{"id":157858,"date":"2018-11-11T10:22:20","date_gmt":"2018-11-11T09:22:20","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=157858"},"modified":"2018-11-11T10:22:20","modified_gmt":"2018-11-11T09:22:20","slug":"eso-teleskop-neugeboren-planet-pds-70","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/eso-teleskop-neugeboren-planet-pds-70\/","title":{"rendered":"ESO-Teleskop zeigt erstes best\u00e4tigtes Bild eines neugeborenen Planeten"},"content":{"rendered":"<p>Bei der Suche nach neuen Planeten haben Astronomen mit Hilfe von SPHERE, einem Instrument zur Planetensuche am Very Large Telescope der <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/\">ESO<\/a> ein erstes best\u00e4tigtes Bild eines neugeborenen Planeten aufgenommen, der sich in der Staubscheibe um einen jungen Stern gebildet hat. Der junge Planet pfl\u00fcgt sich seinen Weg durch die primordiale Scheibe aus Gas und Staub um den sehr jungen Stern PDS 70.<\/p>\n<p>\u201eWir suchen gezielt nach jungen Planetensystemen, in denen Planeten noch dabei sind, sich zu formen\u201c, erkl\u00e4rt die Leiterin des Projekts, Miriam Keppler vom <a href=\"https:\/\/www.mpia.de\/de\">Max-Planck-Institut f\u00fcr Astronomie in Heidelberg<\/a>. \u201eMan w\u00e4hlt dazu unter Ber\u00fccksichtigung verschiedener Kriterien die vielversprechendsten jungen Sterne aus, einer davon ist PDS 70.\u201c<\/p>\n<p>Diese Geburten komplett zu dokumentieren, ist aber leider nicht m\u00f6glich, da sie die Lebensspanne von Generationen von Menschen weit \u00fcberschreiten. \u201eTheoretische Modelle sagen voraus, dass es mehrere Millionen Jahre dauern kann, bis ein Planet seine Endmasse erreicht hat, was, verglichen mit der Lebensdauer der Sterne und Planeten, kurz ist\u201c, sagt Keppler.<\/p>\n<p>\u201eSterne entstehen aus gro\u00dfen Wolken, bestehend aus Staub und Gas. Wenn ein Stern sich gebildet hat, sammelt sich die restliche Materie in Form einer Scheibe an, die um diesen Stern kreist, eine sogenannte ,protoplanetare Scheibe&#8217;\u201c, f\u00fchrt sie aus. \u201eIn dieser Scheibe fangen mit der Zeit Staubk\u00f6rner an, zu kollidieren und zusammenzukleben, und damit zu gr\u00f6\u00dferen Objekten zusammenzuklumpen. Einige dieser gr\u00f6\u00dferen Staubk\u00f6rner k\u00f6nnen somit mit der Zeit dann zu riesigen K\u00f6rpern mit der Gr\u00f6\u00dfe eines Planeten heranwachsen. Wenn sie massiv genug sind, ziehen sie schlie\u00dflich das Gas aus ihrer Umgebung an, und wachsen somit zu einem Gasriesen wie z.B. Jupiter in unserem Sonnensystem, oder eben auch PDS 70 b, heran.\u201c<\/p>\n<p>Der Planet um PDS 70 sei maximal 5-6 Millionen Jahre alt, und immer noch dabei, Material aus seiner Umgebung aufzusammeln. \u201eDaher ist er noch in seiner Entstehungsphase. Er ist noch umgeben von dem Material, das von den Prozessen der Sternentstehung \u00fcbrig geblieben ist und aus dem er sich selbst geformt hat, der ,protoplanetaren Scheibe\u2019. Durch das Aufsammeln der Materie aus dieser Scheibe hat er eine L\u00fccke in die Scheibe gefr\u00e4st, die auf unseren Bildern deutlich zu sehen ist.\u201c<\/p>\n<p>Der Planet hebt sich in den neuen Beobachtungen sehr deutlich ab und ist als heller Punkt rechts vom geschw\u00e4rzten Bildmittelpunkt sichtbar [Titelbild]. Seine Entfernung zum Zentralstern ist etwa wie die zwischen Uranus und der Sonne, circa drei Milliarden Kilometer.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-157856\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/eso1821b-600x590.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"393\" \/><\/p>\n<h4>1.000 Grad Celsius Oberfl\u00e4chentemperatur<\/h4>\n<p>Die Analyse zeigt, dass PDS 70b ein gro\u00dfer Gasplanet mit einer Masse ist, die mehrere Male gr\u00f6\u00dfer ist als die des Jupiters und eine Oberfl\u00e4chentemperatur von etwa 1.000\u00b0C hat. Au\u00dferdem deuten die Daten darauf hin, dass die Atmosph\u00e4re des Planeten Wolken enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>\u201eEs ist uns gelungen, ein Spektrum von PDS 70 b zu beobachten. Ein Spektrum misst die Menge an Licht, die vom Planeten bei verschiedenen Wellenl\u00e4ngen, d.h. bei verschiedenen Farben des Lichts, ausgestrahlt wird\u201c beschreibt die Astronomin.\u201c Die Form und Eigenheiten dieses Spektrums gibt uns Aufschluss \u00fcber die Zusammensetzung der Atmosph\u00e4re, und daher auch \u00fcber die Existenz von Wolken.\u201c<\/p>\n<p>Diese Existenz von Wolken bedeute jedoch nicht, dass Leben auf dem Planeten m\u00f6glich w\u00e4re, da Wolken nicht gleichbedeutend mit der Existenz von Wasser seien. \u201eAtmosph\u00e4ren bestehen haupts\u00e4chlich aus Gas. Teile dieses Gases k\u00f6nnen jedoch unter bestimmten atmosph\u00e4rischen Bedingungen auch zu Wolken kondensieren\u201c, f\u00fchrt Keppler aus. \u201eAuf unserer Erde bestehen Wolken aus Wasser. Je nach Zusammensetzung und physikalischen Bedingungen der Atmosph\u00e4re, k\u00f6nnen Wolken auf anderen Planeten jedoch auch aus anderen Stoffen bestehen, wie z.B. aus Silikaten.\u201c<\/p>\n<p>Der dunkle Bereich in der Bildmitte [Titelbild] ist auf einen Koronografen zur\u00fcckzuf\u00fchren, eine Maske, die das blendend helle Licht des Zentralsterns blockiert und es den Astronomen erlaubt, seine viel schw\u00e4chere Scheibe und seinen planetaren Begleiter zu erkennen. Ohne diese Maske w\u00e4re das schwache Licht des Planeten vom intensiven Leuchten von PDS 70 v\u00f6llig \u00fcberstrahlt.<\/p>\n<p>&#8220;Diese Scheiben um junge Sterne m\u00fcssen die Geburtsorte von Planeten sein, aber bisher haben nur wenige Beobachtungen Hinweise auf junge Planeten in ihnen gezeigt&#8221;, erkl\u00e4rt Miriam Keppler weiter. &#8220;Das Problem ist, dass die meisten dieser Planetenkandidaten bisher auch einfach nur Strukturen in der Scheibe sein k\u00f6nnten.&#8221;<\/p>\n<p>Der planetare Begleiter von PDS 70 hat um den Stern eine sogenannte \u00dcbergangsscheibe geformt \u2013 eine protoplanetare Scheibe mit einem riesigen \u201eLoch&#8221; in der Mitte. Diese inneren L\u00fccken sind bereits seit Jahrzehnten bekannt und man hatte schon zuvor spekuliert, dass sie durch die Wechselwirkung der Scheibe mit einem Planeten entstanden sind. Jetzt k\u00f6nnen wir den Planeten zum ersten Mal sehen.<\/p>\n<p>&#8220;Miriams Ergebnisse haben uns ein neues Fenster zu den komplexen und schlecht verstandenen Anfangsstadien der planetaren Evolution ge\u00f6ffnet&#8221;, kommentiert Andr\u00e9 M\u00fcller, Leiter des zweiten Teams zur Erforschung des jungen Planeten. &#8220;Wir m\u00fcssen einen Planeten in der Scheibe eines jungen Sterns beobachten, um die Prozesse hinter der Planetenbildung wirklich zu verstehen.&#8221;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-157857\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/eso1821c-600x572.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"381\" \/><\/p>\n<h4>Entstehung von Planeten in unserem System<\/h4>\n<p>Dank der neuen Erkenntnisse k\u00f6nne man auch gewisse R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Entstehung von Planeten in unserem System ziehen, betont Keppler. \u201eDie direkte Beobachtung von jungen Planeten ist eine gro\u00dfe Herausforderung, daher gibt es zu vielen Aspekten der Planetenentstehung bisher nur theoretische Modelle, die durch Beobachtungen noch un\u00fcberpr\u00fcft werden m\u00fcssen\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>\u201eUnsere direkten Bilder von PDS 70 b sind die bisher eindeutigsten Bilder von einem Planeten in seiner Entstehungsphase, und best\u00e4tigen einige Erwartungen aus den theoretischen Modellen der Planetenentstehung. Zum Beispiel zeigen sie eindr\u00fccklich, wie ein Planet durch das Aufsammeln von Materie in seiner Umgebung w\u00e4hrend der Entstehung tats\u00e4chlich eine gro\u00dfe L\u00fccke in die protoplanetare Scheibe fr\u00e4st. Au\u00dferdem best\u00e4tigen sie, dass Planeten in ihrem jungen Alter durch den Entstehungsprozess noch sehr hei\u00df sind. PDS 70 b hat eine Temperatur von ca. 1000 Grad Celsius, und ist somit viel hei\u00dfer als die Planeten unseres Sonnensystems, welche ja viel \u00e4lter sind.\u201c<\/p>\n<p>Die Beobachtung w\u00fcrden nun anhand von PDS 70 b zeigen, bei welchen Distanzen vom Zentralstern, auf welchen Zeitskalen ein Gasriese entstehen kann und welche physikalischen Eigenschaften solche jungen Planeten aufweisen k\u00f6nnen. \u201eDiese Erkenntnisse sind extrem wichtig f\u00fcr den Abgleich theoretischer Modelle, die voraussagen, wie sich die Eigenschaften von Planeten (z.B. Temperatur, Radius, Masse) mit der Zeit entwickeln. Solche Erkenntnisse sind letztendlich essentiell, um R\u00fcckschl\u00fcsse schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen, unter welchen Bedingungen sich die Planeten unseres Sonnensystems einst formten.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-3nwZ7zAHTU\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-3nwZ7zAHTU<\/a><\/p>\n<p><em>Bilder: ESO<\/em><\/p>\n<p>Zum Thema:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/einstein-allgemeine-relativitaetstheorie-test\/\">Einsteins Allgemeine Relativit\u00e4tstheorie erfolgreich getestet<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hubble-hinweise-mond-ausserhalb-sonnensystem\/\">Hubble findet weitere Hinweise auf einen Mond au\u00dferhalb des Sonnensystems<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/eso-bilder-carina-nebel\/\">ESO zeigt fasznierende Bilder des Carina-Nebels<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Suche nach neuen Planeten haben Astronomen mit Hilfe von SPHERE, einem Instrument zur Planetensuche am Very Large Telescope der ESO ein erstes best\u00e4tigtes Bild eines neugeborenen Planeten aufgenommen, der sich in der Staubscheibe um einen jungen Stern gebildet hat. 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