{"id":147893,"date":"2018-06-22T11:44:53","date_gmt":"2018-06-22T09:44:53","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=147893"},"modified":"2018-06-22T11:44:53","modified_gmt":"2018-06-22T09:44:53","slug":"scheitern-wird-gesellschaftsfaehig-die-erste-fuckup-night-in-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/scheitern-wird-gesellschaftsfaehig-die-erste-fuckup-night-in-muenchen\/","title":{"rendered":"SCHEITERN WIRD GESELLSCHAFTSF\u00c4HIG &#8211; DIE ERSTE FUCKUP NIGHT IN M\u00dcNCHEN"},"content":{"rendered":"<p>Am 5. Juli 2018 findet in M\u00fcnchen die erste sogenannte Fuckup Night statt. Eine mittlerweile weltweite Bewegung, bei der Menschen sich vor Publikum hinstellen und ganz unverbl\u00fcmt erz\u00e4hlen, wie sie im Leben mit Unternehmungen, Firmen oder Ideen gescheitert sind. Organisiert wird die Fuckup Night vom Webtechnologiedienstleister <a href=\"http:\/\/www.techdivision.com\">TechDivision<\/a> und soll zuk\u00fcnftig mindestens einmal im Quartal an unterschiedlichen Locations stattfinden. Bei Interesse k\u00f6nnen sich potentielle Gastgeber gerne mit TechDivision in <a href=\"events@techdivision.com\">Verbindung setzen<\/a>. Der Organisator der Fuckup Night in M\u00fcnchen, Josef Willkommer, hat mit InnovationOrigins gesprochen.<\/p>\n<p><em>Woher kommt die Idee der Fuckup Nights<\/em><\/p>\n<p>\u201eDie Idee kommt aus Mexiko. Da haben sich 2012\/2013 ein paar junge Leute beim Bierchen \u00fcber das Thema Konferenz unterhalten, und dass Konferenzen immer etwas in Geprahle ausufern, weil sich jeder immer nur hinstellt und sagt, wie toll er ist, was alles sensationell gelaufen ist und wie gut alles war. Es geht aber nie darum, dass irgendwelche Projekte oder Themenans\u00e4tze in irgendeiner Form Probleme verursacht haben, auch mal etwas gescheitert ist oder, dass generell Ans\u00e4tze oder Produkte mehr scheitern, als dass sie Erfolg haben. Gerade aus dem Scheitern kann man aber in der Regel viel mehr lernen als aus Erfolgen. Das war im Prinzip die Geburtsstunde der Fuckup-Night-Bewegung. Die Mexikaner haben dann erstmal aus Ihrem Bekanntenkreis Leute zusammengetrommelt und es hat jeder mal ein paar Minuten lang von seinem gr\u00f6\u00dften Fuckup erz\u00e4hlt, also womit er am schlimmsten gescheitert ist. Ohne Filter ohne doppelten Boden, frei von der Leber weg, und im Nachgang dann wird dann in der Gruppe entsprechend diskutiert, was man daraus lernen kann und was w\u00fcrden andere anders machen als der \u201eVersager\u201c. Das hat so gut funktioniert, dass sie beschlossen haben, das interessiert nicht nur in unserem Bekanntenkreis, das interessiert nicht nur in Mexiko, das ist ein Thema, das weltweit eine Riesengeschichte ist. In Europa und besonders in Deutschland ist diese Versagenskultur, diese Kultur des Scheiterns, noch viel ausgepr\u00e4gter als in anderen L\u00e4ndern wie beispielsweise in Amerika.\u201c<\/p>\n<p><em>Und nun gibt es Fuckup Nights weltweit?<\/em><\/p>\n<p>\u201eJa, sie haben beschlossen, das Ganze als offenes Format zu machen. Mit uns kann sich also jeder Interessierte, jedes interessierte Unternehmen, in Verbindung setzen uns sich als Partner bewerben. Die Idee ist ziemlich durch die Decke gegangen und inzwischen gibt es an die 250 Fuckup Nights in rund 80 L\u00e4ndern weltweit.\u201c<\/p>\n<p><em>Die Eintrittskarten sind kostenlos. Wie finanziert sich das Ganze?<\/em><\/p>\n<p>\u201eDas finanziert sich durch Sponsoren wie uns, die das in die Hand nehmen und ausrichten. Grunds\u00e4tzlich ist es so, dass die Veranstaltung kostenlos ist, es gibt aber auch Fuckup Nights in anderen L\u00e4ndern, bei denen Eintritt verlangt wird. Es w\u00e4re auch bei uns durchaus auch denkbar, dass wir irgendwann n\u00e4chstes Jahr einen extrem bekannten Speaker, einen CEO oder einen Vorstand aus der Gesch\u00e4ftswelt f\u00fcr die Idee begeistern k\u00f6nnen, der das m\u00f6glicherweise nicht umsonst machen w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p><em>Es gibt in Deutschland in verschiedenen St\u00e4dten Fuckup Nights. Sie veranstalten aber nur die in M\u00fcnchen..<\/em>.<\/p>\n<p>\u201eJa, wir sind quasi die Stationsleitung f\u00fcr den Standort M\u00fcnchen plus Rosenheim, da unser Firmensitz in Rosenheim ist. Also k\u00fcmmern wir uns um diese beiden Standorte, an anderen Standorten organisieren andere Leute und in den anderen L\u00e4ndern ist es genauso.\u201c<\/p>\n<p><em>Sie haben selbst eine Firma. Wie kommen Sie dazu, die Fuckup Night zu organisieren?<\/em><\/p>\n<p>\u201eWir sind ein Webtechnologiedienstleister und machen Webentwicklung, also viel E-Commerce und wir bauen Online-Shops und Firmenwebseiten. Da wir im IT-Umfeld unterwegs sind, ist das Thema Scheitern nat\u00fcrlich gro\u00df und Firmen sind in Schieflage. Bei uns ist das kein Thema, aber allgemein durchaus. Wir werden \u00fcbrigens von unseren eigenen Fuckups entsprechend erz\u00e4hlen. Da gibt es einen relativ gro\u00dfen Fundus&#8230; Der Unterschied ist eben, dass der eine oder andere damit lockerer und transparenter umgeht und andere eher nicht. Wir haben eine transparente Unternehmenskultur \u00fcber alle Bereiche hinweg und da geh\u00f6rt so etwas auch mit dazu.\u201c<\/p>\n<p><em>Was f\u00fcr Leute kommen zu Fuckup Nights?<\/em><\/p>\n<p>\u201eDie Resonanz ist enorm. Mittlerweile haben wir \u00fcber 100 Anmeldungen und m\u00fcssen schauen, wie wir so viele Zuschauer unterbringen k\u00f6nnen. Speaker kommen vier oder f\u00fcnf, denn mehr machen keinen Sinn, weil es sonst zu sehr ausufert. Die Vortr\u00e4ge sind recht kurz, immer nur so etwa zehn Minuten. Das ist bewusst, um es m\u00f6glichst knapp zu halten und anschlie\u00dfend mit den Teilnehmern auch in einen Dialog treten zu k\u00f6nnen. Da sind unterschiedlichste Leute dabei. F\u00fchrungskr\u00e4fte aus dem IT-Umfeld, aus dem Handel und aus dem Hochschulumfeld.\u201c<\/p>\n<p><em>Und was f\u00fcr Leute kommen zum Zuschauen? Vielleicht haupts\u00e4chlich Leute, die froh sind, dass auch anderen Menschen etwas schiefgegangen ist und nicht nur ihnen?<\/em><\/p>\n<p>\u201eJa, definitiv. Wir h\u00f6ren sehr h\u00e4ufig, dass sie froh sind, dass endlich jemand das Thema Scheitern anspricht und die Hosen runter l\u00e4sst. Da sind Leute dabei von Sch\u00fclern und Studenten bis hin zu Rentnern, die in unterschiedlichsten Bereichen t\u00e4tig waren und sich alles mal anh\u00f6ren und ansehen wollen.\u201c<\/p>\n<p><em>Momentan haben Sie eine Veranstaltung in M\u00fcnchen geplant, wird es in Zukunft noch weitere geben?<\/em><\/p>\n<p>\u201eEs sind definitiv weitere geplant. Aktuell kommt es darauf an, wie die erste Veranstaltung l\u00e4uft, wie die Resonanz ist, wie das Feedback ist, aber es ist geplant, mindestens einmal im Quartal eine Veranstaltung zu machen, gegebenenfalls auch alle zwei Monate.\u201c<\/p>\n<p><em>Woher kommt der Name Fuckup Night? Haben die Erfinder ihn kreiert?<\/em><\/p>\n<p>\u201eJa, er wurde tats\u00e4chlich von den Initiatoren ins Leben gerufen und ist meines Wissens nach auch gesch\u00fctzt. Wir mussten uns mehr oder weniger darum bewerben, dass wir das machen d\u00fcrfen und wurden auch entsprechend interviewt. Wir freuen uns, dass das jetzt geklappt hat und schauen mal, wie es ankommt. Bisher ist die die Reaktion extrem positiv, denn alle, mit denen wir bisher gesprochen haben, fanden es sehr cool. Dass die Reaktion aber so positiv ist, hat uns ein St\u00fcck weit \u00fcberrascht.\u201c<\/p>\n<p><em>Gibt es die Fuckup Night in den USA auch? Unter demselben Namen mit dem b\u00f6sen F-Wort, das man ja nicht sagen darf und das im Fernsehen regelm\u00e4\u00dfig mit Piept\u00f6nen \u00fcberblendet wird?<\/em><\/p>\n<p>\u201eJa, es gibt sie sogar in mehr als 20 St\u00e4dten, wie New York, Washington DC, San Francisco, Los Angeles, Boston, Dallas, Miami, San Diego und so weiter. Da ist das ja auch ein gro\u00dfes Thema, aber dort ist es eher normal, dass man mal etwas in den Sand setzt. Dann ist man eben gescheitert und macht was Neues. Bei uns bekommt man immer sofort den Stempel des Versagers aufgedr\u00fcckt, auch wenn man vielleicht selber gar nichts daf\u00fcr kann. Das Thema Fuckup ist also omnipr\u00e4sent, es sprechen aber nur wenige dar\u00fcber und das wollen wir daran etwas \u00e4ndern.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 5. Juli 2018 findet in M\u00fcnchen die erste sogenannte Fuckup Night statt. Eine mittlerweile weltweite Bewegung, bei der Menschen sich vor Publikum hinstellen und ganz unverbl\u00fcmt erz\u00e4hlen, wie sie im Leben mit Unternehmungen, Firmen oder Ideen gescheitert sind. 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