{"id":155759,"date":"2018-10-14T14:52:02","date_gmt":"2018-10-14T12:52:02","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=155759"},"modified":"2018-10-14T14:52:02","modified_gmt":"2018-10-14T12:52:02","slug":"lmu-prognose-psychotisch-affektiv-stoerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/lmu-prognose-psychotisch-affektiv-stoerungen\/","title":{"rendered":"Projekt der LMU zur Prognose psychotischer und affektiver St\u00f6rungen"},"content":{"rendered":"<p>Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts, hei\u00dft ein altes Sprichwort. Diese Wahrheit trifft nicht \u201enur\u201c auf physische Krankheiten wie Krebs und dergleichen zu, sondern ebenso auf psychische St\u00f6rungen, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer mehr zugenommen haben.<\/p>\n<p>Mittlerweile machen affektive und nicht-affektive Psychosen 6,3 % der weltweiten Krankheitslast aus und kosten allein in Europa 207 Milliarden Euro pro Jahr, davon entfallen allein auf die Behandlung von Schizophrenie rund 150 Milliarden Euro. Das macht sie zu den teuersten Hirnerkrankungen und noch teurer als Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Betroffenen dieser psychotischen Erkrankungen sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsenen zwischen 15 und 35 Jahren.<\/p>\n<p>Bei mehr als 75% Patienten k\u00fcndigt sich die Erkrankung durch Fr\u00fchsymptome wie Konzentrationsst\u00f6rungen, Leistungsknicks, \u00c4ngsten und Stimmungsschwankungen an. Diese Symptome werden in den meisten F\u00e4llen aber nicht erkannt, nicht richtig interpretiert oder nicht ernst genommen, obwohl die Psychose durch gezieltes therapeutisches Handeln dieser Fr\u00fchphase verhindert oder zumindest der Erkrankungsverlauf deutlich abgemildert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Beim \u00fcberwiegenden Teil der Betroffenen liegen Jahre zwischen dem Auftreten erster Krankheitszeichen einer professionellen psychotherapeutischen oder psychiatrischen Behandlung. Fr\u00fcherkennung, Vorsorge und eine rechtzeitige therapeutische Intervention k\u00f6nnten also nicht nur den Patienten und ihren Angeh\u00f6rigen viel Leid ersparen \u2013 die Betroffenen haben eine 8- bis 20-fach h\u00f6here Selbstmordrate \u2013 sondern auch die volkswirtschaftlichen Sch\u00e4den entscheidend verringern.<\/p>\n<h4>Pr\u00e4dikation und Pr\u00e4vention durch PRONIA?<\/h4>\n<p>Bisher gibt es in der Psychiatrie keine Pr\u00e4diktionsmodelle, um das Risiko f\u00fcr beeintr\u00e4chtigende Erkrankungsverl\u00e4ufe affektiver und psychotischer St\u00f6rungen m\u00f6glichst fr\u00fch vorhersagen und somit pr\u00e4ventiv behandeln zu k\u00f6nnen. Das vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t koordinierte PRONIA-Projekt (Personalised Prognostic Tools for Early Psychosis Management) hat sich zum Ziel gesetzt, solche Prognosemodelle zu entwickeln.<\/p>\n<p>Die Arbeit greift dabei auf die klinischen Daten und Bildgebungsdaten von 236 Patienten mit Hochrisiko-Stadien psychotischer Erkrankungen oder mit Ersterkrankungen depressiver St\u00f6rungen zur\u00fcck. Die Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Nikolaos Koutsouleris, Leiter der Sektion Neurodiagnostische Verfahren in der Psychiatrie des LMU-Klinikums, konnten zeigen, dass prognostische Algorithmen eine genaue Einzelfall-Vorhersage von sozialen Funktionseinbu\u00dfen erm\u00f6glichen (z.B. Schwierigkeiten Freundschaften zu pflegen oder eine Partnerschaft aufrechtzuerhalten). Die Vorhersage funktionierte unabh\u00e4ngig vom Herkunftsland, Alter (15-40 Jahre) und Geschlecht der Patienten mit einer Genauigkeit von bis zu 83% bei Hochrisiko-Patienten und 70% bei Patienten mit depressiver Ersterkrankung.<\/p>\n<p>\u201eZuverl\u00e4ssige und zug\u00e4ngliche Prognoseinstrumente werden diese Belastung durch eine individuelle Risikovorhersage verringern und so die Durchf\u00fchrung einer auf die Bed\u00fcrfnisse und das Risikoniveau des einzelnen Patienten zugeschnittenen Vorbeugung erleichtern\u201c, hei\u00dft es bei PRONIA. \u201eDaher werden wir routinem\u00e4\u00dfige Hirnbildgebung und erg\u00e4nzende Daten verwenden, um unsere Biomarker-Kandidaten f\u00fcr die Vorhersage und Inszenierung von Psychosen zu optimieren und ein prognostisches System zu generieren, das sich gut f\u00fcr verschiedene psychiatrische Dienste eignet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eZweitens werden wir neue multimodale Instrumente zur Risikoquantifizierung einf\u00fchren, um psychisch bedingte Behinderungen bei jungen Hilfesuchenden vorherzusagen. Die Fusion dieser Instrumente mit klinischem Wissen wird zu kybernetischen prognostischen Diensten f\u00fchren, die Hilfesuchende mit dem h\u00f6chsten Risiko f\u00fcr Psychose, schlechte Funktionsf\u00e4higkeit und selbstm\u00f6rderische Sterblichkeit genau identifizieren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Ergebnisse unserer Arbeit zeigen, dass es m\u00f6glich ist, das Risiko f\u00fcr bleibende soziale und berufliche Funktionseinbu\u00dfen auf der Ebene eines einzelnen Patienten feststellen zu k\u00f6nnen\u201c, sagt der Projektleiter Prof. Koutsouleris. \u201eWenn sich das im klinischen Alltag bewahrheitet, wird eine personalisierte und rationale Therapieplanung in der psychiatrischen Therapie erm\u00f6glicht: Patienten mit hohem Risiko k\u00f6nnten intensiver behandelt werden, um das Risiko zu minimieren. Gleichzeitig w\u00fcrden Patienten mit geringem Risiko nicht \u201a\u00fcber-therapiert\u201b und unn\u00f6tigen Behandlungsrisiken ausgesetzt werden. Auf der Ebene der Gesundheits\u00f6konomie w\u00fcrde dies wiederum bedeuten, dass mit den gleichen therapeutischen Ressourcen wesentlich mehr Patienten pr\u00e4ventiv behandelt werden k\u00f6nnten als dies bisher der Fall ist.\u201c<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Schritte hin zu einer klinischen Anwendung sind gro\u00df angelegte Validierungsuntersuchungen, in denen die von PRONIA entwickelten pr\u00e4diktiven Modelle in der klinischen Praxis erprobt werden sollen. Hierbei wird sich zeigen, ob quantitative Modelle effektiv schlechte Erkrankungsverl\u00e4ufe psychotischer und affektiver St\u00f6rungen verhindern k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>Was ist PRONIA<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pronia.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PRONIA &#8211; Personalised Prognostic Tools for Early Psychosis Management<\/a> &#8211; ist ein von der Europ\u00e4ischen Union gef\u00f6rdertes Forschungsprojekt, das es sich zum Ziel gesetzt hat, die Fr\u00fcherkennung von psychotischen Erkrankungen erheblich zu verbessern. Dabei steht die Entwicklung eines leicht zug\u00e4nglichen prognostischen Services f\u00fcr die Fr\u00fcherkennung im Mittelpunkt. Das daf\u00fcr erstellte Prognosesystem basiert auf der Erkennung von Biomarkern mithilfe von bildgebenden Verfahren und weiteren Datenerhebungen. Dieses Prognoseservice soll auch kommerziell verwertet werden. Durch eine sogenannte telemedizinische Anwendung, die \u00fcber das Internet f\u00fcr verschiedene Zielgruppen erreichbar sein wird, kann ein Risikoprofil f\u00fcr Betroffene erstellt werden. Dieses Service richtet sich an Vertreter des Gesundheitswesens, Vertreter der Pharmaindustrie sowie Forschungseinrichtungen.<\/p>\n<p>Das Projekt ist in 12 Arbeitspakete unterteilt, die den undefinierten Arbeitsplan und den Forschungsschwerpunkt von PRONIA widerspiegeln. Das undefinierte PRONIA-Konsortium besteht aus 12 Partnern, Spezialisten aus Wissenschaft und Wirtschaft in Bereichen Psychiatrie, Neuroscience, Kognitionsforschung, Ingenieurwissenschaften und Informationstechnologie. Die wissenschaftliche Koordination liegt bei Prof. Dr. Nikolaos Koutsouleris.<\/p>\n<p><em>Foto: Quintin Gellar von Pexels<\/em><\/p>\n<p><strong>Zum Thema:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/intelligente-spracherkennung-depression-selbstmord\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mit intelligenter Spracherkennung gegen Depressionen und Selbstmorde<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hilfe-depression-rtms-therapie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hilfe bei Depression durch rTMS-Therapie<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/neurofeedback-therapie-adhs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mit Neurofeedback gegen ADHS<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts, hei\u00dft ein altes Sprichwort. 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