{"id":158725,"date":"2018-11-20T14:00:22","date_gmt":"2018-11-20T13:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=158725"},"modified":"2018-11-20T14:00:22","modified_gmt":"2018-11-20T13:00:22","slug":"gehirn-gerst-astro-alex-lmu-weltraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/gehirn-gerst-astro-alex-lmu-weltraum\/","title":{"rendered":"Wie steht\u201bs um das Gehirn von Astro-Alex? LMU-Forschung sagt wenig Gutes voraus"},"content":{"rendered":"<p>Der deutsche Astronaut Alexander Gerst ist seit dem 8. Juni 2018 auf der internationalen <a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/mission_pages\/station\/main\/index.html\">Raumstation ISS<\/a> und sollte eigentlich am am 13. Dezember zur\u00fcckkehren. Er und seine Kollegen, die US-Amerikanerin Serena Au\u00f1\u00f3n-Chancellor und der Russe Sergej Prokopjew, mussten ihren Aufenthalt aber ungeplant etwas verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Der Fehlstart einer Sojus-Rakete am 11. Oktober, der die beiden Raumfahrer Alexej Owtschinin und Nick Hague ins All bringen sollte, verz\u00f6gert die R\u00fcckkehr. Wenn alles nach Plan l\u00e4uft, wird Gerst, der seit dem 3. Oktober als erster Deutscher Kommandeur der Raumstation ist, nun am 20. Dezember in einer Sojus-Kapsel in der W\u00fcste von Kasachstan wieder auf der Erde landen.<\/p>\n<p>\u201eAstro-Alex&#8221; und seine Kollegen werden dann mehr als ein halbes Jahr in der Schwerelosigkeit im All verbracht haben und werden als erstes wieder mit Muskelaufbautraining beginnen m\u00fcssen. L\u00e4ngere Aufenthalte im Weltraum lassen bei Raumfahrern n\u00e4mlich sowohl Muskeln als auch Knochen schwinden. \u201eWenn ich die Zeit unterm Christbaum verbringe, dann wahrscheinlich Liegest\u00fctze machend&#8221;, sagte Gerst vor Kurzem in einem Interview in den Tagesthemen.<\/p>\n<p>Die Schwerlosigkeit hat aber nicht nur Auswirkungen auf Muskeln und Knochen, sonder auch auf das Gehirn der Raumfahrer. Mehrere Studien haben eine Aufw\u00e4rtsverschiebung der zerebralen Hemisph\u00e4ren, eine Abnahme des frontotemporalen Volumens und eine Zunahme der Ventrikelgr\u00f6\u00dfe nach einem l\u00e4ngeren Aufenthalt im All gezeigt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-158724\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Alexander_Gerst_waves_farew-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" \/><\/p>\n<p>Mediziner der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen haben mit einem internationalen Forscherteam nun herausgefunden, dass lange Weltraumaufenthalte sich auch auf das Gehirn auswirken. Der LMU-Mediziner Professor Peter zu Eulenburg hat in Kooperation mit Wissenschaftlern der Universit\u00e4t Antwerpen und russischen Kollegen erstmals Kosmonauten auch \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum nach ihrer R\u00fcckkehr untersucht und dabei nachgewiesen, dass selbst ein halbes Jahr nach der Landung noch Volumen\u00e4nderungen in weiten Bereichen des Gehirns nachweisbar sind.<\/p>\n<h4>Volumen des Gro\u00dfhirns schrumpft<\/h4>\n<p>Die Forscher untersuchten von 2014 bis 2018 zehn Kosmonauten, die durchschnittlich 189 Tage an Bord der internationalen Raumstation ISS verbracht hatten. Bei allen wurden sowohl der Mission aus auch durchschnittlich neun Tage nach ihrer R\u00fcckkehr Magnetresonanztomographien der Hirnstruktur vorgenommen. Bei sieben Kosmonauten f\u00fchrten die Wissenschaftler au\u00dferdem nach etwas 209 Tagen nach der Landung einen weiteren Hirnscan durch. \u201eDamit sind wir die ersten, die \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum nach der Landung Ver\u00e4nderungen untersuchen k\u00f6nnen\u201c, sagt zu Eulenburg.<\/p>\n<p>Diese Scans zeigten, dass das Volumen der grauen Substanz, also der Teil des Gro\u00dfhirns, der haupts\u00e4chlich Nervenzellk\u00f6rper enth\u00e4lt, nach der Landung geringer war als vorher. Im Laufe von sechs Monaten nach der R\u00fcckkehr auf die Erde bildete sich dieser Effekt zwar etwas zur\u00fcck, aber nicht vollst\u00e4ndig. Auf der anderen Seite dehnte sich der mit Liquor \u2013 umgangssprachlich auch Nervenwasser genannt \u2013 gef\u00fcllte Raum innerhalb des Gro\u00dfhirns im All aus \u2013 und dieser Vorgang setzte sich nach der R\u00fcckkehr auf die Erde dann um das Gehirn herum fort.<\/p>\n<p>Die wei\u00dfe Substanz, also der Teil des Hirngewebes, der vor allem aus Nervenfasern besteht, war unmittelbar nach der Landung scheinbar unver\u00e4ndert. Nach einem halben Jahr zeigte sich aber, dass sie im Vergleich zu den fr\u00fcheren Scans geschrumpft war. Die Wissenschaftler vermuten, dass etwas Volumen der wei\u00dfen Substanz durch das sich ausdehnende Nervenwasser w\u00e4hrend des Weltraumaufenthalts ausgetauscht wird. Nach der R\u00fcckkehr wird dieses Wasser wieder abgegeben, sodass es zu dieser relativen Schrumpfung kommt<\/p>\n<p>\u201eInsgesamt deuten unsere Ergebnisse auf eine anhaltende Ver\u00e4nderung der Liquor-Zirkulation auch viele Monate nach einer R\u00fcckkehr zur Erde hin\u201c, sagt zu Eulenburg. \u201eOb die beobachteten gro\u00dffl\u00e4chigen Ver\u00e4nderungen der grauen und wei\u00dfen Substanz eine Relevanz f\u00fcr die Kognition der Kosmonauten haben, ist aktuell unklar.\u201c<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-158727\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Space_Algae-600x398.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"265\" \/><\/p>\n<h4>Ver\u00e4nderung des Sehverm\u00f6gens<\/h4>\n<p>Ein klinischer Hinweis sind bisher lediglich vereinzelte Ver\u00e4nderungen des Sehverm\u00f6gens, die vermutlich durch den Druck des ausgedehnten Nervenwassers auf die Netzhaut und den Sehnerv entstehen. \u201eUrsache der umfassenden strukturellen Ver\u00e4nderungen im Gehirn sind m\u00f6glicherweise minimale Druckunterschiede der verschiedenen Wassers\u00e4ulen im K\u00f6rper des Menschen durch die Schwerelosigkeit, die sich \u00fcber die Zeit akkumulieren&#8221;, hei\u00dft es in der Studie.<\/p>\n<p>Es gebe daher Hinweise f\u00fcr eine Korrelation mit der Aufenthaltsdauer im All. Um die Risiken bei Langzeitmissionen zu minimieren und die allgemeine klinische Bedeutung der Befunde zu bestimmen, sind nach Ansicht der Wissenschaftler zus\u00e4tzliche Studien mit erweiterten diagnostischen Methoden unbedingt notwendig.<\/p>\n<p>Auf die Gehirnleistung scheinen sich die Ver\u00e4nderungen jedenfalls nicht nachhaltig auszuwirken. Immerhin ist Alexander Gersts aktueller Aufenthalt auf der Raumstation bereits sein zweiter. Der 43-J\u00e4hrige aus K\u00fcnzelsau war schon vom 28. Mai 2014 bis 10. November 2014 als Bordingenieur der auf der ISS.<\/p>\n<p><em>Bilder: ESA<\/em><\/p>\n<p>Zum Thema:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/supererde-lebensfeindlich-kalt\/\">Supererde entdeckt \u2013 ein kalter, lebensfeindlicher Ort<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/eso-teleskop-neugeboren-planet-pds-70\/\">ESO-Teleskop zeigt erstes best\u00e4tigtes Bild eines neugeborenen Planeten<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/einstein-allgemeine-relativitaetstheorie-test\/\">Einsteins Allgemeine Relativit\u00e4tstheorie erfolgreich getestet<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hubble-hinweise-mond-ausserhalb-sonnensystem\/\">Hubble findet weitere Hinweise auf einen Mond au\u00dferhalb des Sonnensystems<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/eso-bilder-carina-nebel\/\">ESO zeigt fasznierende Bilder des Carina-Nebels<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Astronaut Alexander Gerst ist seit dem 8. 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