{"id":156366,"date":"2018-10-23T10:00:12","date_gmt":"2018-10-23T08:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=156366"},"modified":"2018-10-23T10:00:12","modified_gmt":"2018-10-23T08:00:12","slug":"neue-strategie-gegen-milzbrand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/neue-strategie-gegen-milzbrand\/","title":{"rendered":"Neue Strategie gegen gef\u00e4hrlichen Milzbrand-Erreger"},"content":{"rendered":"<p>Forscher der <a href=\"https:\/\/www.tum.de\/\">Technischen Universit\u00e4t<\/a> in M\u00fcnchen haben eine neue Methode entwickelt, mit der verhindert wird, dass sich der Anthrax-Bazillus weiter verbreitet. Das Team um <a href=\"http:\/\/biologische-chemie.userweb.mwn.de\/ProfSkerra\/Skerra.html\">Professor Arne Skerra<\/a> ist es gelungen den Milzbrand-Erreger daran zu hindern, dass dieser das f\u00fcr ihn notwendige Eisen aufnimmt. Dies ben\u00f6tigt der Bazillus, um sich weiter zu verbreiten. In dem der spezielle Eisen- Komplexbildner neutralisiert wird, bleibt dem Erreger der Zugang zu Eisen im menschlichen K\u00f6rper verwehrt. Eine effektive Behandlung der lebensbedrohlichen Infektion Milzbrand k\u00f6nnte dadurch erm\u00f6glicht werden.<\/p>\n<h3>Milzbrand<\/h3>\n<p>Milzbrand, die Erkrankung, die auch unter dem Namen Anthrax bekannt ist, wird durch Bakterien ausgel\u00f6st. Zwar kann der Erreger mit Hilfe eines Antibiotikums bek\u00e4mpft werden, jedoch ist das Gift, das er abgibt, besonders gef\u00e4hrlich. Die Krankheit kann t\u00f6dlich enden, wenn sie zu sp\u00e4t erkannt wird.<\/p>\n<p>Da der Milzbrand-Erreger besonders widerstandsf\u00e4hig ist, kann er unter Umst\u00e4nden im Erdboden \u00fcberleben. Die sogenannten Sporen des Bakteriums werden von grasenden Tieren wie beispielsweise Rinder oder Schafe gefressen, wodurch sie an Milzbrand erkranken. Gerade Menschen, die mit Nutztieren oder Tierprodukten arbeiten, k\u00f6nnen sich infizieren. Zwar treten in Deutschland nur noch selten Anthrax-F\u00e4lle auf, die Folgen k\u00f6nnen im schlimmsten Fall t\u00f6dlich sein.<\/p>\n<h3>Nicht ausreichend erhitztes Fleisch<\/h3>\n<p>Eine weitere Ansteckungsquelle mit dem Milzbrand-Erreger ist das Fleisch erkrankter Tiere. Wird dies nicht ausreichend erhitzt, kann sich der Mensch anstecken. In S\u00fcdfrankreich etwa traten Ende August dieses Jahres Milzbrand-Erkrankungen bei Nutztieren auf. Seit 20 Jahren war dies einer der heftigsten Ausbr\u00fcche, wie franz\u00f6sische Medien berichteten. Durch Milzbrand gef\u00e4hrdet ist aber auch der Bestand wildlebender Schimpansen und Gorillas.<\/p>\n<h3>Milzbrand als Biowaffe<\/h3>\n<p>Noch bedrohlicher ist Milzbrand, wenn der Erreger als Biowaffe eingesetzt wird. Dann stellt das Bakterium eine weltweite Bedrohung dar. Im Jahr 2001 starben in den USA f\u00fcnf Menschen, als mehrere Briefe mit Milzbrandsporen verschickt wurden.<\/p>\n<h3>Eisenaufnahme verhindern<\/h3>\n<p>Um den gef\u00e4hrlichen Milzbrand-Erreger an seiner Verbreitung zu hindern, nutzte das Team um Professor Skerra, eine bestimmte Eigenschaft von Bakterien. Sie ben\u00f6tigen, wie jede K\u00f6rperzelle, das essentielle Spurenelement Eisen. Es ist jedoch nicht leicht verf\u00fcgbar, da es in K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten fest an Proteine gebunden ist. Deshalb stellen Bakterien spezielle Komplexbildner her. Sie werden Siderophore oder auch Eisentr\u00e4ger genannt. Ihre Aufgabe: Die wenigen freien Eisen-Ionen zu binden, um sie \u00fcber das bakterieneigene Transportsystem aufzunehmen. Das menschliche Immunsystem setzt dem ein Protein, das Siderocalin, entgegen. Es zirkuliert im Blut und nimmt die Eisen-Siderophore hochaffin auf und scheidet sie \u00fcber die Niere aus.<\/p>\n<p>Der spezielle Eisentr\u00e4ger des Milzbranderregers, das Petrobactin, wird vom Siderocalin jedoch nicht erkannt. Professor Skerra vom Lehrstuhl f\u00fcr Biologische Chemie entwickelte die Idee, das Anthrax-Siderophor auszuschalten. Somit soll die Vermehrung des Milzbranderregers gebremst werden. Dazu wurde am Lehrstuhl die Anticalin-Technologie entwickelt, mit der das k\u00f6rpereigene Siderocalin umkonstruiert werden konnte. Das Ergebnis: Petrocalin kann den Siderophor des Milzbranderregers neutralisieren.<\/p>\n<p>\u201eDas neu entwickelte Petrocalin f\u00e4ngt Petrobactin ab und entzieht damit dem Milzbranderreger den Zugang zum lebensnotwendigen Eisen, was wie ein Protein-Antibiotikum wirkt\u201c, sagt Skerra \u2013 \u201ein Kooperation mit Professor Siegfried Scherer vom Lehrstuhl f\u00fcr Mikrobielle \u00d6kologie konnten wir j\u00fcngst beweisen, dass dieser Ansatz in Bakterienkulturen funktioniert.\u201c<\/p>\n<p>Diese neu entwickelte Strategie kann bei der Behandlung von Milzbrand-Infektionen neue Wege er\u00f6ffnen. Denn es ist gelungen, die Ausbreitung des Bakteriums im K\u00f6rper von Patienten zu unterdr\u00fccken. F\u00fcr Studie arbeiteten Prof. Skerra und sein Team mit einem abgeschw\u00e4chten Laborstamm \u2013 jedoch nicht mit dem humanpathogenen Erreger.<\/p>\n<p>(Bild: Skerra \/ TUM)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forscher der Technischen Universit\u00e4t in M\u00fcnchen haben eine neue Methode entwickelt, mit der verhindert wird, dass sich der Anthrax-Bazillus weiter verbreitet. Das Team um Professor Arne Skerra ist es gelungen den Milzbrand-Erreger daran zu hindern, dass dieser das f\u00fcr ihn notwendige Eisen aufnimmt. Dies ben\u00f6tigt der Bazillus, um sich weiter zu verbreiten. 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