter von sechs bis acht Jahren. Den Kindern wird eine freie Plattform f\u00fcr freies Spiel geboten, die sie frei interpretieren k\u00f6nnen. Der Fokus in der Entwicklung von Technologie liegt st\u00e4rker auf sozialen Rollen als auf Spielzeug.<\/p>\n<h4><strong>Emotionale Regulierung<\/strong><\/h4>\n<p>In Gruppen gibt es verschiedene Vorstellungen von Ideen und es ist schwierig, einen Verhandlungsraum zu finden, erkl\u00e4rt Frauenberger: \u201eAuch haben Kinder verschiedene Vorstellungen von sozialem Spiel. Manche m\u00f6gen es, wenn alle laut sind und Spa\u00df haben, andere brauchen mehr Struktur. Autistische Kinder haben oft ein Bed\u00fcrfnis nach emotionaler Regulierung. Sie erleben soziale Situationen \u00fcberfordernd und das wirkt sich auf ihre Vorstellung von erfolgreichem sozialem Spiel aus.\u201c<\/p>\n<p>Nach dem ersten Projektjahr haben sich aus den entwickelten Konzepten zwei Prototypen herauskristallisiert. Deren Designs werden gerade evaluiert. Die Auswirkungen der Technologie werden in den involvierten Gruppen und in Vergleichsgruppen getestet.<\/p>\n<h4>Soziale Situationen<\/h4>\n<p>In einem Projekt dachten die Kinder gemeinsam \u00fcber R\u00e4ume und Lichter nach. In der Umsetzung baute jedes Kind eine Struktur, die es partiell mit elektronischen Textilien mit integriertem LED verbaute. So entstanden beleuchtbare H\u00f6hlen und Verbindungsg\u00e4nge. Jedes LED-Textil wurde von einem Stressball aktiviert, bzw. gesteuert, wobei jeder Ball eine andere Farbe erzeugte und sich immer auf alle LED-Textilien auswirkte, in denen sich die Farben mischten. Um Einigung \u00fcber bestimmte Farbeffekte zu erzielen, brauchte es einen gemeinsamen Diskursraum zur Verhandlung.<\/p>\n<p>In einem weiteren Projekt ging es um Bewegung und Musik. Die Kinder legten Platten im Raum auf, welche bei Betreten Aspekte der Musik steuern. Bewegen sich die Kinder auf den Platten, so bedarf es der Koordination, um gewisse Effekte wie etwa laut\/leise oder an\/aus zu erzeugen. Gleichzeitig ist die Struktur lose genug, um den Kindern Spielraum zu geben.<\/p>\n<p>Beide Prototypen basieren auf Micro Controllers, das sind Halbleiterchips, die einen Prozessor und zugleich eine Peripheriefunktion enthalten. Diese sind \u00fcber W-Lan oder Bluetooth verbunden. Beide Prototypen funktionieren \u00fcber Drucksensoren: Diese aktivieren\/steuern das LED-Licht bei den Stressb\u00e4llen und die Musikaspekte bei den Platten. Im Musik-\/Bewegungsprojekt sind in der Basisstation Lautsprecher integriert.<\/p>\n<p>Outside the Box und Social Play Technologies sind vom Fond f\u00fcr wissenschaftliche Forschung gef\u00f6rdert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WIEN, 24. November 2018 &#8211; Wie kann Technologie soziales Spiel zwischen autistischen und neurotypisch entwickelten Kindern unterst\u00fctzen? 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